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Bronze für Eichstaedt bei der Blindenschach-EM

Mirko Eichstaedt hat bei der Einzel-Europameisterschaft der IBCA auf Kreta Bronze im klassischen Schach geholt. Er und der Zweite Oleksandr Ridzel kamen auf 6,5 aus 9, über den Platz entschied ein halber Buchholzpunkt. Dominik Müller blieb ungeschlagen und wurde Fünfter.

25. Oktober 20265 Minuten LesezeitMatt am Mittwoch

Vor der neunten und letzten Runde lag Mirko Eichstaedt mit 5,5 Punkten in der Spitzengruppe. Seine Medaille hing an einer Partie mit Schwarz gegen Dawid Falkowski aus Polen, der ebenfalls 5,5 Punkte hatte, mit Elo 1919 aber der Schwächste in dieser Gruppe war. Das musste nichts heißen: In der sechsten Runde hatte Eichstaedt gegen Oleksandr Ridzel (Elo 2068) verloren.

Vorbereitet hatte er sich auf Vorschlag seines Begleiters Nils Werthmann mit einer Nebenvariante, die objektiv Nachteile für Schwarz bringt. Die Überlegung dahinter war, dass Falkowski sich darin schlecht auskennt und eine giftige Variante dann als Überraschung wirkt. Die Partie lief sogar besser als erwartet. Weiß schickte die Dame in der Eröffnung auf Bauernraub nach b7, Schwarz stand danach einen Bauern vorn und klar besser, und bald unterlief Falkowski ein spielentscheidender Fehler.

In der Stellung nach 18.Da3 stand Schwarz auf Gewinn. Eichstaedt spielte 18...Se4, und der Springer griff Turm d2 und Läufer g5 zugleich an. Falkowski versuchte es mit 19.Se7+ Kf8 20.Dh3, doch 20...Sxg5 holte den Läufer, und nach 21.Dh5 Dxe7 war auch der Springer weg. Nach 21 Zügen war die Partie vorbei.

Falkowski – Eichstaedt, Runde 9Schwarz am Zug: 18...Se4. Der Springer greift Turm und Läufer an, Weiß verliert eine Figur

Damit war Platz drei sicher. Bei anderen Ergebnissen an den übrigen Brettern wäre nach Eichstaedts Einschätzung sogar Platz zwei möglich gewesen. Am Ende hatten er und Ridzel je 6,5 Punkte, und Ridzel lag mit einem halben Buchholzpunkt mehr vorn. Europameister wurde mit 7 Punkten der Spanier IM Daniel Eduardo Pulvett Marin, der amtierende Weltmeister. Er blieb ungeschlagen und spielte viermal remis, darunter gegen Eichstaedt nach zehn Zügen.

Drei Siege zum Auftakt

Eichstaedt war stark gestartet. In der ersten Runde schlug er den Tschechen Josef Polnar, der Colle-System spielte, und in der zweiten die junge Polin Weronika Racis (Jahrgang 2012), die wenige Tage zuvor Zweite der Weltmeisterschaft der Frauen geworden war. Er verließ die gängige Theorie und gewann nach ihrem Angriffsversuch taktisch eine Qualität. In der dritten Runde folgte IM Jacek Stachanczyk aus Polen. Eichstaedt hatte sich in einer Spanischen Partie eine halbe Stunde Zeitvorsprung erarbeitet, Stachanczyk entschied sich in Zeitnot für aktives Gegenspiel und verlor. Mit drei Siegen aus drei Partien gehörte Eichstaedt zu den drei Spielern an der Spitze.

Danach kamen zwei Remisen, gegen den an zwei gesetzten FM Alexey Streltsov aus Israel und gegen IM Piotr Dukaczewski aus Polen. Mit 4 aus 5 war er weiter vorn dabei.

Ein Bauer weg, Partie weg

In der sechsten Runde spielte Eichstaedt mit Weiß gegen Ridzel, den Ukrainer. Er tauschte früh die Damen und erarbeitete sich einen Vorteil, während Ridzel ihm in den ersten 20 Zügen zweimal Remis anbot. Dann fand er den Plan nicht, der den Vorteil festhält, und es kam ein objektiv ausgeglichenes Endspiel mit zwei Türmen und Läufer, in dem nur Weiß auf Gewinn spielen konnte. Eine kurze Unachtsamkeit kostete ihn in drei Zügen einen Bauern, und daraus wurde ein verlorenes Turmendspiel.

Diese Partie hat wehgetan.Mirko Eichstaedt

Es lag nicht nur am einfachen Fehler. Er wusste auch, dass er noch gegen den Topfavoriten spielen würde und die beiden anderen Partien sehr wahrscheinlich gewinnen musste. In der Nacht danach schlief er schlecht. In der siebten Runde fing er dann den Läufer des Schweden William Johansson, des Zweiten der Jugendweltmeisterschaft, nachdem dieser falsch abgewickelt hatte. Es folgten das kurze Remis gegen Pulvett Marin und der Sieg gegen Falkowski.

Tastbrett, Ansage und ein Samstag

Gespielt wird auf Brettern, bei denen die schwarzen Felder drei bis vier Millimeter erhöht sind. In jedem Feld sitzt ein Loch, in das ein Zapfen unter der Figur passt, damit nichts verrutscht, und die schwarzen Figuren tragen einen Stift auf dem Kopf. Nach jedem Zug sagt der Spieler ihn laut an. Mitgeschrieben wird in Brailleschrift oder auf Band.

In Kreta gab es neun Runden, eine pro Tag, mit zwei Stunden für die Partie plus 30 Sekunden pro Zug. Gemeldet waren 44 Spielerinnen und Spieler. Eine Besonderheit betraf den Samstag: Streltsov schreibt an diesem Tag aus religiösen Gründen nicht mit und drückt die Uhr nicht selbst. Eine verbindliche Regel für den Zeitausgleich gibt es nicht, die Empfehlung im Anhang der FIDE-Regeln sieht zehn Minuten weniger Bedenkzeit vor, und so wurde es auch hier gehandhabt. Der Hauptschiedsrichter bestätigte der deutschen Delegation, dass sie unter denselben Bedingungen spielen darf. Eichstaedt nutzte das gegen Streltsov, Werthmann assistierte ihm und drückte die Uhr. Bei sehr langen Partien hält Eichstaedt zehn Minuten für zu wenig, etwa bei der letzten Begegnung der beiden 2023 in Genua mit über 80 Zügen.

Müller ungeschlagen, knapp an den Medaillen vorbei

Dominik Müller verlor keine Partie und wurde mit 6 Punkten Fünfter, einen halben Punkt hinter den Medaillen. Er begann mit Remisen gegen zwei nominell schwächere Gegner, gewann dann gegen Racis und gegen IM Predrag Nikac aus Montenegro und spielte gegen Pulvett Marin remis. In der vorletzten Runde ließ er gegen Ridzel die Chance zum Sieg aus, und genau dieser halbe Punkt fehlte zur Bronzemedaille.

Frank Schellmann erspielte sich mehrmals Gewinnstellungen, verpasste dann aber den entscheidenden Zug und musste sich mit Remis zufriedengeben. Gegen den Engländer Bryan Wood gewann er in der fünften Runde überzeugend und wurde mit 4,5 Punkten 25. Melanie Ahrens, die Delegationsleiterin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenschachbunds (DBSB), spielte ebenfalls mit. Sie kam gegen deutlich stärkere Gegner viermal zum Remis und wurde 43.

Premiere im Schnellschach

Im Anschluss fand zum ersten Mal eine Europameisterschaft im Schnellschach statt. 25 Spielerinnen und Spieler spielten an zwei Tagen neun Runden mit 25 Minuten plus 15 Sekunden pro Zug. Pulvett Marin gewann auch hier, mit 8 Punkten und der besseren Wertung vor GM Marcin Tazbir aus Polen, der ebenfalls 8 hatte. Dritter wurde Streltsov mit 6,5 Punkten.

Eichstaedt und Müller kamen jeweils auf 5 Punkte und belegten die Plätze sechs und acht. Ahrens holte ihren einzigen Punkt durch ein spielfreies Los. Eichstaedt hält fünf Runden an einem Tag für zu viel und würde bei künftigen Turnieren dieser Art höchstens sieben statt neun Runden ansetzen. Gegen Dukaczewski kam im Schnellschach dieselbe Eröffnung wie im klassischen Turnier aufs Brett, und diesmal gewann er leicht, weil er sich inzwischen eine bessere Fortsetzung angesehen hatte.

Neue Präsidentin in der Turnierwoche

Während des Turniers tagte auch ein außerordentlicher IBCA-Kongress. Präsident Dr. Jorgen Magnusson ist gestorben, und seine Nachfolge musste geklärt werden. Gewählt wurde bei nur zwei Enthaltungen die US-Amerikanerin Marilyn Bland. Gespielt wurde im Belvedere Resort bei Heraklion, einem Clubhotel, dessen Spielsaal in einem Nebengebäude lag.

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