Chennai: Normen auf heimischem Boden
In Chennai läuft das erste Chola Chess Open, ein Turnier nur für Titelträger mit mindestens 2250 Elo. Der Organisator R. B. Ramesh will indischen Spielern Großmeisternormen im eigenen Land ermöglichen. Nach zwei Runden führen neun Spieler, darunter ein Zehnjähriger.
Am zweiten Turniertag saß der zehnjährige Sarbartho Mani gegen einen Großmeister in ernsten Schwierigkeiten und gewann trotzdem. Der FM mit Elo 2311 hatte Weiß gegen den Griechen Dimitris Alexakis (2536) und wählte in der Sizilianischen Partie eine Nebenvariante, die selbst R. B. Ramesh überraschte. Alexakis brauchte fast 13 Minuten für seine Antwort. Im Mittelspiel geriet Sarbartho unter Druck, stellte kleine Fallen auf, und Alexakis überzog am Ende. Es war Sarbarthos erster Sieg in einer klassischen Partie gegen einen Großmeister.
Der Rahmen dafür ist ungewöhnlich für Indien. Vom 30. Oktober bis 7. November wird im Welcomhotel by ITC in Chennai das 1. Chola Chess Open International Grandmasters Tournament gespielt, neun Runden im Schweizer System mit 90 Minuten für 40 Züge, dann 30 Minuten bis zum Ende und 30 Sekunden Bonuszeit pro Zug ab dem ersten. Teilnehmen durfte nur, wer in der Elo-Liste vom 1. Oktober mindestens 2250 hatte. Am Start sind 86 Spieler, die alle einen Titel tragen, mit einer durchschnittlichen Elo-Zahl von 2412. 34 von ihnen sind Großmeister, 21 Internationale Meister. Der Preisfonds beträgt fünf Millionen Rupien, der erste Preis eine Million. Veranstalter ist die Chola Foundation, Turnierdirektor ist Ramesh.
80 von 90 Normen im Ausland
Ramesh begründet das Turnier mit einer Rechnung. Er hat die letzten 30 indischen Großmeister ausgewertet. Jeder von ihnen braucht drei Normen, zusammen also 90. Davon seien 80 im Ausland erspielt worden und nur zehn in Indien. Die Eltern zahlten dafür viel Geld: Allein der Flug koste rund 100.000 Rupien (ein Lakh) je Spieler, mit einem begleitenden Elternteil das Doppelte. Er schätzt, dass Familien jedes Jahr mindestens 200 Millionen Rupien (20 Crore) ausgeben, womöglich das Doppelte, um ihre Kinder zu europäischen Turnieren zu schicken. Dort spielten das ganze Jahr über Dutzende indische Kinder.
Ramesh weiß, wie sich das anfühlt. Als Spieler habe er lange nicht einmal davon geträumt, Großmeister zu werden, weil es in Indien kaum Normturniere gab. Die Chola Foundation hat vorher schon drei Rundenturniere ausgerichtet. Aus ihnen stammen der Titel von Harshavardhan G. B., Indiens 97. Großmeister, und die zweite IM-Norm von Daakshin Arun. Ein geschlossenes Turnier erreicht aber nur wenige Spieler, ein offenes mehr. Deshalb gibt es die strenge Elo-Grenze. Und Ramesh hält nichts davon, den Nachwuchs zu schonen:
Es ist eine Art Beleidigung für die Spieler, es ist, als würden wir nicht an sie glauben.R. B. Ramesh, Turnierdirektor · übersetzt nach einem Video von ChessBase India
Kinder gegen Großmeister
Die erste Runde bestätigte ihn. Topgesetzter Aravindh Chithambaram, mit 2677 Elo vor Pranesh M. (2674) und Karthikeyan Murali (2647) die Nummer eins, schlug an Brett 1 den 13-jährigen FM Madhvendra Pratap Sharma, der zwei Tage vorher die westasiatische U18-Meisterschaft gewonnen hatte. Pranesh und Murali gewannen ebenfalls. Dahinter siegte FM Madhesh Kumar gegen den Armenier Mamikon Gharibyan (2481), FM Adhiraj Mitra gegen den Brasilianer Santiago Yago De Moura (2466), Sarbartho Mani gegen IM Shahil Dey (2460) und FM Samyak Dharewa gegen IM Ayush Sharma (2440). Überraschungen sind das für Ramesh nicht: Die Stärke dieser Kinder liege weit über ihrer Elo-Zahl.
In Runde 2 gewann Aravindh gegen den erfahrenen Sandipan Chanda in einem Endspiel mit Läufern auf ungleichfarbigen Feldern. Pranesh trennte sich von Boris Savchenko remis, Murali schlug IM Apoorv Kamble. Madhesh Kumar verlor gegen Surya Shekhar Ganguly, Samyak Dharewa gewann auch seine zweite Partie, gegen IM Ethan Vaz.
Nach zwei Runden führen neun Spieler mit 2 Punkten: Aravindh, Samvel Ter-Sahakyan, Iniyan Panneerselvam, Ganguly, Murali, Leon Luke Mendonca, A. R. Ilamparthi und die beiden Jungen Sarbartho Mani und Dharewa. Pranesh und Savchenko folgen mit 1½. In der dritten Runde, die am Sonntag, 1. November, um 9.30 Uhr deutscher Zeit begann, trifft Aravindh am Spitzenbrett auf den amtierenden indischen Landesmeister Iniyan. Murali spielt gegen Ganguly, Sarbartho Mani gegen Ter-Sahakyan, Pranesh gegen Dharewa.
Die vierte Runde beginnt am Montag, 2. November, um 9.30 Uhr deutscher Zeit (14 Uhr Ortszeit in Chennai). Chola Chess überträgt die Partien mit Kommentar von R. B. Ramesh und Gaurav Bakliwal live auf YouTube.
