Vom Lego-Brett zur WM nach Spanien
Weil er kein Schachbrett besaß, baute sich der fünfjährige Sebastian Götze eines aus Lego-Steinen. Gut ein Jahr später ist der Chemnitzer sächsischer Meister, unter den besten Zehn seiner Altersklasse und auf dem Weg zur U7-Weltmeisterschaft in Spanien.
Ein Schachbrett aus Lego-Steinen in Schwarz, Weiß und notgedrungen auch Grau: So sah das erste Brett von Sebastian Götze aus. Der Junge aus Chemnitz war fünf Jahre alt, besaß weder Brett noch Figuren, und sein Opa, ein leidenschaftlicher Schachspieler, hatte ihm gerade gezeigt, wie die Figuren ziehen. Also baute er sich beides selbst. Wie die Figuren aussahen, wusste zunächst nur der Erbauer.
Ich musste dann immer erklären, welche Figur welche ist.Sebastian Götze, Spieler
Aus der Bastelei wurde schnell Ernst. Im Kindergarten spielte Sebastian zunächst nach eigenen Regeln, bis ihm der Opa das richtige Schach beibrachte. Inzwischen ist er sechs, Erstklässler und Mitglied der USG Chemnitz, wo er kaum Gegner in seinem Alter findet. In diesem Jahr gewann er die sächsische Meisterschaft, bundesweit zählt er zu den zehn besten Spielern seiner Altersklasse, und bei der Deutschen Meisterschaft wurde er Siebzehnter. Das alles knapp ein Jahr, nachdem er das Spiel überhaupt kennengelernt hatte. Inzwischen steht auch ein richtiges Schachbrett bei ihm zu Hause.
Von Chemnitz an die Costa de Almería
Die Ergebnisse haben ihm die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Altersklasse U7 eingebracht, die in diesem Format zum ersten Mal ausgetragen wird. Die FIDE richtet zusammen mit dem Spanischen Schachverband die Weltmeisterschaften von U7 bis U17 in Roquetas de Mar aus, einem Badeort an der Costa de Almería in Andalusien. Anreisetag ist der 13. Oktober, die Abreise ist für den 21. Oktober vorgesehen. Gespielt werden elf Runden im Schweizer System mit 45 Minuten Bedenkzeit und 30 Sekunden Zuschlag pro Zug. Diese kürzere Bedenkzeit führt die FIDE für die jungen Altersklassen erstmals ein.
Jeder Verband darf zwölf Spielerinnen und Spieler melden, dazu eine Begleitperson.
Die Reise bezahlt die Familie
Sebastian fährt gemeinsam mit seinem Vater für mehr als eine Woche an die Mittelmeerküste. Die Kosten tragen die Eltern selbst. Dazu gehören Startgebühren, Anreise, Unterkunft und Verpflegung, auch für die erwachsene Begleitperson. Der Vater hat deshalb auf der Plattform GoFundMe eine Spendenaktion mit einem Ziel von 1.400 Euro gestartet.
