Clutch Chess: Showdown in Saint Louis
Am Dienstag beginnt in Saint Louis der Clutch Chess Champions Showdown. Vier Spitzenspieler treten in drei doppelten Rundenturnieren an, und weil ein Sieg am dritten Tag dreimal so viel wert ist wie am ersten, ist bis zur letzten Partie alles offen. Für Javokhir Sindarov ist es eine Probe kurz vor dem WM-Kampf gegen Gukesh.
Am Dienstag um 12 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es dann 18 Uhr, setzt sich im Saint Louis Chess Club die erste Uhr in Gang. Bis Donnerstag spielen Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura, Praggnanandhaa Rameshbabu und Javokhir Sindarov ein Turnier, dessen Wertung auf den Kopf stellt, was man sonst vom Schach kennt: Ein Sieg ist nicht immer einen Punkt wert, sondern an jedem Tag mehr.
Gespielt wird an drei Tagen je ein doppeltes Rundenturnier. Jeder trifft an einem Tag jeden anderen zweimal, einmal mit Weiß und einmal mit Schwarz. Das ergibt sechs Partien täglich und 18 insgesamt. Die Bedenkzeit beträgt 10 Minuten je Spieler mit 5 Sekunden Zuschlag ab dem ersten Zug. Remisangebote sind erst erlaubt, wenn Schwarz seinen 60. Zug gemacht hat.
Ein Sieg wird mit jedem Tag teurer
Das Format hat der Großmeister Maurice Ashley entwickelt. Am ersten Tag bringt ein Sieg einen Punkt, am zweiten zwei, am dritten drei. Ein Remis zählt am ersten Tag einen halben Punkt, an den beiden anderen Tagen einen ganzen. Am Schlusstag ist ein Remis damit nur noch ein Drittel eines Sieges wert, was zum Gewinnen zwingen soll. Rechnerisch sind bei diesem System insgesamt 36 Punkte zu holen, sechs am ersten, zwölf am zweiten und 18 am dritten Tag.
Das Preisgeld beträgt 425.000 US-Dollar. Der Sieger bekommt 125.000, der Zweite 94.000, der Dritte 72.000 und der Vierte 62.000. Dazu kommen Prämien für einzelne Siege: 1.000 Dollar am ersten, 2.000 am zweiten und 3.000 am dritten Tag. Das Geld, das den Remispartien zugeordnet ist, sammelt sich im Champion's Jackpot, den der Turniersieger zusätzlich zum Preis erhält. Enden zwei Spieler gleichauf, entscheidet eine einzelne Armageddon-Partie. Bei drei oder vier Punktgleichen wird ein Armageddon-Rundenturnier gespielt.
Carlsen fehlt, Caruana und Nakamura bleiben
Die erste Ausgabe im Oktober 2025 gewann Magnus Carlsen zwei Partien vor Schluss. Am Schlusstag gewann er viermal in Folge, gegen Gukesh und gegen Caruana je zweimal, und kam auf 25½ Punkte. Caruana wurde mit 16½ Zweiter, Nakamura holte 14, Gukesh 10. Gukesh hatte nach dem ersten Tag allein geführt, doch die immer wertvolleren Siege ließen Carlsen noch davonziehen. Carlsen verteidigt seinen Titel nicht, Caruana und Nakamura spielen erneut mit, Praggnanandhaa und Sindarov sind zum ersten Mal dabei.
Praggnanandhaa gewann in diesem Jahr die Grand Chess Tour. Im Finale im August in Saint Louis schlug er Caruana, nachdem er am letzten Tag einen Rückstand von sechs Punkten aufgeholt hatte. Caruana kommt außerdem von einer bitteren Woche: Bei der US-Meisterschaft verlor er den Stichkampf mit zwei Schnellpartien gegen Wesley So, nachdem beide im klassischen Turnier gleichauf geendet waren. Nakamura ist nach wie vor einer der bestgewerteten Spieler der Welt, obwohl er derzeit nur wenig spielt.
Sindarov testet sich vor der WM
Sindarov gewann im April das Kandidatenturnier und fordert im November Gukesh Dommaraju um den Weltmeistertitel heraus. Der Usbeke war zuletzt bei den beiden letzten Turnieren der Grand Chess Tour in Saint Louis zu Gast. Nun trifft er weniger als einen Monat vor dem WM-Kampf auf drei erfahrene Gegner in einem Schnellschachturnier, in dem Tempo und Nerven zählen.
Übertragen wird die Veranstaltung auf den YouTube- und Twitch-Kanälen des Clubs. Es kommentieren die Großmeister Maurice Ashley und Yasser Seirawan gemeinsam mit James Dash Patterson.
