Sindarov holt 2½ Punkte Rückstand auf
Javokhir Sindarov hat das Clutch Chess: Champions Showdown in Saint Louis gewonnen, obwohl er mit 2½ Punkten Rückstand in den letzten Tag ging. Mit drei Siegen und drei Remis holte er 12 Punkte, schlug Nakamura in einer Glanzpartie im Königsindischen und lag am Ende mit 20½ Punkten anderthalb Punkte vor Praggnanandhaa.
Praggnanandhaa brauchte einen Sieg, und lange sah es so aus, als könnte er ihn holen. Mit Schwarz hatte er gegen Caruana aus einem Slawisch eine Stonewall-Struktur aufgebaut und sich Angriffschancen verschafft. Dann kam der 33. Zug. Mit 33...Tg7?? verspielte er die Stellung, die sich bis dahin halten ließ. Caruana hatte die Antwort 34.Sg4 schon von Weitem gesehen, die schwarze Dame auf h6 fand keinen guten Rückzug mehr und wurde gegen zwei Springer getauscht.
Caruana verwertete den Vorteil und beendete das Turnier als Dritter mit 16½ Punkten. Sein Sieg entschied den Titel zugunsten von Sindarov, der am Nachbarbrett mit Weiß gegen Nakamura ein ungefährdetes Remis in der Berliner Verteidigung gespielt hatte. Vor der Schlusspartie hatte Sindarov 19½ Punkte gehabt und damit einen halben Punkt vor Praggnanandhaa gelegen. Ein Sieg gegen Nakamura hätte ihm den Titel aus eigener Kraft gesichert. Nach dem Remis hing alles an der Nachbarpartie: Ein Sieg gegen Caruana hätte Praggnanandhaa an ihm vorbeigebracht. So blieb es bei 20½ Punkten für Sindarov und 19 für Praggnanandhaa.
Ein Sieg zählt drei Punkte, ein Remis einen
Zu Beginn des dritten Tages hatten Sindarov und Caruana je 8½ Punkte, Praggnanandhaa führte mit 11. Weil ein Sieg an diesem Tag drei Punkte und 3.000 Dollar wert war, ließ sich der Abstand von 2½ Punkten mit einer einzigen Partie überbrücken. Sindarov scherzte hinterher, er habe am Morgen in den sozialen Netzwerken gesehen, dass Yasser Seirawan und Maurice Ashley ihn zu ihrem Favoriten bei den Kommentatoren gekürt hätten. Das habe ihm alle Motivation gegeben, die er brauchte.
Die erste Entscheidung fiel gleich im ersten Block, im direkten Duell mit Praggnanandhaa. Die erste Partie endete remis. In der zweiten hatte Praggnanandhaa eine Figur für zwei Zentrumsbauern gegeben und hätte sie sich mit dem Zug gegen den Instinkt, 21...Dc5, zurückgeholt. Er wählte stattdessen 21...Db8??, das auf den ersten Blick dasselbe tat. Sindarov hatte aber eine taktische Antwort: 22.Sc4 dxc4 23.Dxd7, und kurz darauf fiel auch der Bauer auf e6 mit Schach.
Damit übernahm Sindarov nach dem ersten Block mit 12½ Punkten die Führung vor Praggnanandhaa mit 12. Caruana hatte 11½, Nakamura 11. Die beiden hatten ihren Block geteilt, jeder gewann seine Partie mit Schwarz.
Dann holte sich Praggnanandhaa die Punkte zurück, und zwar bei Nakamura. In der ersten Partie stand Nakamura nach 31.Se5 klar besser, spielte danach aber nicht genau genug, und Praggnanandhaa stellte das Gleichgewicht nach und nach wieder her. In der Zeitnot unterlief Nakamura dann der entscheidende Fehler: Mit 42.Te6?? ließ er den Freibauern auf der d-Linie laufen, und nach 42...Dd7 war 43...d2 nicht mehr aufzuhalten. Praggnanandhaa sprach hinterher von Glück, denn er habe diese Partie nach eigener Einschätzung aus einer verlorenen Stellung gewonnen.
Die zweite Partie gewann er überzeugend und mit gewonnener Qualität. Sechs Punkte aus den beiden Partien gegen Nakamura brachten ihn auf 18 und damit anderthalb Punkte vor Sindarov, der gegen Caruana eine Partie gewonnen und eine remis gespielt hatte. Den Sieg holte Sindarov nach einem Zeitnotgefecht mit zwei Mehrbauern im Turmendspiel. In der Rückpartie hätte er im Königsindisch sogar auf brillante Weise gewinnen können, doch Caruana rettete sich und stand im Endspiel zwischenzeitlich kurz besser. Sindarov ärgerte sich hinterher, die Stellung nicht richtig erkannt zu haben.
Vor den letzten beiden Runden waren noch sechs Punkte zu vergeben. In der ersten Partie gegen Caruana stand Praggnanandhaa lange mit einem Mehrbauern auf Gewinn, doch Caruana verteidigte sich zäh und rettete nach genau 100 Zügen das Remis.
Ein Läufer und zwei Türme für den Angriff
Zur selben Zeit lief die Partie, die das Turnier entschied. Sindarov spielte mit Schwarz gegen Nakamura ein Königsindisch, das nach 7.d5 in eine Benoni-Struktur überging. Nach 23.Sd4 stand er schon klar besser, und dann begann der Angriff. Mit 23...Lxg4 gab er einen Läufer für einen Bauern, und nach 24.fxg4 Sxe4 hatte er zwei Bauern für die Figur, einen Springer mitten im weißen Lager und die Initiative.
Danach machte Sindarov aus dem Angriff eine Kette von Opfern. Mit 29...Txg4+ und 31...Txe2 gab er beide Türme her, und nach 32.Txe2 Dxg4 gehörte ihm das Brett. Zu den Opfern sagte er hinterher:
Jeder Zug hätte gewonnen, aber ich dachte mir: Wenn ich anfange, schön zu spielen, dann beenden wir es auch schön!Javokhir Sindarov, Turniersieger · übersetzt nach Chess.com
Den Schluss besorgte die Dame. Nach 33...Dg1+ 34.Ke2 Sd4+ 35.Ke3 Lh6+ nahm der weiße König mit 36.Kxd4 den Springer, und 36...Dxf2+ gewann den Turm. Nach 38 Zügen war die Partie zu Ende. Sindarov nannte sie im Gespräch mit Maurice Ashley:
Eine der besten Königsindisch-Partien, die ich je gespielt habe.Javokhir Sindarov · übersetzt nach ChessBase
Der letzte Test vor dem WM-Kampf
Für den 20 Jahre alten Sindarov war es das letzte Turnier vor dem WM-Kampf gegen Gukesh Dommaraju, dessen erste Partie am 24. November in Genf angesetzt ist. Im April hatte er das Kandidatenturnier gewonnen, mit dem Sieg in Saint Louis kommt ein weiterer gegen die Weltklasse hinzu. Er nahm 168.000 Dollar mit, einschließlich der Boni, bei einem Gesamtpreisfonds von 425.000 Dollar. Zum Abschied lobte er die Stadt, und zwar wegen der Menschen dort. Die erste Auflage hatte 2025 Magnus Carlsen gewonnen, der diesmal nicht am Start war.
Praggnanandhaa, als Sieger der Grand Chess Tour 2026 angereist, nannte Platz zwei in einem solchen Feld in Ordnung, angesichts der knappen Entscheidung aber ein wenig enttäuschend. Er und Caruana fliegen weiter nach Budapest zur Total Chess World Championship Tour Pilot 2026, bei der auch Magnus Carlsen spielt. Nakamura, der nach dem ersten Tag geführt hatte, sagte, in 95 Prozent der Partien habe er fabelhaft gespielt, aber die Zeitnotphasen nicht im Griff gehabt. Mit den mittleren Bonuszeiten von fünf Sekunden komme er seit einiger Zeit nicht gut zurecht. Seine nächsten klassischen Turniere sind der American Cup und die Total Chess World Championship 2027.
