Wijk aan Zee bekommt einen neuen Direktor
Nach 28 Jahren als Turnierdirektor tritt Jeroen van den Berg ab: Die 89. Ausgabe im Januar 2027 ist seine letzte. Ihm folgt Erwin l'Ami, ein Großmeister, der seit 2003 in Wijk aan Zee spielt. Die Übergabe läuft schrittweise, und van den Berg bleibt noch drei Jahre als Berater.
Wer in Wijk aan Zee seit 1984 keinen einzigen Turniertag verpasst hat, hört nicht einfach so auf. Jeroen van den Berg kam damals als Brettjunge und Mitglied des Pressteams zum Turnier, und bis zum Jahr 2021 hatte er keinen Tag ausgelassen. Seit 1999 ist er Turnierdirektor. Am 23. Oktober hat das Tata Steel Chess Tournament nun mitgeteilt, wann dieses Kapitel endet: Nach der 89. Ausgabe im Januar 2027 zieht sich der 64-Jährige aus der Turnierleitung zurück.
Sein Nachfolger ist der Niederländer Erwin l'Ami, 41. Er übernimmt ab 2028 die Verantwortung für das Turnier. Die Übergabe soll nicht von heute auf morgen geschehen. Schon in der Vorbereitung und Organisation der Ausgabe 2027 arbeiten beide eng zusammen, damit l'Ami jeden Bereich der Direktorenrolle kennenlernt. Van den Berg zieht sich danach nicht ganz zurück: Er bleibt für drei weitere Jahre als Berater in der Organisation und verlässt sie im Januar 2030 endgültig.
Vom Brettjungen zum Direktor
Als van den Berg 1999 das Amt übernahm, trat er in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Piet Zwart hatte das Turnier 45 Jahre lang geleitet. Im Jahr seiner Berufung spielte Garri Kasparow in Wijk aan Zee gegen Wesselin Topalow jene Partie, die als „Die Perle von Wijk aan Zee“ bekannt ist. Die Veranstalter beschreiben ihn als treibende Kraft hinter dem Turnier, das im Niederländischen das „Wimbledon des Schachs“ heißt. Unter ihm sei es zu einem der bekanntesten und angesehensten Schachereignisse der Welt gewachsen.
Der Ursprung ist bescheiden. Die erste Ausgabe liegt 88 Jahre zurück und war eine Betriebsveranstaltung auf dem Gelände von Koninklijke Hoogovens, dem Vorgänger von Tata Steel Nederland. Aus dem regionalen wurde ein nationales, schließlich ein internationales Turnier. Heute spielen im Masters wie in den Challengers je 14 Spieler, zu den besten Zeiten gab es drei Gruppen. Auch die Geldgeber gaben nicht immer Sicherheit: Vor dem Einstieg von Tata stand die Finanzierung zeitweise infrage. Das sei vorbei, sagte van den Berg, und nach seiner Einschätzung wolle Tata mindestens 100 Ausgaben erreichen. Zum Auftakt 2026 hatten Aktivisten von Extinction Rebellion einen Kohlehaufen vor den Eingang geschüttet, was den Beginn der ersten Runde um anderthalb Stunden verzögerte. Der Protest richtete sich gegen das Stahlwerk und damit gegen den Sponsor.
Die Ausgabe 2027 wird für mich ein ganz besonderer Abschied sein.Jeroen van den Berg, Turnierdirektor · übersetzt nach der Pressemitteilung
Ein Stammgast wird Chef
Erwin l'Ami ist kein Außenseiter, der von draußen kommt. Er wurde am 5. April 1985 in Woerden geboren, ist seit 2005 Großmeister und hat die Niederlande bei sieben Schacholympiaden vertreten. 2015 gewann er das Reykjavik Open mit 8,5 aus 10, 2022 die niederländische Meisterschaft. Seine höchste Elo-Zahl erreichte er im Mai 2014 mit 2651, im Oktober 2026 steht er bei 2579. Schon 2004 gewann er das Turnier in Gausdal vor Magnus Carlsen, obwohl von ihm höchstens ein Platz im Mittelfeld erwartet worden war.
In Wijk aan Zee spielt er seit 2003, damals hieß das Turnier noch Corus. Seitdem war er bei fast jeder Ausgabe dabei, und 2011 stieg er erstmals in die A-Gruppe, das Masters, auf. In der Szene kennt man ihn zudem als Sekundanten. Er half Wesselin Topalow bei dessen Weltmeisterschaftskampf gegen Viswanathan Anand 2010 und half später auch seinem Landsmann Anish Giri. Wer ihn zuletzt am Brett sah, erlebte allerdings keinen Selbstläufer: In den Challengers 2026 verlor l'Ami die ersten drei Partien, ehe ihm gegen Vasyl Ivanchuk der erste Sieg gelang.
Während des Turniers 2027 wird es mein Hauptziel sein, von ihm und dem Organisationsteam zu lernen.Erwin l'Ami · übersetzt nach der Pressemitteilung
Januar 2027: der letzte Auftritt
Die 89. Ausgabe findet vom 15. bis zum 31. Januar 2027 in Wijk aan Zee statt. Titelverteidiger wäre Nodirbek Abdusattorov, der das Masters 2026 im vierten Anlauf gewann, nachdem er in den drei Jahren davor jeweils bis zum letzten Wochenende vorn mitgespielt hatte. Van den Berg hat ihn schon am Schlusstag eingeladen, im nächsten Jahr zurückzukehren und seinen Titel zu verteidigen. Eine Zusage steht dazu nicht fest. Sicher ist dagegen der Platz von Andy Woodward, der die Challengers 2026 gewann und damit 2027 im Masters spielen darf.
