OIBM: Drei Inder mit 4 aus 4
Rithvik R Raja gewann in der vierten Runde der 29. OIBM in Gmund am Tegernsee mit Schwarz gegen den Münchner FM Neil Albrecht und führt mit Gopal und Sasikiran die Tabelle an, alle drei mit 4 aus 4. 20 Spieler folgen mit 3½, darunter Svane, Donchenko und der 62-jährige Dieter Morawietz, der gegen GM Roven Vogel remis hielt.
Auf Brett 6 lief lange eine Najdorf-Partie, in der nichts nach Drama aussah. Neil Albrecht, Jahrgang 2011, FM vom Münchener SC und mit drei Siegen ins Turnier gestartet, spielte mit Weiß gegen den indischen Großmeister Rithvik R Raja den Englischen Angriff, rochierte lang und brachte den König nach b1. Raja setzte währenddessen die Bauern am Brettrand in Bewegung: den h-Bauern bis nach h4, den a-Bauern bis nach a5.
Ein Bauer sperrt den Springer ein
Entschieden wurde die Partie im 18. Zug. Albrecht spielte 18.De1, und nach 18...a4 hatte sein Springer auf b3 keinen guten Platz mehr. Er zog ihn mit 19.Sa1 in die Ecke, wo er bis zum Schluss zuschaute, während Schwarz mit 19...e4 und 21...e3 in der Mitte aufräumte. Schwarz stand nach 18...a4 auf Gewinn. Mit 18.a4 hätte Albrecht den Bauern aufgehalten.
Der Rest war Abwicklung. Nach 25.Lxe3 kam 25...a3, und der Bauer stand direkt vor dem weißen König auf b1. Mit 26.b4 Df5 27.Lxe4 Txe4 endete die Partie, Raja gewann. Aus den Randbauern, die lange harmlos aussahen, war ein Angriff geworden.
Rithvik R Raja, geboren am 4. Mai 2004 in Hyderabad, wurde im September 2021 mit 17 Jahren als 70. Inder Großmeister, inzwischen hat Indien 99. Die erste Norm hatte er 2019 als 15-Jähriger bei einem Open in Spanien geholt, dann stockte der Aufstieg: Die zweite folgte erst im August 2021, die dritte im September 2021 bei einem Turnier in Budapest, wo er wenige Tage später auch die Elo-Grenze von 2500 überschritt. Albrecht wurde im Mai 2026 Vierter der Deutschen U16-Meisterschaft und belegte im Juni bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Montesilvano den 26. Platz, als bester Deutscher seiner Altersklasse.
Auch die anderen beiden Inder gewinnen
G.N. Gopal und Krishnan Sasikiran gewannen ebenfalls gegen Spieler, die mit drei Siegen gestartet waren. Gopal schlug IM Ashot Parvanyan, der sich in der dritten Runde mit seinem Königsinder an die Spitze gesetzt hatte. Parvanyan geriet in Zeitnot und ließ die Uhr dreimal bis auf eine Sekunde herunterlaufen. Schiedsrichterin Sandra Schmidt blieb dabei nach eigener Aussage fast das Herz stehen. Nach der Zeitkontrolle verwertete Gopal den Vorteil, den er sich zuvor erarbeitet hatte. Sasikiran gewann im Katalanen gegen Klaudia Kulon, die Elo-Beste der Frauen, die bis dahin als einzige Frau die volle Punktzahl hatte.
Morawietz lässt den Vorteil liegen
Dieter Morawietz, 62, spielte an Brett 7 mit Schwarz gegen GM Roven Vogel von der USV TU Dresden, der 190 Elo-Punkte mehr hat. Die Partie begann als Englisch in der symmetrischen Variante und blieb lange ausgeglichen. Nach 36.Tc2 stand Morawietz klar besser. Mit 37...De3 tauschte er allerdings die Damen und gab den Vorteil aus der Hand, mit 37...Td6 hätte er ihn behalten. Nach 38.La2 Dxf2+ 39.Kxf2 Sf4 blieb ein Endspiel, das nach 49 Zügen remis endete.
Vogel holt sich die Frische fürs Brett beim Joggen um den See, wo er vor der zweiten Runde Turnierdirektor Sebastian Siebrecht in die Arme gelaufen war. Nach der Partie reichte die Energie noch für eine ausgiebige Analyse mit Morawietz, zur Freude zahlreicher Zuschauer.
Eine Nacht ohne Zimmer
Nijat Abasov musste Brett 1 nach einer Runde wieder abgeben: Gegen Eray Kilic kam er über ein Remis nicht hinaus. Am Sonntagabend war er nicht in sein Zimmer gekommen, weil die Gastgeber seiner Unterkunft über das Wochenende verreist waren. Siebrecht erzählt, wie es ausging:
Kurz bevor er bei mir auf der Couch schlafen müsste, kam der rettende Anruf aus London. Ersatzkarte um 23.30 Uhr besorgt, eigenes Bett gerettet.Sebastian Siebrecht, Turnierdirektor
Der Weg zur Ersatzkarte führte über Siebrechts eigene Gastgeberin in Leipzig, die die privaten Nummern von Abasovs Gastgebern beschaffte.
Frederik Svane und Alexander Donchenko hatten in der dritten Runde remis gespielt, jetzt bekam jeder den Gegner des anderen. Svane gewann gegen Melis Mamatov in 66 Zügen, Donchenko gegen Yueheng Jin in 31, beide stehen bei 3½. Leonardo Costa schlug Tymon Ochedzan und hat ebenfalls 3½, Jaime Santos Latasa kam gegen Timo Küppers nicht über ein Remis hinaus und hat 3. Marco Baldauf und Valery Kazakouski, beide Großmeister mit 3 aus 3, trennten sich nach 51 Zügen remis.
Ein Dreizehnjähriger mit 1815 Elo
Der Überraschungsgast in der Verfolgergruppe heißt Eman P D, ist 13 Jahre alt und hat 1815 Elo, mit Abstand der niedrigste Wert der Gruppe. In vier Runden hatte er nur stärkere Gegner und blieb ungeschlagen. An Brett 27 gewann er gegen FM Hans-Jörg Cordes (2179) aus Offenbach etwas glücklich: Cordes glaubte, seine Dame sei gefangen, und geriet in eine Verluststellung, die er bald aufgab. Hinterher stellte sich heraus, dass die Dame gar nicht verloren gewesen wäre.
Svenja Butenandt vom FC Bayern schlug an Brett 28 die 2013 geborene Inderin Sathi Anvita, die bis dahin zweitbeste Frau im Feld war, und hat 3 aus 4 ohne Niederlage. Elham Amar fing sich nach seinem Aussetzer mit einem Sieg gegen den 67-jährigen CM Tobias Wenner aus Bensheim, dessen Caro-Kann er zerlegte, und steht ebenfalls bei 3 aus 4.
Im Feld spielen 544 Teilnehmer aus 38 Nationen, darunter 18 Großmeister und 25 Internationale Meister. Drei der 18 Großmeister haben noch die volle Punktzahl, und alle drei kommen aus Indien. In der fünften Runde sitzen sich an Brett 1 mit Gopal und Sasikiran zwei von ihnen gegenüber. Raja spielt an Brett 2 mit Weiß gegen Svane, Donchenko an Brett 3 gegen Kilic, Abasov an Brett 4 gegen IM Suresh Harsh. Morawietz bekommt an Brett 8 den polnischen Großmeister Kacper Piorun, Eman an Brett 12 den Inder L Srihari, einen IM mit rund 580 Elo-Punkten mehr.
Die fünfte Runde beginnt am Mittwoch, 4. November, um 16 Uhr. Die Partien werden mit 15 Minuten Verzögerung bei Lichess und auf der Live-Seite der OIBM übertragen.
