Hundert Bulletpartien gegen den Mann, der nicht verlieren darf
Ein 49-jähriger Geschäftsmann aus Arizona fordert einen Großmeister heraus, der Bullet auf über 3000 spielt. Die Wette ist so gebaut, dass der Amateur nicht gewinnen muss: Ein einziges Remis oder ein einziger Sieg halbiert, was Daniil Dubov bekommt.
Eine Minute pro Spieler, kein Inkrement, hundert Partien lang, und in jeder davon sitzt auf der einen Seite ein Großmeister, der nur gewinnen darf. Am 7. November 2026 soll das Wirklichkeit werden. Daniil Dubov hat die Herausforderung von Josh Smith angenommen, der sich im Netz „The Bullet Grandpa“ nennt und sein Projekt „100-0“ getauft hat.
Smith ist 49 Jahre alt, Geschäftsmann aus Arizona, Ehemann, Vater und bald Großvater. Seine US-Chess-Wertung liegt in den 1800ern. Auf Chess.com spielt er unter dem Namen BulletGrandpa und hat dort am 6. Oktober mit 2579 einen neuen Höchstwert in Bullet erreicht. Er bezeichnet sich als „völlig süchtig nach Bullet“ und schätzt, in den vergangenen 30 Jahren mehr als 250.000 Partien in diesem Format gespielt zu haben.
Zehntausend sicher, zehntausend für den Sweep
Die Rechnung ist einfach. Dubov bekommt in jedem Fall 10.000 Dollar garantiert, weitere 10.000 kommen dazu, wenn er alle hundert Partien gewinnt. Selbst ein 99,5:0,5 würde den Bonus kosten, denn Smith braucht nur ein Remis oder einen Sieg. Gespielt wird mit denselben Figuren und derselben Zeit für beide. Über Zeitvorgabe hatten die beiden gesprochen, Smith wollte aber lieber ein Match ohne Handicap am Brett. Das Handicap steckt in der Siegbedingung.
Dubov ist ehemaliger Weltmeister im Schnellschach und gehört im Blitz zu den fünf bestbewerteten Spielern der Welt. Seine Bulletwertung liegt über 3000, die persönliche Bestmarke bei 3136. Trotzdem sieht er den Amateur als „massiven Favoriten“ dafür, nicht hundertmal in Folge zu verlieren. Eine Verbindungsstörung oder ein Mausrutscher genüge schon. Smiths Spielstärke schätzt er auf etwa Kandidatenmeister-Niveau und räumt ein, dass der Gegner vermutlich weit mehr Bulletpartien online gespielt hat als er selbst.
Es braucht viel Talent, 100 Partien in Folge zu verlieren.Daniil Dubov, Großmeister · übersetzt nach Chess.com
So eröffnete Dubov sein Interview beim Podcaster Greg Mustreader. Smith gab sich dort bei der Frage nach seinen Chancen ausgesprochen bescheiden. Er rechne damit, in der überwiegenden Mehrheit der Fälle zu verlieren, sehe aber eine Gelegenheit. Sein Plan: solide Stellungen, schnelle Entscheidungen und ein defensiver „Bunker“, den man in einer Minute kaum knacken kann. Dazu kommen Patt-Tricks und Zeitgewinnchancen, selbst bei Materialnachteil.
Sechs Siege, drei Remis, 151 Niederlagen
Gegen seinen Trainer, Großmeister Kayden Troff, stand Smiths Bilanz auf Chess.com zur Zeit des Interviews bei sechs Siegen, drei Remis und 151 Niederlagen. Gelegentliche Erfolge gegen Titelträger haben ihn trotzdem ermutigt. Dubov respektiert vor allem, dass Smith eine mögliche öffentliche 0:100-Niederlage in Kauf nimmt: Er habe den Mut und die mentale Stärke dafür.
Vielleicht kann ein Opa einen Großmeister schlagen.Josh Smith, Amateur · übersetzt nach Chess.com
Dass Smith auch ungewöhnliche Vorhaben durchzieht, belegt er auf seinem Profil mit einigen Beispielen: mehr als 145 Pfund in sechs Monaten abgenommen, im Grand Canyon von Rand zu Rand gewandert und jeden Tag 10.000 Schritte. Das Projekt 100-0 setzt seine Bullet-Trainingsmatches gegen stärkere Spieler fort.
