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Die Blitz-DM kommt als K.-o.-Turnier ins Fernsehen

Der Deutsche Schachbund holt die Blitzmeisterschaft in die Finals nach Stuttgart. Am 1. August 2027 fallen die Titel nach einer Vorrunde in Viertelfinale, Halbfinale und Finale, ARD und ZDF zeigen es live. Das ist das Ende eines Rundenturniers, das seit 1974 gespielt wird. Formal fehlt noch ein Beschluss.

12. Oktober 20264 Minuten LesezeitMatt am Dienstag

Neunundzwanzig Runden spielte Rasmus Svane am 26. Juli in Dresden, und die zweite Hälfte lief schlechter als die erste. Nach 14 Partien hatte der Großmeister vom Hamburger SK 13,5 Punkte, danach verlor er noch drei Partien und gab ein Remis ab. Am Ende standen 25 Punkte und anderthalb Punkte Vorsprung, also der zweite Titel in Folge. So wird die Deutsche Blitzmeisterschaft im nächsten Jahr nicht mehr entschieden.

Der Deutsche Schachbund (DSB) hat am 12. Oktober mitgeteilt, dass die Meisterschaft 2027 Teil der Finals in Stuttgart wird. Am Finals-Sonntag, dem 1. August 2027, werden die Deutsche Meisterin und der Deutsche Meister zum ersten Mal in Viertelfinale, Halbfinale und Finale ermittelt. Davor steht eine Vorrunde. ARD und ZDF übertragen live. Das Rundenturnier, das die Meisterschaft gut 50 Jahre lang war, hat damit ausgedient.

Verkündet, aber noch nicht bestätigt

Fest stehen Termin, Ort und Fernsehpartner. Der neue Modus dagegen braucht eine Änderung der Turnierordnung. Die Bundesspielkommission hat sie nach den Worten von DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker bereits einstimmig verabschiedet. Es fehlt die Bestätigung durch den Hauptausschuss, der am 7. November tagt. Der Antrag des Präsidiums zur Blitzmeisterschaft steht auf dessen Tagesordnung.

Entstanden ist das Konzept aus Verhandlungen der CMG Chess Media Group mit der Finals GmbH. Die CMG ist der exklusive Vermarktungspartner des DSB und hat im Auftrag des Verbands ein Konzept vorgelegt, das nach Darstellung des DSB die Finals GmbH und die Stadt Stuttgart überzeugt hat.

Vorrunde, K.-o.-Phase und Freiplätze

Statt eines Rundenturniers soll es künftig eine Vorrunde und eine K.-o.-Phase geben. Damit nicht erneut verdiente Spielerinnen und Spieler draußen bleiben, ist eine nach oben offene Zahl von Freiplätzen geplant. In Dresden hatten die Nationalspieler Dmitrij Kollars und Alexander Donchenko kurzfristig teilnehmen wollen, durften aber nicht. Die Qualifikationen der Landesverbände sollen unangetastet bleiben.

Meyer-Dunker schätzt, dass 35 bis 40 Spieler statt bisher 30 am offenen Turnier teilnehmen, bei den Frauen voraussichtlich etwas weniger.

Wir werden alles dafür tun, dass die Spitzenspielerinnen und Spitzenspieler teilnehmen.Paul Meyer-Dunker, DSB-Präsident

Offen ist bisher einiges: Wie viele aus der Vorrunde ins Viertelfinale kommen, in welchem System die Vorrunde läuft und welche Bedenkzeit gilt, hat der Verband nicht mitgeteilt. Dasselbe gilt für die Sendezeit. Meyer-Dunker sagte, eine verbindliche Aussage lasse sich noch nicht treffen. Geplant sei, die K.-o.-Phase als längeren Block zu zeigen, in die Vorrunde werde allenfalls kurz hineingeschaltet.

Neunzehn Titel an vier Tagen

Die Finals bündeln Deutsche Meisterschaften verschiedener Sportarten an einem verlängerten Wochenende in einer Stadt. Die Premiere war 2019 in Berlin, danach wechselte der Gastgeber: Auf Rhein-Ruhr folgte Dresden, für 2026 war Hannover vorgesehen. Stuttgart bekam den Zuschlag am 17. Juli 2025 durch einen Beschluss des Gemeinderats. Vom 29. Juli bis 1. August 2027 werden dort 19 Deutsche Meisterschaften ausgetragen; im Februar war noch vom 31. Juli bis 3. August die Rede gewesen.

ARD und ZDF übertragen die Finals in der Regel 20 bis 25 Stunden live. 2023 verfolgten im Schnitt 1,09 Millionen Zuschauer die Fernsehbilder, vor Ort kamen mehr als 200.000 Besucher. Schach teilt sich die Sendezeit also mit vielen anderen Sportarten.

Initiator und Partner vor Ort ist der Schachverband Württemberg. Sein Präsident Carsten Karthaus hat sich nach Darstellung des DSB als treibende Kraft dafür eingesetzt.

Als ich vor 15 Jahren bei der Schachjugend anfing, träumte ich von Schach in ARD und ZDF.Carsten Karthaus, Präsident des Schachverbands Württemberg

Seit 1974 im Rundenturnier

Die Deutsche Blitzmeisterschaft wird seit 1974 ausgetragen. Die erste der Bundesrepublik gewann am 1. und 2. Mai 1974 in Würzburg Karl-Heinz Podzielny, genannt „Podzblitz“, mit 30,5 Punkten bei 36 Teilnehmern. Die 53. Ausgabe fand am 26. Juli 2026 im Internationalen Congress-Center Dresden statt, als Abschluss des Schachgipfels.

Im offenen Turnier waren es 29 Runden. Svane, mit Elo 2612 an eins gesetzt, hatte in der Meisterklasse davor nur Platz sechs belegt, mit acht Remis und einem Sieg. Im Blitz gewann er 24 Partien, spielte zweimal Remis und verlor drei. Zarko Vuckovic von den Schachfreunden Augsburg wurde mit 23,5 Punkten Zweiter, Großmeister Dennis Wagner vom SC Viernheim mit 22 Dritter, Martin Heider vom SV Worms 1878 mit 21 Vierter.

Bei den Frauen führte Titelverteidigerin Dinara Wagner zwei Runden vor Schluss, verlor dann aber beide Partien. Josefine Safarli von der OSG Baden-Baden und Kateryna Dolzhykova vom SV Oberursel kamen beide auf 19 Punkte aus 23 Partien. Die Feinwertung entschied mit 212,5 zu 196 für Safarli, Wagner wurde mit 18,5 Punkten Dritte.

Wie Österreich es machte

Dass die Sendezeit ein Knackpunkt sein kann, zeigt das Nachbarland. Dort war Schach seit 2021 Teil der Sport Austria Finals, mit den Staatsmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach. Die Ausgabe 2025 war die vorerst letzte. Der Österreichische Schachbund zog die Turniere ab und machte sie zum Teil seines PlusCity Grand Prix in einem großen Einkaufszentrum in Pasching bei Linz.

Sandra Schmidt, damals Geschäftsführerin des Österreichischen Schachbunds und heute Veranstaltungschefin beim DSB, begründete den Schritt damit, dass Schach bei den Finals wegen der zahlreichen anderen Sportarten vergleichsweise wenig Übertragungszeit bekomme. In Pasching dagegen gehe es an einem stark frequentierten Ort ausschließlich um Schach.

Auch in Deutschland gab es zuletzt Kritik an der Meisterschaft selbst. Tobias Eismann, Geschäftsführer der CMG, sagte im August in einem Interview, die Dresdner Ausgabe habe viel Luft nach oben gehabt. Die Siegerehrung sei verbesserungswürdig gewesen, Präsentationsflächen für Sponsoren habe es kaum gegeben. Er kündigte an, über sponsorenfreundlichere Formate nachzudenken.

Die Idee, Schach bei den Finals zu zeigen, hatte vor einigen Jahren Meyer-Dunker angeregt, damals Präsident des Berliner Schachverbands. Umgesetzt wurde sie lange nicht. Parallel zu den Finals findet 2027 der Schachgipfel in Stuttgart statt, Teil der Feiern zum 150-jährigen Bestehen des DSB, der am 18. Juli 1877 in Leipzig gegründet wurde.

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