Der Handschlag, der Breutigam zum Schach brachte
Ein Händedruck des damaligen Weltmeisters Anatoli Karpow brachte den schüchternen Martin Breutigam als Elfjährigen zum Schach. Heute ist der Bremer Internationaler Meister, Autor mehrerer Bücher und Kolumnist. Anlass ist ein Porträt der Kreiszeitung, in dem er auch gegen einen Volontär antritt.
Karpow war Weltmeister, als er bei einem Besuch in Bremen einen elfjährigen, schüchternen Jungen freundlich begrüßte. Der Junge hieß Martin Breutigam, und dieser Moment entschied über sein Leben mit dem Schach. Kurz darauf trat er der Bremer Schachgesellschaft von 1877 bei.
Das Talent zeigte sich schnell. Mit 15 Jahren spielte Breutigam am ersten Brett seines Vereins, mit 20 wechselte er zur Berliner Schachgesellschaft Lasker Steglitz, damals ein Bundesligaverein. Später kamen der Delmenhorster Schachklub, der Hamburger SK und von 2008 bis 2021 der SK Union Oldenburg hinzu, seit 2021 spielt er für die zweite Mannschaft von Werder Bremen. In der Bundesliga kam er bei allen diesen Vereinen zum Einsatz.
Profi wollte er trotzdem nie werden. „Das erschien mir nicht seriös genug“, sagt der heute 61-Jährige über seine Zeit als Soziologiestudent. Den Titel des Internationalen Meisters bekam er 2002, mit zahlreichen Normen gegen starke Gegner. Seine beste Zahl lag im April 2004 bei 2414 Elo, im Juli 2026 stehen 2345.
Seine zweite Leidenschaft ist das Schreiben, und er verband sie früh mit dem Schach. Ab 1990 belieferte er bis zu zwölf Zeitungen mit Turnierberichten. Heute schreibt er als Schachjournalist regelmäßig unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und den Tagesspiegel. Seine Kolumnen aus dem Tagesspiegel erschienen als Bücher: „Todesküsse am Brett“ (2010), „Himmlische Züge“ (2014) und „Damen an die Macht“ (2022). Dazu kommen „Genies in Schwarzweiß“ über die Weltmeister (2016) und Eröffnungsrepertoires bei ChessBase. Außerdem unterrichtet er an Volkshochschulen im Landkreis Diepholz.
Wie unerbittlich Breutigam auch jetzt noch spielt, erlebte ein junger Volontär der Kreiszeitung bei einem Duell im Syker Park, über das Tobias Schulte berichtet. Nach wenigen Zügen verlor Weiß immer mehr Figuren, bis der Meister nüchtern urteilte: „Jetzt stehe ich auf Gewinn.“ Nach rund einer halben Stunde war die Partie entschieden. Zur Schlussstellung sagte Breutigam „Todeskuss“ und erklärte: „Die Dame setzt den König fest.“
