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Der Karl erzählt die Schachgeschichte Polens

Zum 100-jährigen Bestehen des Polnischen Schachverbands macht das kulturelle Schachmagazin Karl Polen zum Schwerpunkt. Das Heft reicht von der Warschauer Olympiade 1935 über den Nachlass des Schachforschers Tassilo von Heydebrand und der Lasa bis zum Schicksal des Mäzens Dawid Przepiórka.

12. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Dienstag

Vom 16. bis 31. August 1935 spielten im Offizierskasino der Warschauer Garnison 99 Spieler in 20 Mannschaften um den Olympiasieg. Deutschland fehlte, Estland, Irland und das Mandatsgebiet Palästina waren zum ersten Mal dabei. Turnierdirektor war Dawid Przepiórka, und ohne seine finanzielle Zuwendung hätte Polen die Olympiade nicht ausrichten können. Gewonnen haben die USA mit 54 Brettpunkten vor Schweden mit 52½. Polen wurde mit 52 Punkten Dritter, einen Punkt vor Ungarn. Für Polen spielten Ksawery Tartakower, Paulin Frydman, Mieczysław Najdorf, Henryk Friedmann und Kazimierz Makarczyk. Auf der Gegenseite holte Arthur Dake am vierten Brett der USA 15½ Punkte aus 18 Partien, mit 86,1 Prozent der beste Wert der Brettbestenlisten.

Dieses Turnier ist einer der Anlässe, aus denen der Karl seine neue Ausgabe Polen widmet. Der Polnische Schachverband wurde am 11. April 1926 in Warschau gegründet, nun sind hundert Jahre vergangen. Der Beitrag „Polen – das Schachreservoir der Welt“ behandelt die Warschauer Olympiade; um sie herum gruppiert sich ein Schwerpunkt, der vom Gründungsjahr des Verbands über eine Ausstellung im Sport- und Touristikmuseum Warschau bis zu den Schachbeziehungen zwischen Galizien und Wien reicht. Ein Besuch führt nach Barlinek, den Geburtsort Emanuel Laskers, ein Streifzug nach Krakau, ein weiterer zu den Gräbern von Adolf Anderssen und Arnold Schottländer in Breslau.

Ein Nachlass in Kórnik

Der Beitrag „Schachhistorischer Schatz“ gilt dem Nachlass von Tassilo von Heydebrand und der Lasa in der Bibliothek in Kórnik. Von der Lasa wurde 1818 in Berlin geboren und starb 1899 in Storchnest bei Lissa in der Provinz Posen. Er war preußischer Diplomat und gehörte in jungen Jahren zur Berliner Schachschule um Ludwig Bledow, dem späteren Siebengestirn. Bekannt ist er vor allem als Herausgeber des „Handbuchs des Schachspiels“: Als Paul Rudolph von Bilguer 1840 starb, führte er dessen Werk fort und stellte den Namen des Verstorbenen der Autorenschaft voran, deshalb heißt das Buch bis heute der „Bilguer“. Er besaß zudem eine bedeutende Sammlung von Schachliteratur, 1896 gab er das Verzeichnis dazu heraus, und er siegte in einem Wettkampf gegen Howard Staunton. Dass seine Sammlung in Kórnik liegt, zeigt auch ein Tagungsband der dortigen Bibliothek von 2003.

Przepiórka und der Januar 1940

Dawid Przepiórka wurde 1880 in Warschau geboren und wuchs in sehr wohlhabenden Verhältnissen auf. Er studierte Mathematik, war ein bedeutender Studienkomponist und gewann 1926 die erste polnische Meisterschaft. 1928 wurde er bei der Amateur-Weltmeisterschaft in Den Haag Zweiter hinter Max Euwe. Dem Warschauer Schachklub überließ er seine Villa kostenlos als Spiellokal. Im Januar 1940 verhaftete die Gestapo ihn zusammen mit anderen Schachspielern in einem Warschauer Café. Wenige Tage später wurde er bei einer Massenexekution im Kampinos-Nationalpark nahe Palmiry ermordet, das genaue Datum ist unbekannt. Das Heft widmet Palmiry den Beitrag „Stätte der Erinnerung“ über den Gedenkort. Tomasz Lissowski, der 1999 eine Biografie Przepiórkas veröffentlichte, steht dem Karl als Schachhistoriker im Interview Rede und Antwort.

Dazu kommen ein Porträt über den Spielstil von Jan-Krzysztof Duda unter dem Titel „Scheinbare Leichtigkeit“ und ein Beitrag über Wojciech Zawadzkis Turniere in Wrocław, die das Heft eine Hochburg des Frauenschachs nennt. Die Rubriken bringen Johannes Fischers Kolumne über Capablanca, Ehn und Strouhal über die Schachskulpturen von Matthias Kendler sowie Carsten Hensel und Artur Jussupow über ihr neues Buch. Unter den Kritiken finden sich mehrere Titel zu Robert Hübner.

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