Nakamura und das Blitzmatch, das er bereut
Nach einem entspannten Abend und ein paar Drinks sagte Hikaru Nakamura im November 2010 in Moskau einem Blitzmatch gegen Magnus Carlsen zu. Heute nennt er das einen großen Fehler und zeigt in einem Video eine Partie daraus, in der beide kräftig danebenlangten.
Eigentlich sollte der Abend ruhig ausklingen. Das Tal Memorial in Moskau war zu Ende, und Hikaru Nakamura saß mit Rui Moreira beim Essen, einem Bekannten, der damals mit dem Internet Chess Club zu tun hatte. Das Restaurant lag in der Nähe des Ritz-Carlton am Roten Platz, wo die Spieler untergebracht waren. Ein paar Drinks hatte Nakamura schon getrunken, als der Schachjournalist Macauley Peterson über Moreira anfragte, ob er Lust auf ein Match gegen Magnus Carlsen habe.
Neugier vor Vernunft
Nakamura sagt, er habe kurz überlegt und dann zugesagt. Carlsen sei damals schon erkennbar auf dem Weg zum besten Spieler der Welt gewesen, ob als Nummer eins, wisse er nicht mehr genau. Er selbst hielt sich für einen starken Blitzspieler und wollte sehen, wie gut der Norweger wirklich ist. Das Match über 40 Partien ging klar an Carlsen.
Heute nennt Nakamura die Zusage einen großen Fehler und hat das in Interviews schon öfter gesagt. In seinem Video erklärt er, woran es lag:
Ich habe gemerkt, dass er insgesamt viel weniger Schwächen hat, als ich ursprünglich erwartet hatte.Hikaru Nakamura · übersetzt aus seinem Video
Dazu kamen eigene Schwächen von damals, die ihm kaum bewusst gewesen seien.
Eine Partie aus dem Hotelzimmer
Von dem Match gibt es Aufnahmen, die Peterson gemacht hat. Nakamura hat nicht alle Partien, zeigt aber eine, gespielt bei 3+2 in einem Zimmer, vermutlich im Ritz-Carlton, genau erinnert er sich nicht. Er hat Schwarz und wählt die Moderne Verteidigung, die er heute oft spielt, 2010 aber seltener. Daraus schließt er, dass die Partie später im Match lag: Anfangs habe er solide gespielt, hier wollte er riskieren, vermutlich weil er schon zurücklag.
Die Partie nennt er selbst alles andere als sauber. Nakamura übersieht etwas und steht eine Leichtfigur zurück, doch Carlsen gibt sie mit einem eigenen Patzer sofort wieder her. Im Video sieht man Carlsen dabei nur kurz die Augenbraue heben. Später lässt Nakamura Gewinnchancen liegen und schlägt statt der Dame einen Turm, worauf sich Carlsen mit viel Gegenspiel wieder heranarbeitet. Am Ende fällt Carlsens Fahne in einer Stellung, die nach Nakamuras Einschätzung für ihn gewonnen war. Beide hätten sich über das Spielniveau ärgern können, findet er, unterhaltsam sei es trotzdem gewesen.
Weitere Partien will er zeigen, falls das Video gut ankommt.
