Zwei Rivalen teilen ein Brett
Carlsen hat Nodirbek Abdusattorov, David Howell und Trainer Peter Heine Nielsen in sein Ferienhaus in Spanien geholt. Ungewöhnlich ist das, weil die beiden Spitzenspieler im Pilotturnier der Total Chess World Championship Tour Gegner werden könnten.
Drei Bilder und ein kurzes Video reichten, um das Lager bekannt zu machen. Am Samstag erschien auf Magnus Carlsens Social-Media-Konten ein Beitrag aus seinem Ferienhaus in Spanien. Zu sehen sind Carlsen und Nodirbek Abdusattorov, dazu der englische Großmeister David Howell und Peter Heine Nielsen, Carlsens langjähriger Trainer. Im Video blitzen die beiden Weltklassespieler gegeneinander. Die Bildunterschrift lautet übersetzt: "Jemand hat ein Schachbrett in dieses Haus gebracht."
Das Lager dient der Vorbereitung auf die Total Chess World Championship Tour Pilot, die vom 10. bis 20. November in Budapest stattfindet. Für Carlsen ist es der Einstieg in die neue Serie. Abdusattorov, der derzeit auf Platz fünf der Weltrangliste steht, ist ebenfalls im Feld. Wie lange das Lager dauert und woran die vier arbeiten, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, was die Bilder zeigen.
Wenn Rivalen gemeinsam üben
Dass zwei Spieler dieser Klasse zusammen trainieren und ihre Ideen austauschen, kommt selten vor. Spitzenspieler halten ihre Vorbereitung sonst eng am Körper, und hier sitzen zwei von ihnen am selben Brett, obwohl sie in Budapest aufeinandertreffen könnten. Dazu kommt, dass beide als die höchstgewerteten Blitzspieler der Welt gelten.
Neu ist die Konstellation für Carlsen nicht ganz. Er lud früher schon Alireza Firouzja und Ding Liren zu Trainingslagern ein, und als Jugendlicher war er selbst Gast bei Viswanathan Anand in Madrid.
Abdusattorov kommt mit Schwung. Er gewann Ende 2025 das London Chess Classic mit der besten Turnierleistung des Jahres und holte 2026 Tata Steel Chess und das Prague Masters. Carlsen lobt ihn seit Jahren. Als Abdusattorov 2021 mit 17 Jahren Weltmeister im Schnellschach wurde, würdigte er den Erfolg auf Social Media als außergewöhnliche Leistung. Bei der Übertragung von Tata Steel Chess sagte er über ihn:
Sobald er seine Chance bekommt, ist er gnadenlos. Er rechnet perfekt, er spürt den Schwung, und mental ist er voll da.Magnus Carlsen · übersetzt nach Chess.com
Drei Tempi, ein Titel
Die Total Chess World Championship Tour hat die Mannschaft hinter Norway Chess entwickelt, die FIDE hat sie anerkannt. Sie verbindet drei Bedenkzeiten: Fast Classic mit 45 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug, Schnellschach mit 15 Minuten plus 10 Sekunden und Blitz mit drei Minuten plus zwei Sekunden. Ab März 2027 soll sie den ersten FIDE-Weltmeister im kombinierten Schach ermitteln. Budapest ist der Testlauf dafür, und wer dort gewinnt, gewinnt das Pilotturnier und noch nicht diesen Titel.
Gespielt wird im Anantara New York Palace Hotel. Am 10. November beginnt das Turnier mit einem Blitz-Swiss über neun Runden, dessen Ergebnis die Reihenfolge bei Gleichstand in der Gruppenphase festlegt. Danach teilen sich die 24 Teilnehmer in vier Gruppen zu je sechs Spielern. Gespielt wird ein doppeltes Rundenturnier im Fast-Classic-Tempo, ein Sieg zählt drei Punkte, ein Remis einen. Anschließend rücken alle in die K.-o.-Phase vor: Die Gruppensieger spielen um die Plätze eins bis vier, die Zweiten um die Plätze fünf bis acht, und so weiter. Jeder K.-o.-Tag besteht aus vier Blitzpartien, zwei Schnellpartien und einer Fast-Classic-Partie. Ein Blitzsieg bringt einen Punkt, ein Schnellschachsieg vier, ein Sieg im Fast Classic acht.
Im Feld stehen neben Carlsen und Abdusattorov unter anderem Fabiano Caruana, Wesley So, Vincent Keymer, Praggnanandhaa Rameshbabu, Arjun Erigaisi, Anish Giri und Alireza Firouzja. Weltmeister Gukesh und sein Herausforderer Javokhir Sindarov fehlen, weil am 24. November in Genf ihr WM-Kampf beginnt.
Ob Carlsen und Abdusattorov in Budapest aufeinandertreffen, hängt von der Gruppeneinteilung und vom Verlauf ab. In den bisher veröffentlichten Angaben sind die Gruppen nicht genannt. Möglich ist die Begegnung in der Gruppenphase, wenn beide in derselben Gruppe landen, und danach in der K.-o.-Runde.
