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Sindarov führt Gukesh um 72 Punkte

Mit 2782 gegen 2710 gehen Javokhir Sindarov und Weltmeister Gukesh Dommaraju in ihren Kampf in Genf: 72 Elo-Punkte und 22 Plätze liegen zwischen ihnen. Nihal Sarin zieht nach dem Europapokal in die Top 20 ein, Hans Niemann fällt unter 2700.

1. November 20265 Minuten LesezeitMatt am Sonntag

2782 gegen 2710: Mit diesen beiden Zahlen gehen Javokhir Sindarov und Weltmeister Gukesh Dommaraju in ihren WM-Kampf. Die Weltrangliste vom 1. November macht den Abstand amtlich. Sindarov, Jahrgang 2005, steht auf Platz vier, Gukesh auf Platz 26. Gespielt wird über 14 Partien in Genf, in gut drei Wochen. Beide haben im Oktober keine klassische Partie gespielt, ihre Zahlen haben sich also nicht bewegt. Sindarov gewann zuletzt das Turnier Clutch Chess: Champions Showdown und ist damit in der Schnellschach-Liste auf Platz zwei geklettert.

Ungewöhnlich ist der Abstand von 72 Punkten für einen Titelkampf nicht. Magnus Carlsen ging mit 74 Punkten Vorsprung gegen Ian Nepomniachtchi in seinen Kampf von 2021, mit 81 gegen Sergey Karjakin 2016 und mit 95 gegen Viswanathan Anand 2013. Neu ist dagegen die Platzierung: 22 Plätze Unterschied sind der größte Abstand in einem Titelkampf, seit der Weltmeistertitel 2006 wieder vereinigt wurde. Gukesh ist der am niedrigsten platzierte Spieler, der in diesem Zeitraum einen Titelkampf bestritten hat. Von einem Rang unterhalb von Platz fünf hat bisher niemand gewonnen, und nur Ding Liren 2023 und Anand 2010 setzten sich überhaupt gegen die bessere Zahl durch.

Gukesh selbst weiß, wie sich ein Vorsprung in Zahlen anfühlt: 2024 hatte er gegen Ding Liren 55 Punkte und 18 Plätze Vorsprung und gewann erst in der letzten klassischen Partie. Carlsen lag 2016 trotz 81 Punkten Vorsprung gegen Karjakin zwischenzeitlich zurück und gewann erst im Stichkampf.

Die Spitze bleibt fast stehen

Obwohl im Oktober viele Topspieler im Einsatz waren, hat sich an der Spitze kaum etwas bewegt. Carlsen führt unverändert mit 2823, dahinter folgen Hikaru Nakamura mit 2792, Fabiano Caruana mit 2783 (−1) und Sindarov mit 2782. Nodirbek Abdusattorov hält mit 2772 (−8) Platz fünf, Wesley So kommt mit 2771 (+1) auf Platz sechs. Praggnanandhaa Rameshbabu bleibt mit 2763 Siebter. Wei Yi schiebt sich mit 2761 (+3) auf Platz acht und liegt damit knapp vor Vincent Keymer, der bei gleicher Zahl auf Platz neun zurückfällt. Alireza Firouzja ist mit 2757 Zehnter, Anish Giri mit 2747 (−5) Elfter.

Der Sieg von Wesley So über Caruana bei der US-Meisterschaft änderte an der Rangliste wenig: Nach einer Niederlage in Runde 11 blieb So nur ein Punkt Zugewinn, und er liegt einen Punkt hinter Abdusattorov. Bedeutender war das Turnier für den FIDE Circuit, der zwei Plätze im nächsten Kandidatenturnier vergibt. So holte dort 17,76 Punkte und liegt nun nur noch knapp hinter Sindarov. Caruana rückte mit 15,89 Punkten für Platz zwei nach dem Stichkampf auf den dritten Platz der Circuit-Wertung vor.

Nihal knackt die Top 20

Der größte Aufsteiger in der Spitzengruppe ist Nihal Sarin. Der 22-jährige Inder erzielte beim Europapokal in Budva, Montenegro, 5 aus 6 und die Goldmedaille am zweiten Brett, mit einer Turnierleistung von 2859. Er steigt damit von Platz 30 auf die Karrierebestmarke 19, mit 2720 Punkten (+11). Giri sicherte seinem Team den Titel mit einem Sieg über Abdusattorov, hatte zuvor aber gegen die beiden 20-jährigen Inder Pranav Venkatesh und Pranesh M verloren. Abdusattorov verlor auch gegen Aydin Suleymanli (+13, jetzt Platz 36), gewann dafür gegen Nodirbek Yakubboev, der mit 2701 (−11) gerade noch im 2700er-Klub bleibt.

Yagiz Kaan Erdogmus erlebte seinen ersten Rückschlag seit langer Zeit: 12 Punkte weniger, Platz 21 statt 17, nachdem er im Turnier zwischenzeitlich bis auf Platz 15 der Welt geklettert war. Bei der US-Meisterschaft legten Grigoriy Oparin (+18, Platz 60 statt 82), Andy Woodward (+16) und Jeffery Xiong (+15, Platz 46) zu. Samuel Sevian verlor trotz eines Siegs in der Schlussrunde 24 Punkte und liegt mit 2684 auf Platz 40. Am härtesten traf es Hans Niemann, der vier Partien verlor und eine gewann: minus 20 Punkte, zehn Plätze tiefer auf Rang 32 und mit 2697 unter der 2700er-Marke.

Keymer verliert einen Platz an Wei Yi

Vincent Keymer bleibt Deutschlands Nummer eins, mit 2761 auf Platz neun. Dass er einen Platz verloren hat, liegt an Wei Yi, der ihn mit einer starken Leistung im Europapokal überholt hat. Nach drei Remis in der chinesischen Liga ist Wei Yi in der Live-Wertung inzwischen wieder hinter Keymer zurückgefallen. Matthias Blübaum steht mit 2671 (+5) auf Platz 47, einen Platz tiefer als zuvor, Frederik Svane mit 2657 (−5) auf Platz 59 nach Rang 52 in der Vorliste.

Bei den Frauen bleibt die Spitze stehen

Bei den Frauen bleiben die ersten zehn Plätze unverändert: Hou Yifan führt mit 2596 vor Zhu Jiner (2559), Ju Wenjun (2553), Lei Tingjie (2552) und Aleksandra Goryachkina (2540, +4). Es folgen Tan Zhongyi, Bibisara Assaubayeva, Anna Muzychuk, Koneru Humpy (2520, +2) und Polina Shuvalova (2514, +5). Goryachkina und Humpy gewannen mit Monte-Carlo den Europapokal der Frauen. Lei Tingjie (−19,3) und Tan Zhongyi (−9,6) verloren in der chinesischen Liga Punkte, die erst in der Liste vom 1. Dezember wirksam werden; in der Live-Wertung rücken Goryachkina und Assaubayeva dadurch je einen Platz vor.

Für die größten Ausschläge sorgte die US-Meisterschaft der Frauen. Die 16-jährige Rachael Li gewann sie überraschend, legte 50 Punkte zu und steht mit 2430 auf Platz 31, 35 Plätze höher als zuvor. Carissa Yip, die ihren fünften Titel in sechs Jahren wollte, verlor fünf Partien, 31 Punkte und neun Plätze und liegt nun auf Rang 22. Zweite wurde Alice Lee: plus 7, Platz 14, 2474 Punkte und damit Nummer eins der US-Frauen. Bis zu den 2500, die für den Großmeistertitel nötig sind, fehlen ihr 26 Punkte.

Der Star des Monats bleibt die elfjährige Bodhana Sivanandan. Beim Europapokal gewann sie 31 Punkte, überschritt die 2400 und liegt auf Platz 39 der Frauenliste. Dort erfüllte sie auch ihre dritte und letzte IM-Norm und ist damit die siebtjüngste Internationale Meisterin aller Zeiten, Männer eingeschlossen.

Ich freue mich darüber, aber hoffentlich schaffe ich bald auch den Großmeister.Bodhana Sivanandan, über ihren IM-Titel · übersetzt nach Chess.com

In der Juniorenliste führt Erdogmus trotz seines Rückschlags mit 2719 vor Gukesh (2710) und Pranav Venkatesh (2679). Marc'Andria Maurizzi (+17, Gold am ersten Brett im Europapokal) rückt auf Platz acht, Vaclav Finek (+22, Silber) auf Platz 15, und Woodward (+16) kehrt auf Platz zehn zurück. Weiter unten läuft ein anderes Rennen: Der elfjährige Roman Shogdzhiev steht bei 2484 und braucht 2500 sowie eine weitere Großmeisternorm, um der jüngste Großmeister der Geschichte zu werden. Der Serbe Leonid Ivanovic, einen Tag jünger, gewann in der serbischen Superliga 87 Punkte auf 2357 und holte in der zweiten serbischen Liga in zehn Runden weitere 124,8 Punkte. Eine Runde steht dort noch aus.

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