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Europapokal: Giri schlägt Abdusattorov, Pendik holt Gold

Der topgesetzte Bayegan Pendik hat den Europapokal in Budva gewonnen. In der Schlussrunde schlug der Klub den Titelverteidiger SuperChess Romania 3½:2½, Anish Giri besiegte dabei Nodirbek Abdusattorov. Novy Bor endete punktgleich, hatte aber die schlechtere Wertung. Bei den Frauen setzte sich Monte-Carlo gegen Bonnevoie durch.

23. Oktober 20265 Minuten LesezeitMatt am Samstag

Nach der Partie scherzte Anish Giri im Studio, er habe zuletzt vor allem mit Leuten Probleme gehabt, deren Namen mit „Pra“ beginnen. Er hatte im Europapokal von Budva gegen Pranav Venkatesh und am Tag zuvor gegen Pranesh M verloren. In der Schlussrunde saß der Niederländer am ersten Brett des topgesetzten Bayegan Pendik Chess Sports Club, und gegenüber spielte Nodirbek Abdusattorov für den Titelverteidiger SuperChess Romania, mit 2780 der am höchsten gewertete Spieler des Turniers. Beide Mannschaften waren zusammen mit Novy Bor punktgleich an der Spitze in die siebte Runde gegangen, jede mit 11 Mannschaftspunkten.

Giri spielte Weiß im Halbslawischen. Abdusattorov schob mit 15...e5 und 16...e4 seine Bauern vor, was Giri später etwas übermütig nannte, und stellte nach 17.Sd4 mit 17...Lg4 den Läufer auf den Turm d1.

Giri – Abdusattorov, Runde 7Schwarz am Zug: 15...e5, später 17...Lg4

Zu 17...Lg4 sagte Giri:

Er hat hier ein bisschen geblufft.Anish Giri, Großmeister · übersetzt nach Chess.com

Abdusattorov kenne ihn als eher faulen Rechner, doch die Variante sei zu verlockend gewesen, um sie nicht durchzurechnen, also habe er die schwere Arbeit eben erledigt.

Der Turm bleibt stehen

Giri zog 18.Lb2 und ließ den Turm auf d1 einfach stehen. Abdusattorov nahm ihn mit 18...Lxd1, übersah dabei aber einige taktische Details. Mit 18...Tad8 hätte Schwarz nur leicht schlechter gestanden. Nach dem Schlagen kam 19.Sf5, und nach 19...Dd8 20.Dg5 Sh5 21.Sh6+ Kh8 22.Dxc5 hatte Weiß den Läufer auf c5 geholt und stand trotz des fehlenden Turms auf Gewinn.

Giri – Abdusattorov, Runde 7Schwarz am Zug: 18...Lxd1 statt 18...Tad8 (+0,81), nach 19.Sf5 steht Weiß mit +4,04 auf Gewinn

Abdusattorov hatte bei seinem Fehler noch knapp 49 Minuten auf der Uhr, also keine Zeitnot, und gab nach 41 Zügen auf.

agadmator hat die Partie in einem Video besprochen.

8,5 Wertungspunkte für Gold

Für SuperChess holte Jorden van Foreest am zweiten Brett einen Punkt gegen den 15 Jahre alten Yagiz Kaan Erdogmus, der während des Turniers bis auf Platz 15 der Weltrangliste geklettert war. Die Partie dauerte 70 Züge, ihre Wende kam im 32. Zug. Erdogmus hatte nur noch gut eine halbe Minute auf der Uhr, als Van Foreest ihm mit 32.b4 den Bauern a4 anbot. Mit 32...Dxa4 wäre die Stellung im Gleichgewicht geblieben, doch Erdogmus zog 32...Db6. Nach 33.a5 Dd8 34.Sxe6 fxe6 35.Dxg6 stand Weiß auf Gewinn.

Van Foreest – Erdogmus, Runde 7Schwarz am Zug: 32...Db6 statt 32...Dxa4 (+0,04), danach steht Weiß mit +4,69 auf Gewinn

Giri erklärte sich die Entscheidung des 15-Jährigen so:

Yagiz ist ein unglaublicher Rechner, also muss er zu viel gesehen haben!Anish Giri, Großmeister · übersetzt nach Chess.com

Pendik verkraftete den Verlust, weil Amin Tabatabaei am dritten Brett gegen Haik Martirosyan gewann. Er hatte schon aus der Eröffnung eine fast gewonnene Stellung, Martirosyan rettete sich in ein Turmendspiel mit einem Bauern weniger, doch nach 58 Zügen setzte sich Tabatabaei durch. Richard Rapport gegen Alexey Sarana, Shakhriyar Mamedyarov gegen Bogdan-Daniel Deac und Ediz Gurel gegen Daniel Dardha trennten sich remis. So hieß es 3½:2½, und Pendik hatte als einziger Klub neben Novy Bor sieben Runden ohne Niederlage überstanden.

Gefährlich werden konnte Pendik nur noch Novy Bor, der dreimalige Sieger des Wettbewerbs. Der Klub schlug Elektroprivreda 4½:1½. Nihal Sarin gewann am zweiten Brett gegen Karthikeyan Murali, Pentala Harikrishna am dritten gegen Evgeny Romanov und David Navara am sechsten gegen Denis Kadric, die übrigen drei Partien endeten remis. Damit hatte auch Novy Bor 13 Mannschaftspunkte, doch bei Punktgleichheit entscheidet zuerst die Sonneborn-Berger-Wertung mit einem Streichresultat, und dort lag Pendik mit 261,5 zu 253 vorn. Auch bei den Brettpunkten führte Pendik mit 31 zu 30.

Nihal beendete das Turnier mit 5 aus 6 und gewann damit Gold am zweiten Brett. Seine Turnierleistung lag bei 2859, er gewann 11,1 Elo-Punkte und stand danach auf Platz 18 der Live-Weltrangliste, so hoch wie nie zuvor. Gegen Karthikeyan, der an diesem Brett Bronze holte, spielte er Französisch mit einem seltenen fünften Zug von Schwarz, rochierte lang, schloss den Damenflügel und griff dann am Königsflügel an. Harikrishna und Navara kamen ebenfalls auf 5 aus 6 und holten Silber am dritten beziehungsweise sechsten Brett. Harikrishna verpasste Gold nur, weil Lennert Lenaerts gegen schwächere Gegner alle Partien gewann. Am ersten Brett ging Gold an Marc'Andria Maurizzi von Aix-en-Provence, Silber an Vaclav Finek von SK Dunajska Streda und Bronze an Aydin Suleymanli von Vugar Gashimov, keiner von ihnen aus einem Medaillenteam.

Die Bronzemedaille ging an Rishon LeZion A mit Boris Gelfand. Die als Neunte gesetzte Mannschaft schlug die als Sechzehnte gesetzte Cheddleton Savills Catering 5½:½ und hatte in sieben Runden nur gegen Novy Bor verloren. Cheddleton hatte bis dahin fünf Kämpfe gewonnen und eine Niederlage gegen ein Spitzenteam kassiert, nun verpasste das Team die unerwartete Medaille. SuperChess Romania wurde mit 11 Punkten Vierter, knapp außerhalb des Podiums, bei fünf Siegen, einem Remis und einer Niederlage. Fünfter wurde Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai mit dem deutschen Großmeister Matthias Blübaum, der 4,5 aus 6 holte.

Vier Startplätze für die Super League

Wie viel Platz vier wert ist, zeigt die Super League. Nach den Regeln des Europäischen Schachverbands ECU qualifizieren sich die ersten vier Klubs des Open für die European Chess Super League, die vom 2. bis 10. Februar 2027 gespielt wird, dazu der am höchsten bewertete Klub außerhalb der ersten vier. Damit sind Pendik, Novy Bor, Rishon LeZion A und SuperChess Romania dabei.

Monte-Carlo verteidigt den Titel

Bei den Frauen hatten die drei Spitzenteams schon gegeneinander gespielt und bekamen in der Schlussrunde Gegner mit zwei Punkten weniger. Der Titelverteidiger Cercle d'Echecs de Monte-Carlo schlug Davit Jojua's Chess Club, die Nummer 15 der Setzliste, mit 4:0, und CE Gambit Bonnevoie gewann 2½:1½ gegen Crvena Zvezda. Beide Klubs endeten mit 12 Mannschaftspunkten, sechs Siegen und einer Niederlage, und die Wertung entschied: 159,5 für Monte-Carlo, 145 für Bonnevoie. Monte-Carlo holte damit den neunten Titel, seine einzige Niederlage war die in der vierten Runde gegen Bonnevoie.

Humpy Koneru war gegen Nia Donghvani zeitweise verloren, doch die Georgierin übersah mit weniger als einer Minute auf der Uhr einen taktischen Schlag, danach brach ihre Stellung zusammen. Aleksandra Goryachkina, Humpy Koneru und Elisabeth Pähtz gewannen für Monte-Carlo Gold an den Brettern eins, zwei und vier.

Bei Bonnevoie siegten Anna Ushenina am ersten Brett und Aleksandra Maltsevskaya, die wieder einen wichtigen Punkt holte, während Elina Danielian gegen Adela Velikic verlor. Die Mannschaft hatte als Vierte gesetzt die drei höher gesetzten Teams geschlagen und musste sich trotzdem mit Silber begnügen. Bronze holte Sirmium Sremska Mitrovica mit einem 3½:½ gegen Odlar Yurdu, das tags zuvor Bonnevoie bezwungen hatte und nun auf Rang vier fiel. Die ersten sieben Plätze gingen an die sieben bestgesetzten Teams, wenn auch nicht in der Reihenfolge der Setzliste.

Die elfjährige Bodhana Sivanandan erfüllte mit ihrem Sieg in der Schlussrunde die Bedingungen für den IM-Titel. Sie unterbot damit den Altersrekord von Judit Polgar bei den Frauen und ist in der Gesamtliste der jüngsten Internationalen Meister die Siebte. Das Turnier brach mit 130 Mannschaften, 108 im Open und 22 bei den Frauen, den Teilnehmerrekord von 122 Teams aus Rhodos 2025.

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