Lichess beendet den Boykott gegen US Chess
Seit August 2023 hatte Lichess jede Zusammenarbeit mit US Chess abgelehnt, weil der Verband Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens aus Sicht der Plattform nicht ausreichend aufgearbeitet hatte. Am 21. Oktober 2026 hat Lichess den Boykott aufgehoben und kündigt wieder Übertragungen von Veranstaltungen des Verbands an.
Der Blogeintrag, mit dem Lichess am 21. Oktober 2026 seinen Boykott gegen den US-Schachverband US Chess beendet hat, ist kurz. Dahinter stehen mehr als drei Jahre, in denen die Plattform keine Veranstaltung des Verbands übertragen und ihn auch sonst nicht unterstützt hat.
Wie der Boykott begann
Im Februar 2023 erhoben die Großmeisterin Jennifer Shahade und weitere Frauen schwere Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Großmeister Alejandro Ramirez. Ramirez trat vom Saint Louis Chess Club zurück, US Chess schloss ihn dauerhaft aus. Am 10. August 2023 veröffentlichte Lichess dann einen langen Bericht unter dem Titel „Breaking the Silence“. Darin warf die Plattform dem Verband und dem Saint Louis Chess Club vor, ihre Verantwortung nicht aufgearbeitet zu haben, und erklärte, mit beiden nicht mehr zusammenzuarbeiten. Technische Hilfe gab es nicht mehr, Veranstaltungen wurden nicht mehr beworben. Der Vorwurf richtete sich ausdrücklich gegen die Führung, nicht gegen die Angestellten der beiden Organisationen.
Mit dem Saint Louis Chess Club fand Lichess zuerst wieder zusammen. Im Juni 2025 hob Lichess den Boykott gegen den Club auf, nachdem dieser Schulungen, Meldewege und eine unabhängige Ansprechstelle eingeführt hatte. Bei US Chess blieb es damals beim Nein. Lichess schrieb, mehrere E-Mails an den Verband seien unbeantwortet geblieben, und verwies auf den Rechtsstreit um Shahades Klage aus dem Jahr 2024. Chess.com hatte sich damals nur dem Boykott gegen den Club angeschlossen, nicht dem gegen den Verband.
Vier Gründe für die Rückkehr
Jetzt nennt die Plattform vier Punkte. Erstens die Pflicht zum Safe-Play-Training: Im August 2023 kündigte US Chess an, dass Turnierleiter bis Juni 2024 eine Grundschulung des U.S. Center for SafeSport absolvieren müssen, um weiter gewertete Turniere leiten zu dürfen. Das sei eine wichtige und positive Änderung, reiche für sich genommen aber nicht, weil die Vorfälle hinter dem Boykott ebenfalls der Verbandsführung gemeldet worden waren. Zweitens die Einigung im Rechtsstreit: Im März 2026 haben US Chess und Jennifer Shahade ihre Klage von 2024 gütlich beigelegt. Drittens der Wechsel an der Spitze. Wer an der Behandlung der älteren Vorwürfe beteiligt war, habe diese Positionen nicht mehr inne. Viertens ein offeneres Gespräch: Mit der neuen Verbandsführung habe man die Themen ausführlich besprochen.
Wir sind zuversichtlich, dass unsere Bedenken ausgeräumt wurden.Lichess-Team · übersetzt nach dem Lichess-Blog
Für die Praxis heißt das: Lichess will die offiziellen Übertragungen von Veranstaltungen von US Chess wieder aufnehmen und dem Verband dieselbe zusätzliche Unterstützung geben wie anderen Schachorganisationen. Welche Turniere zuerst folgen, nennt der Eintrag nicht. Im Jahr 2025 hatte Lichess erklärt, der Boykott betreffe vor allem Veranstaltungen, die US Chess selbst ausrichtet, nicht die bloß wertungsrelevanten von örtlichen Veranstaltern.
Ein Schlusspunkt nach gut drei Jahren
Der Blogeintrag erscheint gut ein Jahr nach der Entscheidung für den Saint Louis Chess Club. Er beendet eine Auseinandersetzung, die Lichess 2023 mit dem Satz begann, Frauen und Mädchen im Schach verdienten ein sicheres und unterstützendes Umfeld. Für die Rückkehr nennt die Plattform nun, dass sie mit der neuen Führung die Sicherheit in der Organisation für gewährleistet hält.
