OIBM: Morawietz schlägt Amar
In der dritten Runde der 29. OIBM in Gmund am Tegernsee schlug der 62-jährige IM Dieter Morawietz den Norweger Elham Amar, der 243 Elo-Punkte mehr hat. Von den 50 Spielern mit 2 aus 2 sind noch 14 ohne Punktverlust, und Morawietz führt sie nach Feinwertung an.
Elham Amar kannte die Stellung. Im Juli hatte er sie in Frankreich schon einmal auf dem Brett, in einer Najdorf-Variante des Sizilianers, und die Partie war remis ausgegangen. Am Montag, 2. November, kam sie in der dritten Runde der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft (OIBM) in Gmund am Tegernsee noch einmal auf den Tisch. Amar, Norweger, Jahrgang 2005 und mit Elo 2567 gesetzt, spielte mit Schwarz gegen den 62-jährigen IM Dieter Morawietz, dessen Elo-Zahl bei 2324 liegt.
Die Dame ist im 13. Zug weg
Nach 12.Lb6 kannte Amar die Antwort aus der Julipartie, 12...Dd7. Diesmal nahm er mit 12...Sxa1 den Turm, und nach 13.Lxd8 war seine Dame weg.
Turnierdirektor Sebastian Siebrecht sagt dazu nur:
Zu schnell gespielt.Sebastian Siebrecht, Turnierdirektor
Amar erklärte ihm hinterher, er habe schlicht die Züge verwechselt. Conrad Schormann, der für das Turnierblog der OIBM schreibt, setzt ein Fragezeichen hinter 12...Sxa1 und hält fest, Schwarz habe aus der Eröffnung heraus auf Verlust gestanden.
Morawietz nahm das Geschenk an. Der Kölner ist Vorsitzender des Klubs Kölner Schachfreunde 1967. Bei der neunten Auflage des Turniers, im Jahr 2005, erspielte er am Tegernsee eine Großmeisternorm, den Titel Internationaler Meister trägt er seit 2008. Sein Gegner war damals noch nicht geboren.
Die Schlussphase ging schnell. Nach 26.Tc7 stand Weiß auf Gewinn, und Morawietz gab mit 27.Lxe5 noch einen Läufer her, ehe 28.d6 und 29.Df7+ den schwarzen König nach d8 trieben. Mit 30.De7 war es Matt, nach 30 Zügen.
Vierzehn Spieler ohne Punktverlust
Nach zwei Runden hatten 50 Spieler die volle Punktzahl, jetzt sind es 14. Keiner der drei Topgesetzten ist darunter. Frederik Svane und Alexander Donchenko spielten remis, Svane mit Schwarz gegen den chinesischen IM Yueheng Jin nach 83 Zügen, Donchenko mit Schwarz gegen den Kirgisen Melis Mamatov nach 37. Beide gehören jetzt zu den 41 Spielern, die mit 2½ Punkten hinter der Spitze liegen.
Acht der 14 sind Großmeister. Der Elo-Beste ist Nijat Abasov aus Aserbaidschan, der 2024 am Kandidatenturnier in Toronto teilnahm und diesmal Martin Forchert besiegte. Morawietz ist mit 62 Jahren der Älteste der Spitzengruppe, der Jüngste ist der Münchner Neil Albrecht, ein U16-Spieler aus dem Kader des Deutschen Schachbunds. Er beendete den Lauf von Friedrich Grunert. Klaudia Kulon aus Polen ist die einzige Frau mit drei Punkten. Dabei ist auch Marco Baldauf, ChessBase-Autor und Caro-Kann-Experte, und IM Ashot Parvanyan, der mit seinem Königsinder den Belgier Benjamin Decrop schlug. Zum Schluss opferte er die Dame, und Decrop nahm sie an.
Die vier Spieler mit den niedrigeren Elo-Zahlen, die nach Runde 2 die Feinwertung anführten, sind keine Spitzenreiter mehr. Gerald Loew verlor in 17 Zügen gegen IM Sohum Lohia, Ingo Meirick gegen Kulon, Grunert gegen Albrecht, und Felix Brychcy spielte gegen IM Yevhenii Yelisieiev remis.
Runde 4: Morawietz gegen Vogel
An Brett 7 trifft Morawietz mit Schwarz auf GM Roven Vogel. An Brett 1 wartet auf den 18-jährigen IM Eray Kilic mit Abasov die große Prüfung, an Brett 2 spielen Baldauf und Kazakouski das erste Großmeisterduell der Spitzengruppe. Svane bekommt es mit Mamatov zu tun, Donchenko mit Jin, also genau mit dem Gegner des jeweils anderen aus der dritten Runde.
Die vierte Runde beginnt am Dienstag, 3. November, um 16 Uhr. Die Partien werden mit 15 Minuten Verzögerung übertragen, bei Lichess und auf der Live-Seite der OIBM.
