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Marshallinseln: Olympia-Debüt mit kuriosem dritten Brett

Platz 206 von 206, acht Kämpfe, acht Niederlagen: Sportlich war das Debüt der Marshallinseln bei der Olympiade in Samarkand ein Lehrgang. Es gab den ersten Partiesieg des Landes bei einer Olympiade und ein Remis nach 65 Zügen. Und es gab ein drittes Brett, an dem der Vizepräsident des Verbands saß und sich so schnell wie möglich mattsetzen ließ. Seit dem 4. Oktober gibt es dazu auch ein Video.

4. Oktober 20263 Minuten LesezeitAusgabe 1

Runde sieben, Tisch 103. Javid Bruce John führt für die Marshallinseln die schwarzen Steine gegen Carl Victor Adams von St. Kitts und Nevis, und nach 32 Zügen steht es fest: Der Neuling hat seine erste Partie bei einer Schacholympiade gewonnen. Der Kampf geht trotzdem 1:3 verloren. Aber diesen einen Punkt nimmt John mit nach Hause.

Aufgenommen im Dezember, eingestiegen zur vierten Runde

Viel jünger kann ein Schachverband kaum sein. Die FIDE hat die Marshallinseln erst auf ihrer Generalversammlung im Dezember 2025 aufgenommen, zusammen mit Guinea und Kiribati und nach Vorarbeit von Nigel Short, dem Entwicklungsdirektor des Weltverbands. Im Aufnahmeantrag gab der Verband als Gründungsjahr 2025 an, dazu rund 50 aktive Spieler und keinen einzigen Titelträger. Den ersten internationalen Auftritt hatte er im Juni bei einem Tandemschach-Turnier auf den Philippinen.

In Samarkand kam die Mannschaft verspätet an. Sie stieg erst zur vierten Runde ein und brachte das offene Turnier damit auf den Rekord von 206 Mannschaften. Vier Spieler standen im Aufgebot, alle ohne Elo-Zahl, einen Ersatzmann gab es nicht. Wer einmal aussetzen wollte, hatte also schlechte Karten.

Anderthalb Brettpunkte aus acht Kämpfen

Zum Einstand gab es ein 0:4 gegen Tonga, das ebenfalls zum ersten Mal dabei war. Danach folgten Niederlagen gegen die Zentralafrikanische Republik, Niger, St. Kitts und Nevis, Kiribati, die Britischen Jungferninseln, Grönland und Vanuatu. Neben Johns Sieg steht ein halber Punkt von Aruo Aloka am vierten Brett, der in Runde fünf nach 65 Zügen remis hielt. Macht anderthalb Brettpunkte und den letzten Platz. Gekämpft wurde durchaus: An den Brettern eins, zwei und vier dauerten die Partien zwischen 17 und 65 Zügen.

Am dritten Brett ging es schnell

Am dritten Brett sah das anders aus. Die sechs Partien, von denen die Übertragung Züge kennt, endeten nach 12, 4, 4, 9, 8 und 7 Zügen, zusammen sind das 44. Aloka hat für sein eines Remis länger gebraucht. In den Runden fünf und sechs wurde Weiß jeweils im vierten Zug auf f2 mattgesetzt, beide Male nach 1.e4 e5 2.h3, und die Uhr zeigte beim Matt noch über 90 Minuten. Die Partie der achten Runde steht als kampflos verloren in der Ergebnisliste, aus der Schlussrunde sind für das dritte und das vierte Brett keine Züge überliefert. Unter dem Strich stehen am dritten Brett null Punkte aus acht Runden.

Olympiade, Runde 5, drittes BrettSchwarz am Zug: 4...Dxf2 matt

Ein Versehen ist das nicht. Wer in zwei Runden nacheinander mit denselben Zügen in dasselbe Matt läuft und dafür kaum Bedenkzeit verbraucht, der will nicht spielen, sondern fertig werden. Am dritten Brett saß der Vizepräsident des neuen Verbands. Er hatte keine Lust auf Schach und sorgte dafür, dass seine Partien schnell vorbei waren. Aussetzen konnte er nicht, weil die Mannschaft ohne Ersatzmann angereist war.

The Big Greek hat die Partien in einem Video durchgespielt und nennt die Geschichte unrühmlich. Er vermutet, dass der Vizepräsident vor allem als Funktionär nach Samarkand gekommen war, wo am Rand der Olympiade auch die Generalversammlung der FIDE tagte. Mit dem olympischen Geist hat das wenig zu tun, auch wenn es beim Tabellenletzten um nichts mehr ging. Von einer Untersuchung der FIDE ist nichts bekannt, und in den Artikeln der großen Schachseiten kam der Fall in dieser Woche nicht vor.

Für die Statistik bleibt ein Debüt, wie es nur die Olympiade hinbekommt: ein Verband, der keine zehn Monate Mitglied ist, ein erster Sieg an Tisch 103 und ein Vizepräsident, der sich am dritten Brett absichtlich mattsetzen ließ. Die nächste Gelegenheit kommt 2028 in Abu Dhabi.

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