Erdogmus gegen Oro: Das Duell der Wunderkinder
Türkei gegen Argentinien, erstes Brett, und zusammen sind die beiden Spieler keine 30 Jahre alt. Yagiz Kaan Erdogmus hat das Duell mit Faustino Oro bei der Olympiade in Samarkand gewonnen, weil dem Jüngeren in leicht schlechterer Stellung die Zeit ausging. The Big Greek hat der Partie am 3. Oktober ein eigenes Video gewidmet, und die Oktoberliste zeigt, wie weit beide schon sind.
Nach 26 Zügen stehen auf der Uhr von Faustino Oro noch 33 Sekunden. Gegenüber sitzt Yagiz Kaan Erdogmus mit gut vier Minuten und einem Freibauern auf d6. Bis zur Zeitkontrolle im 40. Zug ist es für beide noch weit. Es ist der 26. September, zehnte Runde der Olympiade in Samarkand, und am ersten Brett treffen die größten Wunderkinder der Welt aufeinander. Argentinien hat Oro, Jahrgang 2013, ans erste Brett gesetzt, obwohl mit Diego Flores ein Mannschaftskollege die höhere Elo-Zahl hatte.
Ein Bauer für das Läuferpaar
Aufs Brett kommt Katalanisch, die offene Variante. Oro nimmt den Bauern auf c4 und entwickelt mit a6 und Sc6 erst einmal den Damenflügel. Erdogmus denkt im siebten Zug rund eine Viertelstunde nach und gibt dann noch den Bauern d4 dazu: 7.Sbd2 Sxd4 8.Sxc4. Dafür holt er sich mit 12.Sxd6 das Läuferpaar und nimmt den Bauern d6 mit Dame und Turm aufs Korn. Im 20. Zug schlägt der e-Bauer auf d6. Damit ist der Bauer zurück, und auf d6 steht ein weißer Freibauer, den Schwarz den Rest der Partie im Auge behalten muss. Weiß steht leicht besser, mehr nicht. Teuer war der Weg dahin für beide: Schon nach 16 Zügen hatten Erdogmus elf und Oro neun Minuten übrig.
Der beste Zug, nur zu spät
Mit 27.Dd4 endet die Übertragung bei Lichess, das Ergebnis lautet 1:0 durch Zeitüberschreitung. In der Schlussstellung wäre 27...Lb7 möglich, Weiß steht dann weiter leicht besser. Wer stattdessen mit dem Turm auf d6 zugreift, läuft in 28.Txd5, und Weiß steht auf Gewinn. Genau um diesen Moment gab es Verwirrung. Erdogmus zeigte nach der Partie eine Variante, die in die Übertragung geriet und aussah wie ein Patzer Oros.
Tatsächlich hatte er in einer kniffligen Stellung den besten Zug gespielt, aber zu langsam, denn er verlor auf Zeit!Colin McGourty, Chess.com · übersetzt nach Chess.com
Im Video zur Partie ist noch der Schluss mit Fehlgriff und Aufgabe zu sehen, samt dem Hinweis, dass die Übertragung an dieser Stelle gestört war. Die Eröffnung wird dort ausführlich besprochen. Der Mannschaftskampf ging 3,5:0,5 an die Türkei.
Platz 17 der Welt mit 15 Jahren
Für Erdogmus war es einer von sechs Siegen. Er blieb in zehn Partien ungeschlagen, holte acht Punkte und Silber am ersten Brett hinter Nodirbek Abdusattorov. Seine Leistung von 2839 war die zweitbeste der ganzen Olympiade. Mit Schwarz hielt er Abdusattorov, Vincent Keymer und Fabiano Caruana remis. In der Oktoberliste steht er mit 2731 auf Platz 17, neun Plätze höher als im September. So hoch war noch kein 15-Jähriger bewertet, der alte Rekord von Wei Yi lag bei 2721. Die Juniorenliste führt er vor Weltmeister Gukesh an, und in Kürze dürfte er unter den ersten zehn ankommen.
Oro muss sich nicht grämen. Die Niederlage gegen Erdogmus blieb seine einzige in elf Partien, er holte sieben Punkte und remisierte unter anderem gegen Haik Martirosyan und Shakhriyar Mamedyarov. Weil er zuvor auch bei einem Turnier in Madrid Punkte gesammelt hatte, steht er im Oktober bei 2560, das sind 23 mehr als im September. In der Liste der besten Junioren ist er damit als Fünfundzwanzigster neu dabei, als Einziger des Jahrgangs 2013. Er ist derzeit der jüngste Großmeister der Welt.
