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Der FM-Titel und die Regel dahinter

Beim Europapokal in Budva holte Dick De Graaf am sechsten Brett von Bloemendaal 5½ aus 7 und erfüllte damit die Leistung für den FM-Titel. Ein Video kritisiert, dass die Regel das so leicht macht, und fordert eine Reform. Gegen eine Vorschrift hat De Graaf nicht verstoßen.

26. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Donnerstag

Die erste Runde ging gründlich schief. Am 17. Oktober verlor die niederländische Mannschaft Bloemendaal S.V. gegen den türkischen Klub UKEB Okulları Goztepe 0:6, und am sechsten Brett unterlag Dick De Graaf gegen Baran Demir. Danach gewann der 2113 gewertete Niederländer fünf seiner restlichen sechs Partien und remisierte die sechste. Mit 5½ aus 7 hatte er am Ende die Punktzahl, die bei einem Wettbewerb dieser Art für den FM-Titel verlangt wird.

Über dieses Ergebnis ist eine Debatte entstanden. Der Kroate Vjekoslav Nemec veröffentlichte auf dem Kanal Chessentials ein Video mit dem englischen Titel „The most SHAMELESS way to become an FM“. Er wirft De Graaf vor, die Regularien auszunutzen, und fordert eine Reform der Titelvergabe. Ein Verstoß gegen eine Vorschrift wird De Graaf nicht vorgeworfen. Welche Änderung Nemec im Einzelnen vorschlägt, steht in den Berichten nicht.

Was die Regel verlangt

Grundlage ist die Tabelle der Direkttitel im FIDE-Handbuch, hier in der Fassung ab dem 1. Januar 2026. Für kontinentale Mannschafts- und Vereinswettbewerbe nennt sie zwei Zeilen: 65 Prozent aus mindestens sieben Partien bringen den FM-Titel, 50 Prozent aus mindestens sieben Partien den CM-Titel. Bei sieben Runden reichen 4½ Punkte mit 64,3 Prozent knapp nicht, es braucht 5.

Dazu kommt eine Mindestwertung aus dem Titelreglement. Damit ein Direkttitel sofort vergeben wird, muss der Spieler irgendwann eine Wertungszahl von mindestens 2100 für FM oder 2000 für CM erreicht haben, bei Zahlen ab 2024 nach mindestens 30 gewerteten Partien. Wer darunter liegt, bekommt den Titel zunächst nur bedingt. De Graafs Standardwertung liegt laut FIDE-Liste seit Mai 2024 durchgehend über 2100, im Oktober bei 2113. Beantragen muss den Titel der Verband des Spielers, bestätigt wird er von der Qualifikationskommission. Im FIDE-Profil von De Graaf steht am 29. Oktober noch kein Titel.

Nicht verlangt wird dagegen ein Mindestniveau der Gegner. Bei den Normen für Internationale Meister und Großmeister gibt es eine geforderte Durchschnittswertung der Gegner, bei diesem Direkttitel zählt allein der Prozentsatz.

Fünf Siege gegen 1575 bis 1869

Die Zahlen aus Budva zeigen, was das in der Praxis heißt. De Graaf gewann gegen Lennert Parnitzke (1869), Ioana Jojua (1575), Roberto Condorelli (1645), Andrew Smith (1820) und Kieran Barry (1677). Dazu kamen das Remis gegen Jo Engedal (1854) und die Niederlage gegen Demir (2049). Im Schnitt hatten seine sieben Gegner 1784 Punkte, seine Turnierleistung wird mit 2049 angegeben. Auch das Team war schwach besetzt: Die fünf Mitspieler lagen zwischen 1763 und 1931, zwei hatten keine Wertungszahl. Bloemendaal gewann nur den Wettkampf der Schlussrunde, 3½:2½ gegen Elm Mount, und wurde 107. von 108 Mannschaften. Gegen den SK Weisse Dame Hamburg verlor es in Runde 3 mit 2½:3½, De Graaf gewann dabei seine Partie gegen Parnitzke.

Vorher bekannt, nicht neu

Dass Bloemendaal mit diesem Ziel antrat, war vor dem Turnier zu lesen. Dimitri Reinderman schrieb am 16. Oktober auf Schaaksite, De Graaf spiele am letzten Brett, damit er gegen sehr schwache Gegner mindestens 5 aus 7 holen könne. Im Vorjahr habe Rob Duijn das mit einer Leistung von 1951 ebenso gemacht. Der Wertungsschnitt von Bloemendaal lag bei 1749, der niedrigste unter den niederländischen Teams.

De Graaf war nicht der Einzige, der auf die FM-Punktzahl hoffte. Reinderman nannte während des Turniers weitere Niederländer: Martin van Dommelen erreichte 6 aus 7, Daan in 't Veld mit einem Sieg in der Schlussrunde 5. In den Kommentaren unter dem Beitrag gingen die Meinungen auseinander. Ein Teil sah die Titel entwertet, andere legten die Verantwortung bei der FIDE-Regel und nicht beim Spieler. Ein Leser brachte eine Mindestleistung als Bedingung ins Spiel. Reinderman nahm an, dass die FIDE an strengeren Regeln wenig Interesse habe, weil jeder beantragte Titel Gebühren bringe, bei einem FM etwa 70 Euro.

Von der FIDE und vom niederländischen Schachbund KNSB liegt nach den vorliegenden Berichten bislang keine Äußerung zu der Debatte vor.

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