Europapokal: Spitzenduell endet 3:3, drei Teams liegen vorn
Eine Runde vor Schluss liegen in Budva drei Teams mit je 11 Mannschaftspunkten vorn: SuperChess Romania, Novy Bor und der topgesetzte Pendik. Bei den Frauen verlor Bonnevoie erstmals und teilt sich die Spitze nun mit Monte-Carlo und Odlar Yurdu.
An Brett 1 saßen sich in der sechsten Runde des Europapokals in Budva zwei Spieler mit demselben Vornamen gegenüber. Nodirbek Abdusattorov (2780) spielte für SuperChess Romania, Nodirbek Yakubboev (2712) für Novy Bor, und beide Mannschaften hatten die ersten fünf Wettkämpfe gewonnen. Abdusattorov fand es hinterher lästig, gegen einen Freund antreten zu müssen:
Ich habe gegen meinen guten Freund gespielt, meinen Namensvetter Nodirbek Yakubboev.Nodirbek Abdusattorov, Großmeister · übersetzt nach Chess.com
Abdusattorov gibt den Turm her
Auf dem Brett schenkten sich beide nichts. Abdusattorov hatte scharfe Vorbereitung im Najdorf-Sizilianer mitgebracht und schob im 11. Zug den g-Bauern vor: 11.g4. Yakubboev antwortete mit 11...d5, und nach 14.Ld2 überlegte er gut 20 Minuten, bevor er 14...Lb7 zog. Abdusattorov brauchte für seine Antwort rund zehn Minuten und gab im 15. Zug den Turm h1 her: 15.dxe6 Lxh1 16.exf7+ Kh8. Die Stellung blieb auch danach im Gleichgewicht. Das Wort, auf das Abdusattorov immer wieder zurückkam, war kompliziert.
Entschieden wurde die Partie erst deutlich später. Vor seinem 26. Zug hatte Yakubboev noch gut neun Minuten auf der Uhr, Abdusattorov gut 17. Die Stellung war bis dahin ausgeglichen, und 26...Lf3 hätte sie im Gleichgewicht gehalten. Stattdessen zog Schwarz 26...Lc6. Nach 27.De3 Sf3 28.Td1 Db8 29.Dc5 La8 30.Sa4 stand Weiß auf Gewinn, und Abdusattorov brachte den Vorteil nach 40 Zügen ins Ziel, als Yakubboev aufgab.
Josefine Safarli hat dem Duell der beiden Nodirbeks ein Video gewidmet.
Van Foreest spielt 17...g5
Den Ausgleich für Novy Bor holte Nihal Sarin am zweiten Brett gegen Jorden van Foreest. Er setzte den Springer erst im zehnten Zug nach f3 und war froh, dass sein Gegner die Idee nicht kannte. Bis zum 17. Zug war die Stellung ausgeglichen, dann zog van Foreest 17...g5. Nihal sagte dazu:
Das kam mir ein bisschen ungeheuerlich vor!Nihal Sarin, Großmeister · übersetzt nach Chess.com
Mit 17...g5 verließ Schwarz die ausgeglichene Stellung. Nihal dachte knapp 20 Minuten nach und spielte 18.h4 g4 19.f4 gxf3 20.gxf3, danach stand Weiß klar besser.
Vor dem 23. Zug stand Weiß nur leicht besser, doch nach 23...Dc5 war es ein Gewinn für Weiß. Beide Uhren zeigten nach dem 24. Zug weniger als drei Minuten, und mit 24.Tac1 Sg6 25.Txg6 hxg6 26.Lxf6+ beendete Nihal die Partie. Van Foreest gab auf.
Auch die übrigen Partien waren eng. Bogdan-Daniel Deac setzte sich in einem Endspiel gegen Nils Grandelius durch, und David Navara beendete nach 68 Zügen die Serie von Daniel Dardha, der in den ersten fünf Runden alle Partien gewonnen hatte. Haik Martirosyan hatte gegen Pentala Harikrishna im Endspiel einen Bauern mehr, doch Harikrishna, der damit zum zweiten Tag in Folge die längste Partie seines Wettkampfs spielte, hielt das Remis nach 70 Zügen. Alexey Sarana und David Anton trennten sich nach 30 Zügen remis. So stand es 3:3, mit je zwei Siegen auf beiden Seiten.
Pendik zieht nach
Dass die Spitze auf drei Mannschaften anwuchs, lag an Bayegan Pendik. Der Topgesetzte schlug Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai mit 3½:2½, obwohl Anish Giri am ersten Brett gegen Pranesh M verlor. Giri hatte mehr als eine halbe Stunde Vorsprung auf der Uhr, als Pranesh im 22. Zug mit dem Läufer auf e5 schlug. Giri dachte viereinhalb Minuten nach und nahm den Läufer mit dem f-Bauern: 22...fxe5 23.Dxe5+ Kd8. Damit stand Weiß auf Gewinn.
Aufgefangen wurde die Niederlage von Amin Tabatabaei, der nach wilder Zeitnot gegen Andrei Volokitin bis zum 40. Zug gewann, und von Volodar Murzin, dem Schnellschach-Weltmeister von 2024. Murzin war gegen Maksim Chigaev bis auf 18 Sekunden gefallen, Chigaev auf acht, ehe dieser den Fehler machte, der die Partie entschied. Yagiz Kaan Erdogmus gegen den deutschen Großmeister Matthias Blübaum, Richard Rapport gegen Benjamin Gledura und Shakhriyar Mamedyarov gegen Ihor Samunenkov endeten remis.
Elektroprivreda kam gegen den an zwei gesetzten Alkaloid zu einem 3:3. Yu Yangyi gewann für Alkaloid gegen Evgeny Romanov, Denis Kadric für Elektroprivreda gegen Aleksandar Indjic, die übrigen vier Partien endeten remis. Rishon LeZion A schlug C.A Silla Integrant Col-lectius mit 4½:1½, Marseille Echecs gewann 4:2 gegen die Schachfreunde Berlin 1903, und Cheddleton Savills Caterling siegte 3½:2½ gegen Slavia Cadca. Diese vier Teams haben 10 Punkte und damit einen Punkt Rückstand auf die Spitze.
Bei Punktgleichheit entscheidet zuerst die Sonneborn-Berger-Wertung mit einem Streichresultat, erst danach zählen die Brettpunkte. In der Schlussrunde am Freitag um 14 Uhr spielt Pendik gegen SuperChess Romania, Novy Bor trifft auf Elektroprivreda. Außerdem spielen Cheddleton gegen Rishon LeZion A und Alkaloid gegen Marseille.
Bonnevoie verliert zum ersten Mal
Im Frauenturnier hatte Gambit Bonnevoie, an vier gesetzt, die drei höher gesetzten Teams geschlagen. Gegen Odlar Yurdu, die Nummer fünf der Setzliste, verlor die Mannschaft mit 1½:2½ zum ersten Mal. Die ersten drei Bretter endeten remis, am vierten verlor Aleksandra Maltsevskaya, die am Vortag den Siegpunkt geholt hatte, nach 73 Zügen gegen Khanim Balajayeva.
Der Titelverteidiger Cercle d'Echecs de Monte-Carlo schlug SuperChess Romania mit 2½:1½. Stavroula Tsolakidou gewann gegen Deimante Daulyte-Cornette, die anderen drei Partien endeten remis. Humpy Koneru hielt gegen Dinara Wagner nach 95 Zügen ein Remis, obwohl sie einen Bauern weniger hatte, und Pia Cramling rettete gegen Marsel Efroimski ein Remis.
Damit führen Bonnevoie, Monte-Carlo und Odlar Yurdu mit je 10 Punkten, dahinter folgen Sirmium, Crvena Zvezda und Davit Jojua's Chess Club mit 8. In der Schlussrunde trifft Monte-Carlo auf den an 15 gesetzten Davit Jojua's Chess Club, Odlar Yurdu auf Sirmium Sremska Mitrovica (Setzplatz 2) und Bonnevoie auf Crvena Zvezda (Setzplatz 7).
Die elfjährige Bodhana Sivanandan gewann mit den Lionesses A 4:0 gegen Klaipeda. In der Schlussrunde spielt sie gegen Irina Tetenkina (2116). Ein Remis würde ihr voraussichtlich genügen, um mit 11 Jahren, 7 Monaten und 16 Tagen die siebtjüngste Internationale Meisterin der Geschichte zu werden.
