Almaty: Dubov führt allein
Daniil Dubov hat in der sechsten Runde des KazChess Masters Alua Nurman bezwungen und führt allein mit 4½ Punkten, einen halben Punkt vor Shamsiddin Vokhidov und Denis Lazavik. Vokhidov gewann gegen den bisherigen Mitführenden Edgar Mamedov in einem Turmendspiel, in dem beide den Sieg mehrfach aus der Hand gaben.
Mit einer Minute auf der Uhr ein Turmendspiel zu spielen, ist selten ein Vergnügen, und Edgar Mamedov bekam das in der sechsten Runde zu spüren. Gegen Shamsiddin Vokhidov hatte der 16-Jährige die Spanische Partie mit 4.d3 bis in ein Endspiel gerettet, in dem er mit Turm und einem Bauern gegen Turm und zwei Bauern spielte. Nach dem 75. Zug von Weiß stand die Partie im Gleichgewicht: Mit 75...Ke5 wäre es dabei geblieben. Mamedov zog stattdessen 75...Tg1, und Vokhidov, der noch gut 50 Minuten auf der Uhr hatte, stand plötzlich auf Gewinn.
Lange hielt der Vorteil nicht. Statt 79.h5, das den Gewinn gesichert hätte, zog Vokhidov 79.Kg7, und nach 79...Kg4 80.Kxf7 war die Partie nur noch remis.
Den Rest besorgte Mamedov selbst. Nach 85.Kg6 hielt 85...Ta5 das Remis, doch Schwarz nahm mit 85...Kxg3 den Bauern, und nach 86.h5 Tg4+ 87.Kf7 Tf4+ war nichts mehr zu retten. Nach 89 Zügen war Schluss. Für Mamedov, der zuvor ungeschlagen war, bedeutete es die erste Niederlage des Turniers.
Die Dame holt zwei Läufer
Daniil Dubov, mit Elo 2654 der Zweitbestgesetzte, hatte es leichter. Gegen Alua Nurman spielte er die Abtauschvariante des Damengambits. Nach einem Springeropfer auf f7 hatte Nurman nur noch knapp 28 Minuten für 24 Züge, Dubov dagegen fast eine Stunde. Mit 16...Sc4 ging es dann schief, besser war 16...Td6. Nach 17.b3 a6 18.Sa4 Dxb5 19.Dxe6+ Kg6 20.Dxe7 hatte Schwarz beide Läufer verloren, und Weiß stand auf Gewinn. Nach 42 Zügen war Schluss.
Dubov hat damit nach dem Auftaktsieg gegen Mark Smirnov, drei Remisen und den Siegen gegen Denis Makhnev und Nurman noch keine Partie verloren. Nurman steht bei einem halben Punkt.
Muradli nutzt Fehler, Hakobyan verpasst den Sieg
Auffällig an den Runden fünf und sechs: Beide brachten drei Siege, und beide Male gewannen dieselben drei Spieler, nämlich Mahammad Muradli, Dubov und Vokhidov. Muradli (Elo 2662) kam gegen Sauat Nurgaliyev in der Tarrasch-Verteidigung lange nicht über einen kleinen Vorteil hinaus. Mit 37...h5 und kurz darauf 39...Kf7 schenkte Nurgaliyev die Partie her. Besser war 37...Dc4, dann blieb Weiß nur leicht im Vorteil. Nach 52 Zügen gab Nurgaliyev auf. Muradli, der mit zwei Niederlagen und zwei Remisen gestartet war, steht nach zwei Siegen in Folge wieder bei 3 Punkten.
Mehr Dramatik gab es am ersten Brett. Der 14-jährige Mark Smirnov, mit Elo 2451 der am niedrigsten gewertete Spieler des Feldes, suchte gegen Aram Hakobyan (2638) mit 16.Lxb5 cxb5 17.Txd8 Texd8 die Entscheidung und stand danach auf Verlust. Hakobyan gab den Vorteil aber mit 20...Sce4 wieder aus der Hand, stärker war 20...Sd3. Nach 45 Zügen endete die Partie in einem Endspiel mit Läufern ungleicher Farbe remis.
Denis Lazavik und Denis Makhnev trennten sich nach 98 Zügen in einer Italienischen Partie remis. Lazavik bleibt damit wie Dubov ungeschlagen, Makhnev steht bei 3½ Punkten.
Drei Runden vor Schluss
Nach sechs von neun Runden führt Dubov mit 4½ Punkten vor Lazavik und Vokhidov mit je 4, wobei Lazavik nach der Feinwertung vorn liegt. Mamedov und Makhnev haben 3½, Muradli und Smirnov 3, Hakobyan 2½, Nurgaliyev 1½ und Nurman ½ Punkte.
In der siebten Runde spielen die drei Ersten alle mit Schwarz: Dubov gegen Nurgaliyev, Vokhidov gegen Makhnev und Lazavik gegen Nurman. Mamedov trifft auf Smirnov, Hakobyan auf Muradli. In der Schlussrunde am Dienstag, 3. November, hat Muradli gegen Dubov die weißen Steine.
Die siebte Runde beginnt am Sonntag, 1. November, um 11 Uhr deutscher Zeit (15 Uhr Ortszeit in Almaty), die achte folgt am Montag, 2. November, ebenfalls um 11 Uhr deutscher Zeit. Die Partien werden live bei Lichess übertragen.
