Mit zwölf der jüngste IM Englands
Mit zwölf Jahren hat Supratit Banerjee den IM-Titel in der Tasche: Drei Normen in gut einem Jahr und eine Wertung über 2400 haben gereicht. Der englische Verband meldet einen Altersrekord, und der Junge reiht sich in eine Generation ein, zu der auch Bodhana Sivanandan und Shreyas Royal gehören.
Vor der letzten Runde der britischen Meisterschaft in Coventry lag Supratit Banerjee mit 6 aus 8 nur einen halben Punkt hinter der Spitze. Am Brett gegenüber saß der 54-jährige Michael Adams, ein neunfacher britischer Meister. Der Zwölfjährige verlor diese Partie. Die dritte Norm für den Titel eines Internationalen Meisters (IM) hatte er mit 6 aus 9 und einer Turnierleistung von 2503 trotzdem sicher.
Jetzt ist der Titel amtlich. Der FIDE-Rat hat ihn am 27. September bei seiner Sitzung in Samarkand bestätigt, bekannt gegeben wurde die Entscheidung am 7. Oktober. Voraussetzung waren drei IM-Normen und eine Wertung über 2400. Damit ist der Schüler der Sutton Grammar School der jüngste englische IM. Er unterbietet den Rekord, den sich Luke McShane (1997) und David Howell (2004) teilten: Beide waren bei ihrer Ernennung 13 Jahre und zwei Monate alt, beide wurden später Großmeister.
Drei Normen in gut einem Jahr
Die erste Norm holte Banerjee im August 2025 bei der britischen Meisterschaft in Liverpool, mit elf Jahren. Er kam auf 6 aus 9, schlug die Großmeister Simon Williams und Mark Hebden, remisierte gegen den Großmeister Ameet Ghasi und verlor nur in der ersten Runde gegen Nikita Vitiugov. Gegen Williams spielte er in einer Französischen Verteidigung ein Endspiel so, dass der Großmeister am Ende das Nachsehen hatte. Daniel Gormally, selbst Großmeister, tippte ihn schon damals als sicheren Kandidaten für einen künftigen britischen Meister.
Die zweite Norm folgte bei einem IM-Turnier in Sheffield, wo er mit 6,5 aus 9 den geteilten ersten Platz belegte und eine Turnierleistung von 2454 erreichte. Die dritte kam im August 2026 in Coventry. Es war sein bestes Ergebnis bis dahin: Er besiegte zwei IM und hielt Ghasi remis. Vor der letzten Runde war er noch im Rennen um den Gesamtsieg. Offen blieb nur die Wertung: Im August stand sie bei 2393, sieben Punkte fehlten auf die 2400. Das Turnier Hotel Stockholm North Young Talents sollte sie bringen, und inzwischen ist die Schwelle laut Verbandsmitteilung überschritten.
Von Glasgow nach London
Banerjee hat früher für Schottland gespielt und wechselte zu England, nachdem seine Familie nach London gezogen war. Seine Mutter Pooja beschreibt den Anfang so: In Glasgow gab es wenig Training, wenig Anleitung und wenig Gelegenheiten, die Eltern wussten kaum etwas über Schach und seine Wettkampfwege, und nach dem Umzug war vieles Ausprobieren in einer fremden Schachwelt. Dazu kamen die Prüfungen für die weiterführende Schule, Hausaufgaben und versäumter Unterricht, den er nachholen musste. Mit der Zeit hätten Vereine, Trainer, der Verband und mehrere Schachstiftungen geholfen.
Bei allem haben Supratits Entschlossenheit, klare Ziele und Zuversicht ihn lächelnd vorangebracht.Pooja, Mutter von Supratit Banerjee · übersetzt nach English Chess Federation
2026 wurde er zu Trainingslagern der Kasparov Chess Foundation eingeladen. Für ihn war es eine großartige Erfahrung, vor allem die Gelegenheit, mit einem der größten Spieler der Geschichte zu sprechen. Zu den weltweit am höchsten gewerteten Spielern seiner Altersgruppe gehört er seit seinem neunten Lebensjahr.
Eine Generation voller Rekorde
Banerjee ist nicht der Einzige, der in England gerade Altersrekorde jagt. Shreyas Royal wurde 2024 mit 15 Jahren der jüngste britische Großmeister und gewann im August in Coventry mit 17 Jahren und 212 Tagen als jüngster Spieler die britische Meisterschaft. Bodhana Sivanandan, elf Jahre alt, ist die jüngste WGM Großbritanniens und holte im selben Turnier den Titel der britischen Meisterin der Frauen.
Alle drei standen in Coventry im selben Turnier am Brett: Royal als Sieger, Sivanandan als Meisterin der Frauen und Banerjee mit der Norm, die ihm den IM-Titel einbrachte.
