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Europapokal: Erdogmus gewinnt Zeitnotschlacht, elf Teams führen

In Runde 3 des Europapokals spielten Giri, Erdogmus und Abdusattorov erstmals mit und gewannen alle. Erdogmus entschied gegen Zbynek Hracek eine Partie, in der beide am Ende nur noch Sekunden auf der Uhr hatten, Jorden van Foreest verlor dagegen in einem Zug gegen einen Internationalen Meister. Bei den Frauen führen nach den Duellen der Favoriten Monte-Carlo und Gambit Bonnevoie.

19. Oktober 20265 Minuten LesezeitMatt am Dienstag

Sechs Sekunden Bedenkzeit hatte Yagiz Kaan Erdogmus noch, als er in der dritten Runde des Europapokals in Budva seinen 32. Zug machte. Der Zuschlag von 30 Sekunden pro Zug brachte die Uhr danach auf 36. Zeitnot dieser Art gehört bei dem 15-Jährigen fast zu jeder Partie: Er findet kräftige Züge, braucht dafür aber so viel Zeit, dass Fans und Mannschaftskameraden zusehen müssen, wie sie schrumpft.

Am Montag stand er zum ersten Mal in diesem Turnier am Brett. Wie Anish Giri hatte der Großmeister für die topgesetzten Bayegan Pendik die ersten beiden Runden ausgesetzt. Gegen Zbynek Hracek (2525) von Sigil Fund Pardubice spielte Erdogmus, der in der Turnierliste mit 2731 geführt wird, mit Schwarz Damenindisch in der Petrosian-Variante. Nach 25 Zügen hatte er noch 3:33 auf der Uhr, Hracek noch 16:25.

Zweieinhalb Minuten für den falschen Zug

Dann kippte die Zeitnot auf die andere Seite. Hracek hatte lange mehr Zeit gehabt, brauchte nun aber vor seinem 35. Zug knapp zweieinhalb Minuten und entschied sich für 35.Kg3. Stockfish rechnet mit dem besseren 35.bxc4 mit −0,81, Schwarz steht dann leicht besser. Nach 35.Kg3 steht Schwarz mit −2,03 auf Gewinn. Es folgten 35...fxg4 36.fxg4 Ke8 37.bxc4 Txe3+ 38.Kf2 Ta3, und im 39. Zug schlug Hracek mit 39.cxd5 einen Bauern. Erdogmus antwortete mit 39...Dxg4, danach endete die Partie mit seinem Sieg.

Hracek – Erdogmus, Runde 3Weiß am Zug: 35.Kg3 statt 35.bxc4

Mit dem Sieg überholte Erdogmus in der Live-Weltrangliste Le Quang Liem und Leinier Dominguez und steht dort jetzt auf Platz 15. Er ist damit der höchstgewertete 15-Jährige aller Zeiten.

Giri und Abdusattorov gewinnen bei ihrem Debüt

Pendik gewann den Wettkampf gegen Pardubice 5½:½ und kam damit zum dritten Sieg im dritten Wettkampf. Giri besiegte an Brett eins Sergei Movsesian, dessen Höchstwert bei 2751 liegt, Richard Rapport, Shakhriyar Mamedyarov und Ediz Gürel gewannen ebenfalls. Nur Amin Tabatabaei kam gegen Jachym Nemec nach 74 Zügen über ein Remis nicht hinaus.

Nodirbek Abdusattorov, mit 2780 Elo der höchstgewertete Teilnehmer des gesamten Turniers, spielte für Titelverteidiger SuperChess Romania zum ersten Mal in Budva. Er besiegte Balazs Csonka (2470), den Internationalen Meister von Cheddleton Savills Caterling, nach 53 Zügen. In der Live-Weltrangliste zog er dabei an Fabiano Caruana vorbei, der in St. Louis gegen Wesley So nicht gewonnen hatte.

Ein Zug kostet Van Foreest die Partie

SuperChess gewann den Wettkampf 5:1, anfangs sah es allerdings nicht danach aus. Alexey Sarana sagte nach seinem eigenen frühen Sieg:

Irgendwie läuft es heute nicht gut für die Mannschaft.Alexey Sarana, Großmeister · übersetzt nach Chess.com

Der Grund war Brett zwei, wo Jorden van Foreest (2716) gegen den Internationalen Meister Richard Pert (2409) verlor. Im 24. Zug war die Stellung ausgeglichen: Nach 24...Td5 steht die Engine bei 0,00. Van Foreest hatte noch gut 26 Minuten auf der Uhr, Pert nicht einmal zehn. Trotzdem spielte Van Foreest 24...Td6, und danach steht Weiß mit +5,96 auf Gewinn. Nach 25.a4 muss der Springer von b5 weichen, und geht er nach d4, trifft 26.Lb4 den Turm auf d6 und den Turm dahinter auf f8. Die Partie endete nach 25.a4 mit Perts Sieg.

Pert – Van Foreest, Runde 3Schwarz am Zug: 24...Td6 statt 24...Td5

Elf Teams ohne Verlustpunkt, Beer Sheva mit einem

Nach drei Runden stehen elf der 108 Mannschaften bei 6:0 Mannschaftspunkten. Auf Platz eins der Tabelle steht Vugar Gashimov (Setzplatz 8), das mit einem Aufgebot aus sieben Spielern aus Aserbaidschan 5:1 gegen Buducnost gewann. Dahinter folgen Pendik, Alkaloid, Nagykanizsai, SuperChess, Aix-en-Provence, Rishon LeZion A, Ashdod, Novy Bor, Nitra und Elektroprivreda.

Von den zwölf höchstgesetzten Teams hat nur Beer Sheva (Setzplatz 10) einen Mannschaftspunkt abgegeben: 3:3 gegen SK Dunajska Streda (27). Der 16-jährige Vaclav Finek, Großmeister aus Tschechien, schlug an Brett eins mit Weiß den 54 Jahre alten Victor Mikhalevski, Aron Pasti besiegte Eytan Rozen an Brett zwei. Beer Sheva holte seine Punkte an Brett vier durch Ori Kobo und an Brett sechs durch Shakked Tifferet, an den Brettern drei und fünf endeten die Partien remis.

Alkaloid, an zwei gesetzt, schlug die Schachfreunde Berlin 1903 mit 4½:1½. Arjun Erigaisi gewann gegen Marius Fromm, Wei Yi gegen Magnus Ermitsch und Velimir Ivic gegen Sebastian Poltorak. Einzelne Überraschungen gab es dennoch: Alvar Alonso (2560) schlug für Silla Nodirbek Yakubboev (2712), Pierre Laurent-Paoli (2550) für Marseille Pavel Eljanov (2664), und Koppany Geher gewann für MTK Budapest gegen Evgeny Romanov. Die Wettkämpfe gingen trotzdem an Novy Bor (4:2), Ashdod (4½:1½) und Elektroprivreda (4½:1½).

Bei den deutschen Teams gewannen im Open St. Pauli, Erlangen und die Weisse Dame Hamburg, Berlin, Mülheim-Nord und Schönaich verloren, bei den Frauen gewann Köln gegen Löberitz.

Monte-Carlo gewinnt das Spitzenduell der Frauen

Im Frauenturnier trafen die Favoriten schon in Runde drei aufeinander. Titelverteidiger Monte-Carlo (Setzplatz 1) schlug Sirmium Sremska Mitrovica (2) mit 2½:1½. Aleksandra Goryachkina gewann an Brett eins gegen Polina Shuvalova, Humpy Koneru remisierte mit Schwarz nach 23 Zügen durch Zugwiederholung gegen Leya Garifullina, und Stavroula Tsolakidou verlor gegen Nurgyul Salimova, die 2024 am Kandidatenturnier der Frauen teilgenommen hat. Den zweiten Sieg holte Elisabeth Pähtz gegen Teodora Injac.

Pähtz drehte ihre Partie mit Schwarz durch ein Springeropfer. Nach 25.Dc3 schlug sie 25...Sxg3, und Stockfish rechnet danach mit −0,37, Schwarz steht also leicht besser. Injac nahm mit 26.fxg3, es folgten 26...Dxe3+ 27.Kf1 Df3+, und die Partie endete nach 27 Zügen mit dem Sieg von Pähtz.

Injac – Pähtz, Runde 3Schwarz am Zug: 25...Sxg3 nach 25.Dc3

Gambit Bonnevoie aus Luxemburg, an vier gesetzt, schlug das drittgesetzte SuperChess Romania 3:1, alle vier Partien waren entschieden. Nino Batsiashvili gewann an Brett eins nach 70 Zügen gegen die frühere Weltmeisterin Anna Ushenina, die Punkte für Bonnevoie holten Klaudia Kulon gegen Dinara Wagner, Elina Danielian nach 70 Zügen gegen Irina Bulmaga und Aleksandra Maltsevskaya in 23 Zügen gegen Marsel Efroimski.

Die elf Jahre alte Bodhana Sivanandan gewann mit Schwarz gegen Olga Badelka ihre zweite Partie in Folge. Lionesses A (Setzplatz 12) spielte damit 2:2 gegen das an sechs gesetzte Gambit ASEE. Bonnevoie und Monte-Carlo sind die einzigen Teams mit 6:0 Mannschaftspunkten, acht Mannschaften folgen mit 4.

Bonnevoie gegen Monte-Carlo an Tisch eins

Runde 4 beginnt am Dienstag um 14 Uhr. Im Open spielen Alkaloid gegen Ashdod, Vugar Gashimov gegen SuperChess, Elektroprivreda gegen Pendik, Novy Bor gegen Rishon LeZion A, Aix-en-Provence gegen Nagykanizsai und Beer Sheva gegen Nitra.

Bei den Frauen treffen am ersten Tisch Gambit Bonnevoie und Monte-Carlo aufeinander, eine der beiden Mannschaften kann danach allein führen. Lionesses A spielt gegen SuperChess Romania, dessen Spitzenspielerin Nino Batsiashvili ist.

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