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Württemberg lockt Trainerinnen mit Kinderbetreuung

Der Landessportverband Baden-Württemberg hat das Projekt „Damen only“ des Schachverbands Württemberg ausgezeichnet. Der Trainerlehrgang bietet kostenfreie Kinderbetreuung und soll junge Eltern, vor allem Mütter, zur Lizenz führen. Frauen sind bei Trainern und Funktionären im Schach bisher kaum vertreten.

9. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Montag

Armin Winkler, Ehrenpräsident des Schachverbands Württemberg (SVW), nahm die Urkunde entgegen. Der Preis dahinter gilt einem Trainerlehrgang, zu dem die Kinder der Teilnehmenden mitkommen dürfen. Der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) hat das Projekt „C-Trainer – Damen only“ im Wettbewerb „Sport und Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet und mit 4.000 Euro bedacht.

Der Wettbewerb wurde 2025 zum siebten Mal ausgeschrieben und stand im Zeichen der N!-Charta Sport, einer freiwilligen Selbstverpflichtung für Vereine und Verbände im Land mit zwölf Leitsätzen zu sozialen Belangen, Umweltbelangen und Verbandserfolg. Besonderes Gewicht lag auf der Einbindung von Kindern und Jugendlichen. Die Jury aus Vertretern von Sport, Land und Nachhaltigkeitsstrategie verteilte 86.000 Euro an acht Fachverbände. Das Geld kommt vom Umweltministerium des Landes aus Mitteln der Glücksspirale. Die höchsten Beträge von je 15.000 Euro gingen an den Nordbadischen Volleyballverband für ein Bildungsprojekt mit einer Hochschule und an den Volleyball-Landesverband Württemberg für ein Projekt, das Frauen im Ehrenamt stärken soll. Schach erhielt mit 4.000 Euro die kleinste Summe der acht.

Bekannt gegeben hat der LSVBW die Preisträger am 28. Januar 2026 in Stuttgart, der SVW meldete damals die Preisverleihung. Ende September wurden die acht Verbände nach Angaben des SVW bei einem Vernetzungstreffen zur N!-Charta Sport mit einer Urkunde geehrt, die Winkler für den Verband in Empfang nahm.

Kinder dürfen mitkommen

Der Lehrgang richtet sich nach Angaben des Verbands an junge Eltern. Trotz des Titels spricht er nach Angaben des SVW vornehmlich, aber nicht nur Frauen an. Kern ist eine kostenfreie, professionelle Kinderbetreuung während der gesamten Ausbildungsdauer. Mütter wie Väter sollen so die Lizenz erwerben können, ohne nebenher eine Betreuung organisieren zu müssen.

Wie eine C-Trainer-Ausbildung im SVW aussieht, zeigen die beiden letzten Jahrgänge. Der Lehrgang 2024/25 bestand aus vier Modulen: einer Grundlehrgangswoche im September 2024, zwei Aufbauwochenenden im November und April sowie einem Prüfungslehrgang im Juli 2025. Der Jahrgang, der im Herbst 2025 begann, brachte es auf 120 Lerneinheiten und legte vom 13. bis 17. Juli 2026 in der Sportschule Ruit die Prüfung ab. Verlangt waren eine schriftliche Prüfung des WLSB im Bereich Sport, eine des SVW im Bereich Schach und eine Lehrprobe vor einer dreiköpfigen Kommission. Alle 17 Kandidaten bestanden. Ob der Lehrgang „Damen only“ denselben Zuschnitt bekommt, hat der Verband noch nicht mitgeteilt, ebenso wenig Termine, Ort, Teilnehmerzahl und Kosten; im Januar kündigte er weitere Details zur Ausschreibung und Anmeldung an. Die reguläre Neuausbildung vom 26. bis 30. Oktober 2026 war schon im August ausgebucht, Interessenten stehen auf einer Warteliste.

Warum der Verband das tut

Der Schachsport ist in Baden-Württemberg und bundesweit laut SVW durch einen äußerst niedrigen Frauenanteil geprägt, der bei Trainern und Funktionären noch niedriger ausfällt. Der Verband nennt für den deutschen Schachsport einen Anteil von 9 Prozent Mädchen und Frauen. Tatjana Gallina, die Beauftragte des SVW für die Entwicklung im Frauenschach, wurde in das Projekt Mädchen- und Frauenschach des Deutschen Schachbunds berufen, das nach den Gründen dafür sucht. Das Ziel des Trainerlehrgangs: die Zahl qualifizierter Trainerinnen deutlich steigern, weibliche Vorbilder im Vereinsschach schaffen und das Mädchen- und Frauenschach langfristig stärken.

Daneben hat der SVW weitere Formate für Frauen und Mädchen auf den Weg gebracht. Dazu gehören reservierte Frauentische bei den Württembergischen Amateurmeisterschaften und die wiederbelebten Bezirksfrauenmeisterschaften, die für den 13. Juni 2026 an mehreren Spielorten angesetzt waren. Den Gewinn der 4.000 Euro bezeichnete der Verband im März als den größten Erfolg seiner Frauenschach-Arbeit der vorangegangenen zwölf Monate.

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