Egon Evertz wird 90
Am 4. November 2026 wird Egon Evertz 90 Jahre alt. Der Solinger Unternehmer führte die Schachgesellschaft Solingen als Vorsitzender in die Zeit ihrer Meistertitel, spielte selbst in der ersten Mannschaft und fuhr nebenbei Rennen in Le Mans.
Mit 300 D-Mark Startkapital und zwei Mitarbeitern fing Egon Evertz 1956 in Solingen an. Aus dem kleinen Zulieferbetrieb der Stahlindustrie ist die Evertz Group geworden. Sie besitzt 20 Gesellschaften in Deutschland, den USA, der Schweiz, Frankreich und Luxemburg, beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter und hält 100 Patente. Am 4. November 2026 wird ihr Gründer 90.
Vom Vollwaisen zum Firmengründer
Geboren wurde Evertz 1936 in Solingen. Nach dem Tod seines Vaters 1950 war er Vollwaise. 1951 begann er eine Lehre beim Ohligser Handelsunternehmen Gebrüder Weyersberg und schloss sie als Großhandelskaufmann ab, danach arbeitete er in einem Betrieb für Schweiß-Elektroden. Der Erfolg seiner eigenen Firma beruhte auf einer neuen Methode des Kaltverschweißens: Defekte Kokillen ließen sich mit Guss-Elektroden reparieren und mussten nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden. Die Stahlhersteller sparten dadurch erhebliche Summen. Später kamen Übernahmen dazu, etwa die Siegerländer Kupferwerke, die 1983 stillgelegt worden waren, und die Markenrechte samt Ersatzteillager des insolventen Solinger Maschinenbauers Klopp.
Der Vorsitzende der Schachgesellschaft
Im Schach ist sein Name vor allem mit der Schachgesellschaft Solingen verbunden. Evertz war ihr Vorsitzender, und in dieser Zeit wurde der Verein mehrmals Deutscher Mannschaftsmeister und einmal Europapokalsieger für Vereinsmannschaften. Er saß dabei nicht nur im Vorstand: Sporadisch spielte er selbst in der ersten Mannschaft, unter anderem beim Gewinn der deutschen Mannschaftsmeisterschaften 1971 und 1975 sowie je einmal in den Bundesligasaisons 1980/81 und 1988/89.
Das Finale des Europapokals der Saison 1989/90 fand im März 1991 in Solingen statt und endete zwischen der Solinger SG und ZSKA Moskau mit 9:9. Eine Feinwertung wurde nicht angewendet, nach ihr hätte Solingen gewonnen. Stattdessen spielten beide Mannschaften eine dritte Runde, und zwar in den Räumen der Egon Evertz KG. ZSKA bot sechs Remisen an, Solingen nahm an, obwohl die Mannschaft nach den Unterlagen von Olimpbase klar besser stand, und beide Mannschaften wurden zu Siegern erklärt.
Rennen, Geige und Flugzeug
Zwischen 1959 und 1976 fuhr Evertz GT- und Sportwagenrennen. 1960 gewann er auf einem DKW 1000S die Deutsche Rallye-Meisterschaft sowie die Touren- und die Rundstrecken-Meisterschaft. Mitte 1961 hörte er nach der Geburt seines ersten Kindes erst einmal auf, 1975 kehrte er zurück und wurde auf einem Porsche 911 Carrera RSR deutscher Bergmeister. In seiner letzten Saison 1976 ließ er im eigenen Rennteam einen Porsche 934 für die Sportwagen-Weltmeisterschaft vorbereiten und holte den Finnen Leo Kinnunen als Copiloten. Beim 6-Stunden-Rennen von Silverstone wurden die beiden Dritte, in Watkins Glen sogar Zweite. In Le Mans meldete Evertz zwei Fahrzeuge; nachdem sein Porsche 908 mit Motorschaden ausgefallen war, stieg er zu Hartwig Bertrams und Heinz Martin in den Carrera RSR und wurde Gesamtneunter. Ende 1976 trat er vom Rennsport zurück.
Eigentlich wollte Evertz Geiger werden, musste die Ausbildung aber nach dem Tod seines Vaters abbrechen. Mit 50 nahm er sie wieder auf und spielte im Lauf der Jahre mehrere CDs ein, auf einer elektronisch verstärkten Violine aus Stahl. Dazu betrieb er unter dem Namen Air Evex ein Luftfahrtunternehmen, in dem er selbst als Pilot flog. Am 24. August 2012 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, 2013 den Ehrenring der Stadt Solingen.
