Jugend-EM: DSB-Talente starten stark
Beim Auftakt der Jugend-EM in Hersonissos holte die deutsche Auswahl 42 von 58 möglichen Punkten, die U12 allein 10,5 aus 11. In der offenen U18 gewann Marius Deuer am ersten Brett, und Philipp Mester schlug einen Internationalen Meister mit 182 Elo-Punkten mehr.
Für ein Delegationsfoto war es schlicht zu voll. Der Deutsche Schachbund ist mit 58 Spielerinnen und Spielern, sieben Trainern und 63 weiteren Begleitpersonen nach Hersonissos gereist, und weil sich das nicht auf ein Bild bekommen ließ, gibt es Gruppenfotos aus den einzelnen Altersklassen. Der Verband hält es für möglich, dass es die größte Delegation ist, die er je zu einer Jugend-EM geschickt hat. Die erste Runde am Dienstag, 3. November, war für sie ein guter Einstand.
Die Jüngeren liefern fast die volle Punktzahl
Am besten lief es in der U10 und der U12. Die U12 holte 10,5 Punkte aus 11 Partien, die U10 kam auf 13,5 aus 16. Das sind zusammen 24 Punkte aus 27 Partien. Die übrigen 31 deutschen Partien brachten 18 Punkte, sodass nach dem ersten Tag 42 von 58 möglichen Punkten auf dem Konto stehen.
Eröffnet wurde die Meisterschaft kurz vor der ersten Runde von Zurab Azmaiparashvili, dem Präsidenten der Europäischen Schachunion. Er machte den symbolischen ersten Zug am Spitzenbrett der offenen U12, in der Partie von Jan Burel gegen Boris Kolodziejczyk. Von gut 600 Partien der ersten Runde endeten nur 96 remis, und an den Spitzenbrettern mehrerer Gruppen verloren Favoriten.
Favoriten verlieren an vier von zehn Spitzenbrettern
Wie das aussieht, zeigt die offene U18, deren zehn Spitzenbretter live übertragen wurden. An vier davon verlor der Spieler mit der höheren Elo-Zahl, an einem weiteren spielte er remis. IM Can Durak (2446) unterlag FM Vidar Seiger (2260), und auch Vladimir-Alexandru Cnejev (2433) und Vache Hovakimyan (2426) gingen als Verlierer vom Brett. Dazu kam IM Feliks Tulchynskyi (2429), der gegen den Deutschen Philipp Mester verlor.
Der Favorit der Gruppe, Großmeister Marius Deuer, saß am ersten Brett mit Schwarz gegen Christos Tsarsitalidis, dessen Elo-Zahl bei 2278 liegt. Deuer spielte Caro-Kann, und die Partie blieb lange ausgeglichen. Weiß verbrauchte allerdings viel Bedenkzeit: Nach 18 Zügen hatte er noch knapp zwölf Minuten auf der Uhr, Deuer über 50. In der Zeitnot kam der Fehler. Mit 36.Dg4 verlor Weiß den Faden, denn mit 36.Kh2 hätte er die Stellung gehalten. Deuer tauschte auf c3, gab mit der Dame auf e1 Schach und öffnete mit 38...f3+ die Diagonale seines Läufers auf c7 zum weißen König auf h2. Danach war die Partie verloren.
Zu dieser Paarung hat Josefine Safarli ein Video veröffentlicht.
Mester gelang der zweite deutsche Sieg an den Spitzenbrettern. Die Partie gegen Tulchynskyi war ein Wechselbad: Im Damengambit, Abtauschvariante, kam Weiß zu einem starken Angriff und stand zwischenzeitlich auf Gewinn, dann kippte die Partie, und nach dem Damentausch war sie wieder ausgeglichen. Den Unterschied machte der 46. Zug. Weiß zog den Turm nach c1, obwohl 46.fxg5 und 46.Lxd5 die Stellung gehalten hätten. Die schwarzen Bauern auf a und b waren danach nicht mehr aufzuhalten, und nach 49...b2+ gab Weiß auf.
Ein Turm, ein Zug, ein Streitfall
Für den Aufreger des Tages sorgte die U8. In der Partie von Kaan stand der Turm nach einem Zug auf h7, vorher war er unstrittig kurz auf h1 gewesen. Ob er dort schon losgelassen worden war, blieb offen, Aussage stand gegen Aussage. Der Schiedsrichter am Brett entschied auf Weiterspielen.
Auch die Anreise war nicht für alle ein Spaziergang. Eine Zugverspätung kostete einen Flug, ein Flugzeug musste wegen schlechten Wetters nach Athen zurückkehren und kam mit neun Stunden Verspätung an, eine Zahnspange ging unterwegs verloren, und schon vor der Abreise hatte es einen Beinbruch gegeben. Am Ende standen trotzdem alle am Brett. In Hersonissos ist es mild, aber windig.
Die zweite Runde beginnt am Mittwoch, 4. November, um 14 Uhr deutscher Zeit (15 Uhr Ortszeit). Die Europäische Schachunion überträgt die Spitzenbretter jeder Gruppe auf YouTube, den Kommentar spricht WIM Sandra Djukic.
