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Total Chess: Wie der Kombinations-Weltmeister entstand

Sieben Partien in drei Bedenkzeiten ergeben einen Wettkampf, und am Ende der Serie steht ein neuer Titel: FIDE-Kombinations-Weltmeister. Die zwei Besten der Serie qualifizieren sich außerdem für das Kandidatenturnier der klassischen WM. Entstanden ist das Format aus Magnus Carlsens Unlust auf Matches von mehreren Wochen.

6. November 20263 Minuten LesezeitMatt am Samstag

Ein Wettkampf im Total-Chess-Format besteht aus sieben Partien: einer halbklassischen, zwei im Schnellschach und vier im Blitz. Die halbklassische Partie zählt acht Punkte, jede Rapidpartie vier, jede Blitzpartie zwei. Zusammen sind das 24 Punkte, und jede der drei Bedenkzeiten bringt davon genau ein Drittel, nämlich acht. Gespielt wird mit 45 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug, im Rapid mit 15 plus 10 und im Blitz mit 3 plus 2.

Die Serie besteht aus drei Turnieren an verschiedenen Orten, 24 Spieler nehmen teil. Für ihre Platzierungen sammeln sie Tourpunkte, die vier Besten der Gesamtwertung treffen im Finale aufeinander. Wer dort gewinnt, heißt nicht Total-Chess-Weltmeister, sondern FIDE-Kombinations-Weltmeister. Die Serie heißt Total Chess, der Titel nennt sich auf Englisch Combined Champion. Die zwei Besten der Serie dürfen im nächsten Kandidatenturnier mitspielen.

Carlsen hatte genug von den Matches

Die Vorgeschichte beginnt mit dem Zweijahreszyklus. Nach der Rückkehr zum Wettkampfformat im Jahr 2008 führte die FIDE statt des früheren Dreijahreszyklus einen zweijährigen ein, der Weltmeister musste seinen Titel also öfter verteidigen. Anand machte das mit. Carlsen stieg 2023 nach vier Titelverteidigungen in sieben Jahren aus. Das Schachspielen war es nicht, was ihn müde machte: In der Mega Database stehen von ihm weit über 8000 Partien, von Fischer sind es 1024. Allerdings spielte Carlsen die meisten seiner Partien online mit kurzer und sehr kurzer Bedenkzeit.

Danach hatte die FIDE ein Problem mit ihrem wichtigsten Titel. Carlsen führte die Weltrangliste weiter mit großem Abstand an und holte Titel bei den Rapid- und Blitzweltmeisterschaften. Sein Nachfolger Ding Liren, der 17. Weltmeister, kämpfte nach dem Gewinn mit mentalen Problemen und rutschte in der Eloliste weit ab. Beim 18. Weltmeister Gukesh Dommaraju sei es ähnlich gewesen. Der Titelträger stand plötzlich nicht mehr an der Spitze der Rangliste.

In den Gesprächen mit der FIDE hatte Carlsen schon andere Formate vorgeschlagen. Ihn nervten Matches über mehrere Wochen, die lange Vorbereitung und die Notwendigkeit, die Eröffnungen mit Engines bis ins Letzte vorzubereiten. Das eigentliche Spielen, bei dem der Bessere seine Stärken zeigen kann, kam dabei aus seiner Sicht zu kurz. Die FIDE nahm schließlich die Idee eines Formats mit gemischten Bedenkzeiten an. Vorgeschlagen haben es offenbar die Organisatoren von Norway Chess.

Biel kennt das Format als Triathlon

Ganz neu ist die Mischung nicht. In Biel wird seit einigen Jahren ein Turnier in dieser Art gespielt, die Schweizer nennen es Triathlon. Die FIDE spricht von Total Chess. Einen höheren Rang als die klassische Weltmeisterschaft soll die Serie nicht haben. Sie bekommt aber Gewicht, weil die FIDE sie zum Qualifikationsweg für das Kandidatenturnier erklärt hat. Offen ist die Frage, ob Carlsen im Kandidatenturnier antreten würde, wenn er die Serie gewinnt, oder ob ihm der Titel des Kombinations-Weltmeisters genügt.

Budapest macht den Anfang

Den Auftakt bildet ein Pilotturnier in Budapest, das am Dienstag, 10. November, beginnt. Es startet mit der Eröffnungsfeier und einem Blitzturnier, wie es von Norway Chess bekannt ist. Dessen Ergebnis entscheidet später bei Punktgleichheit. Danach folgt eine Gruppenphase mit vier Gruppen zu je sechs Spielern. Die vier Gruppensieger spielen in der K.-o.-Phase ein Halbfinale und ein Finale. Magnus Carlsen und Vincent Keymer sind dabei, dazu viele weitere Spieler der aktuellen Weltspitze.

Die Organisatoren haben aus den Klassisch-, Rapid- und Blitzzahlen der FIDE auch schon eine kombinierte Weltrangliste berechnet. Der Abstand zwischen Carlsen und dem Rest ist dort noch größer als in der klassischen Liste.

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