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Kosteniuk in der Hall of Fame, aber nicht am Ende

Die zwölfte Frauenweltmeisterin zieht in die World Chess Hall of Fame in Saint Louis ein. Alexandra Kosteniuk, 42, spielt seit einigen Jahren für die Schweiz und widerspricht dem Klischee, dass Ruhmeshallen den Abschied ankündigen: Sie habe noch Ziele.

25. Oktober 20262 Minuten LesezeitMatt am Montag

Eine Ehrung dieser Größe hat für Alexandra Kosteniuk bisher meist einen bestimmten Beiklang gehabt: Wer in eine Ruhmeshalle einzieht, hat in der Regel aufgehört. Als der Schweizerische Schachbund am 25. Oktober über ihre Aufnahme in die World Chess Hall of Fame berichtete, stand darin auch, dass sie mit gemischten Gefühlen reagierte. Solche Auszeichnungen seien für sie bislang eher mit dem Ende einer Karriere verbunden gewesen, erklärte sie.

Sie betrachte sich aber weiterhin als aktive Spielerin mit offenen Zielen. Die Aufnahme verstehe sie nicht als Schlusspunkt, sondern als Anlass, aus der Vergangenheit Motivation für Kommendes zu schöpfen. In der Weltrangliste steht sie weiter: Im Oktober 2026 steht sie bei 2481 Elo-Punkten, ihr Höchstwert liegt bei 2561 aus dem Januar 2018.

Vom Wunderkind zur Weltmeisterin

Schon mit zwölf Jahren wurde Kosteniuk Russische Meisterin im Schnellschach. 2001 stand sie mit 17 im Finale der Frauenweltmeisterschaft und verlor erst im Stichkampf, Siegerin wurde Zhu Chen. 2004 gewann sie die Europameisterschaft der Frauen in Dresden. Mit einer Turnierleistung über 2600 bekam sie im November 2004 den Großmeistertitel, als zehnte Frau überhaupt.

2008 folgte der größte Erfolg. Im Finale der Weltmeisterschaft schlug sie die damals junge Chinesin Hou Yifan mit 2½:1½. Den Titel trug sie bis 2010, dann schied sie in der dritten Runde gegen Ruan Lufei aus. Mit Russland gewann sie bei den Frauen-Olympiaden 2010, 2012 und 2014 Mannschaftsgold. 2013 holte sie als erste Frau die offene Schweizer Meisterschaft. 2021 gewann sie den Frauen-Weltcup in Sotschi, im Finale mit 1,5:0,5 gegen die topgesetzte Aleksandra Goryachkina, und im selben Jahr die Schnellschach-WM in Warschau mit 9 Punkten aus 11 Partien.

Fünf Neue in der Ruhmeshalle

Die Hall of Fame hatte ihre Klasse 2026 schon am 30. Juli bekanntgegeben. Neben Kosteniuk kommen der Schwede Ulf Andersson, Boris Gelfand, Nana Ioseliani und Vasyl Ivanchuk hinzu, womit die Halle 61 Mitglieder hat. Andersson wurde 1972 Großmeister und war 1983 die Nummer 4 der Welt. Gelfand war sechsmal Kandidat für die Weltmeisterschaft, Ioseliani gewann 1979 das Interzonenturnier der Frauen mit 14½ aus 16, und Ivanchuk erreichte 2002 den WM-Kampf. Gefeiert werden die neuen Mitglieder im Oktober in Saint Louis, im Rahmen der Saint Louis Chess Conference. In die US-Ruhmeshalle zogen in diesem Jahr Montgomery Major und Jeremy Silman ein.

Ihre Vermächtnisse werden künftige Generationen inspirierenWilly Iclicki, Vorsitzender des FIDE Historical Committee, über die fünf Neuen · übersetzt nach World Chess Hall of Fame

Iclicki würdigte Kosteniuk außerdem als Schach-Pionierin. Schachbund-Präsident André Vögtlin sprach von einer großen Ehre für das Schweizer Schach und einem starken Signal an die Jugend, besonders an Mädchen.

Genf im Blick

Die Schweiz steht 2026 gleich doppelt im Rampenlicht des Schachs, sagte Vögtlin, denn im November wird in Genf die Weltmeisterschaft zwischen Gukesh Dommaraju und Javokhir Sindarov gespielt. Kosteniuk gehört zum Rahmenprogramm: Während der ersten Partie fordert sie das Publikum zu einer Partie heraus, die FIDE nennt sie eine der größten Inspirationen im Frauenschach.

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