NATO-Meisterschaft: Şanal mit 7 aus 7, Deutschland Silber
In der Schlussrunde traf der Topgesetzte am ersten Brett auf einen Deutschen und ließ ihm keine Chance. Hinter Şanal teilten sich sechs Spieler Platz drei, Robert Stein bekam Bronze durch die beste Feinwertung, und Deutschland wurde mit 20 Punkten Zweiter hinter der Türkei mit 23,5.
Am Freitag, dem 16. Oktober, begann um halb neun Uhr morgens im Baltic Beach Hotel in Jūrmala die siebte und letzte Runde. Am ersten Brett saß Vahap Şanal, der Topgesetzte mit Elo 2544 und der einzige Großmeister im ganzen Feld, mit Weiß gegen den deutschen FM Mark Helbig (Elo 2232). Şanal hatte die ersten sechs Partien gewonnen. Er gewann auch die siebte und beendete die 36. NATO-Schachmeisterschaft mit dem Maximum von sieben Punkten aus sieben Partien.
Helbig wählte die Caro-Kann-Verteidigung. Vor dem 20. Zug zeigt Stockfish +1,05: Weiß steht klar besser. Şanal spielte 20.Lf4 statt des stärkeren 20.Td4, und die Bewertung fiel auf +0,12, die Stellung war damit wieder ausgeglichen. Mit 20...Sf3+ hätte Schwarz dieses Gleichgewicht gehalten. Helbig zog stattdessen 20...Sc6, und die Engine sieht Weiß wieder mit +1,27 klar besser. Es folgten 21.Lxh7+ Kxh7 22.Dd3+ Kg8 23.Lxd6, und Weiß hatte einen Bauern mehr.
Ein Bauer auf b3 und eine Uhr im Rückwärtsgang
Die Entscheidung fiel im 35. Zug. Schwarz hatte einen Bauern bis b3 vorgeschoben, und Weiß stand vor dem Zug mit +1,24 klar besser. Stärker als 35...Dc5 war 35...Db8. Nach 36.Db7, das den Bauern auf b3 angreift, steht Weiß mit +3,62 auf Gewinn. Es folgten 36...Sg6 37.Dxb3. Der Bauer war weg, und Helbig hatte nach seinem 37. Zug nur noch gut fünf Minuten auf der Uhr, Şanal knapp 22. Die Partie endete nach 42 Zügen mit 1:0.
Am zweiten Brett endete die Partie remis. Der IM Chiel Van Oosterom (Niederlande, Elo 2403) und der als Vierter gesetzte FM Robert Stein (Deutschland, 2389) einigten sich nach 57 Zügen auf Remis. Stein schloss damit auf 5,5 Punkte ab. Zusammen mit Van Oosterom und vier weiteren Spielern bildete er die Gruppe auf den Plätzen drei bis acht, und nur die Feinwertung entschied: Stein kam auf 35 Punkte nach der Buchholz-Variante, Van Oosterom auf 33,5. Das war Bronze für Deutschland.
Silber für Deutschland, Gold für die Türkei
In der Mannschaftswertung zählen die vier besten Ergebnisse eines Landes. Die Türkei kam mit Şanal (7) sowie Egemen Gulden, Muhammed Kaan Bacak und Efe Mert Kilic (je 5,5) auf 23,5 Punkte. Deutschland folgte mit 20 Punkten: Stein 5,5, Helbig 5, Bennett Schnabel 5 und einem der drei Spieler mit 4,5. Schweden und Lettland hatten je 19 Punkte, Schweden lag nach Wertung vorn. Für Lettland zählten die Großmeisterin Dana Reizniece mit 5,5, Artis Alainis mit 5, Martins Ivbulis mit 4,5 und Janis Koops mit 4.
Schon 2025 in Dęblin war es so gewesen: Die Türkei gewann mit 23 Punkten, Deutschland wurde mit 19,5 Zweiter, vor Polen.
Die beste Frau schlägt den Zweitgesetzten
Zweite wurde die Slowenin Laura Unuk, IM mit Elo 2318 und als Fünfte gesetzt. Sie kam auf 6 Punkte und war damit die beste Frau im Feld. Wegen der Auslosung spielte sie nie gegen den Sieger. In der Schlussrunde besiegte sie mit Weiß den Niederländer Mark Timmermans (Elo 2419), den Zweitgesetzten, der das Turnier mit 4,5 Punkten auf Rang 18 beendete. Im Blitzturnier, das danach gespielt wurde, gewann Timmermans mit 7,5 aus 9 Partien. Stein und Kilic hatten ebenso viele Punkte, lagen aber nach Buchholz auf Rang zwei und drei.
Das Turnier fand vom 11. bis 17. Oktober statt, die sieben Runden wurden vom 12. bis 16. Oktober gespielt, Bedenkzeit 90 Minuten mit 30 Sekunden Zuschlag je Zug. Gemeldet waren 148 Militärschachspieler aus 18 NATO-Staaten: Albanien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Großbritannien, Italien, Kanada, Lettland, Litauen, die Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweden, Slowenien, die Türkei und die USA. Der Elo-Schnitt lag bei 1910. Ausrichter waren der Sportclub der Nationalen Streitkräfte Lettlands und der Lettische Schachverband, Turnierleiter war Matīss Caune, Hauptschiedsrichter Toms Kalniņš, der Präsident des Verbands. Neben den Partien gab es ein Kulturprogramm mit einem Kurs im Backen von lettischem Brot und einem Besuch der Nationalbibliothek und der Altstadt von Riga. Das Wikingerschiff, das Symbol der Meisterschaft, wurde bei der Schlussfeier 2025 in Dęblin an Lettland übergeben.
