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Jonathan Speelman wird 70

Dreimal britischer Meister, Halbfinalist der Kandidatenkämpfe, geteilter Vierter der Weltrangliste und 26 Jahre lang bei jeder Olympiade für England am Brett. Jonathan Speelman ist am 2. Oktober 70 Jahre alt geworden. Seine Schachkolumne schreibt er bis heute.

2. Oktober 20262 Minuten LesezeitAusgabe 1

August 1988, London, Viertelfinale der Kandidatenkämpfe. Auf der anderen Seite des Bretts sitzt ausgerechnet der eigene Landsmann, Nigel Short. Es gewinnt Jonathan Speelman, und zwar deutlich mit 3,5:1,5. Der Mathematiker aus Oxford steht damit unter den letzten vier im Rennen um die Weltmeisterschaft. Vor und nach ihm haben nur wenige Engländer dieses Niveau erreicht. Weiter als in diesem Zyklus kam Speelman nie.

Mathematik in Oxford, dann Profi

Geboren wurde er am 2. Oktober 1956 im Londoner Stadtteil Marylebone. Er ging auf die St Paul's School und studierte Mathematik am Worcester College in Oxford. Schon 1969 war er britischer Meister der unter 14-Jährigen. Nach dem Studium wurde er 1977 Profi, und dann ging es schnell: 1978 Internationaler Meister und zum ersten Mal britischer Meister, 1980 Großmeister. Die Titel zwei und drei folgten 1985 und 1986, in einer Zeit, in der er sich im eigenen Land mit Tony Miles, John Nunn und Short herumschlagen musste. Leichte Gegner sehen anders aus.

Der Weg in die Weltspitze führte über das Interzonenturnier 1987 in Subotica, das er gemeinsam mit Short und Gyula Sax gewann. In der ersten Runde der Kandidatenkämpfe schlug er Yasser Seirawan aus den USA mit 4:1, danach Short. Im Halbfinale war im Oktober 1989 gegen Jan Timman Schluss, knapp mit 3,5:4,5. Seine höchste Elo-Zahl hatte Speelman im Juli 1988 mit 2645, das war Platz fünf der Welt. Ein halbes Jahr später stand er mit 2640 sogar auf dem geteilten vierten Platz. Im nächsten Zyklus traf er gleich in der ersten Runde wieder auf Short, und diesmal gewann der andere mit 5,5:4,5.

Dreimal Silber hinter der Sowjetunion

Von 1980 bis 2006 hat Speelman keine einzige Schacholympiade ausgelassen. In seine Zeit fällt die beste Serie, die England je hatte: Silber 1984 in Thessaloniki, 1986 in Dubai und 1988 wieder in Thessaloniki, jedes Mal hinter der Sowjetunion. In Dubai holte er als Ersatzspieler 7 Punkte aus 9 Partien und bekam dafür eine Silbermedaille in der Einzelwertung. 1997 wurde er in Pula mit Short, Michael Adams, Matthew Sadler und Julian Hodgson Mannschaftseuropameister.

Neben dem Brett hat sich Speelman eine zweite Laufbahn als Autor, Kommentator und Analytiker aufgebaut. Er gilt vor allem als Endspielanalytiker, zu seinen Büchern gehören „Analysing the Endgame“ und „Endgame Preparation“, und er schrieb jahrelang für den Observer und den Independent. Seine Kolumne bei ChessBase ist inzwischen bei Folge 243 angekommen. In einer der jüngeren erinnerte er an Timman, seinen Gegner von 1989, nachdem dieser gestorben war.

Abseits des Bretts war Jan immer ausgezeichnete Gesellschaft, und ich fand immer, dass er einer der nettesten aus der Generation war, die nur ein paar Jahre älter ist als ich.Jonathan Speelman über Jan Timman · übersetzt nach ChessBase

Sein Stil gilt als unkonventionell in der Strategie und findig in der Taktik.

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