Afrika stützte Turlov, fehlt aber in der neuen FIDE
Die Afrikanische Schachkonföderation war der einzige Kontinentalverband, der sich vor der FIDE-Wahl öffentlich für Timur Turlov aussprach. Nach seinen ersten Berufungen fragt die simbabwische Schachstimme Tatenda Gondo, was Afrika davon hat. Es ist ein Meinungsstück, die Thesen sind ihre.
Tatenda Gondo, eine Stimme des simbabwischen Schachs, hat in einem Beitrag auf X eine Frage gestellt: Wo sind die Afrikaner in der neuen FIDE? Ihre These lautet, die Afrikanische Schachkonföderation (ACC) sei als einziger Kontinentalverband öffentlich für Timur Turlov eingetreten, und in dessen ersten Berufungen tauche trotzdem kein afrikanischer Name auf. Die Entwicklung sei ein politischer Albtraum, aus dem sie noch nicht aufgewacht sei.
Ein Brief zwei Tage vor der Wahl
Turlov wurde am 26. September bei der Generalversammlung in Samarkand zum FIDE-Präsidenten gewählt. Im ersten Wahlgang erhielt er 96 Stimmen, Wadim Rosenstein 76 und Jan Henric Buettner 20. In der zweiten Runde setzte er sich mit 110 zu 85 Stimmen gegen Rosenstein durch. Viswanathan Anand ist sein Stellvertreter.
Zwei Tage vor der Wahl, am Donnerstag, 24. September, hatte sich die ACC in einem Brief hinter Turlov gestellt. Unterzeichnet war er von Präsident Benard Wanjala, der sein Amt erst seit dem 27. Juli innehat, als er die Wahl gegen die bisherige Präsidentin Tshepiso Lopang aus Botswana mit 25 zu 24 gewann. Der Brief lobte Turlovs Entwicklungsfonds als passend zu afrikanischen Prioritäten und erinnerte daran, dass seine Firma Freedom Holding den Schachsport auf dem Kontinent schon seit 2023 fördert. Zugleich mahnte er alle Verbände, unabhängig abzustimmen. Gewählt wird geheim, wie die afrikanischen Verbände tatsächlich votierten, ist nicht belegt. Angehört hatte die ACC neben Turlov auch Buettner. Rosenstein hatte keine Gelegenheit zur Vorstellung.
Zwölf Namen in vier Tagen
Am 26. Oktober stellte Turlov die neue Struktur der FIDE vor, mit einem Präsidialbüro, einem Beirat, einem Governance-Sekretariat und einer Verwaltung unter der Generalsekretärin. In den vier Tagen danach folgten zwölf Namen: Adil Kozhikhov und Darmen Sadvakasov aus Kasachstan an der Spitze von Präsidialbüro und Beirat, Generalsekretärin Alina Dvoretskaya, die Sonderbeauftragten und Vertreter Emil Sutovsky, Victor Bologan, Dana Reizniece-Ozola, Mohamed Al-Mudahka, Akaki Iashvili und Willy Iclicki, dazu Zhu Chen für das Büro in Shenzhen sowie Pavel Tregubov für den Sport und der Kasache Marat Umutpayev für das Recht.
Die FIDE nannte außerdem Nadezhda Kravchuk für Außenbeziehungen und Kommunikation sowie Anton Zhuravlev für Turniere. Staatsangehörigkeiten gibt die Mitteilung bei beiden nicht an, Kravchuk ist schon länger im Verband tätig. Für die globale Entwicklung, zu der auch der von der ACC hervorgehobene Entwicklungsfonds gehört, ist Bologan als Sonderbeauftragter zuständig.
Das Gewicht eines Wahlblocks
Warum die Frage Gewicht hat, begründet der Bericht mit der Arithmetik der FIDE. Jeder Verband hat eine Stimme, und wer kandidiert, braucht für die Zulassung Unterstützer aus mehreren Kontinenten, darunter afrikanische Verbände. Turlovs Vorsprung betrug in der Stichwahl 25 Stimmen, der Kontinent stellt mehr als 40 Verbände. Aus dieser Rechnung folgt die Einschätzung, ohne Afrika wäre der Sieg kaum möglich gewesen. Die Zahlen zur Größe des Blocks schwanken: Mal ist von mehr als 40 Verbänden die Rede, mal von 48 der rund 200 Stimmen der Generalversammlung, mal von 51 der 54 afrikanischen Länder als FIDE-Mitgliedern.
Kritik am eigenen Verband
Gondo fordert dabei keine Posten als Belohnung. Berufungen müssten auf Verdienst und Kompetenz beruhen, schreibt sie, aber Vertretung und Einbeziehung dürften nicht still von der Prioritätenliste rutschen, sobald eine Führung Gestalt annimmt. Ihre schärfste Kritik trifft weniger Turlov als die ACC. Sie fragt, welche Strategie hinter der Unterstützung stand: Wurden afrikanische Interessen verhandelt, oder war es Loyalität ohne klare Gegenleistung? Die Konföderation könne sich nicht mit einem Wahlsieg schmücken und die afrikanischen Beteiligten dann rätseln lassen, was die Investition gebracht habe. Afrikas Schach gehöre an den Entscheidungstisch und nicht auf einen Zuschauerplatz.
Der Erfolg wird an greifbaren Ergebnissen für die nationalen Verbände und die gesamte Schachgemeinschaft gemessen.Timur Turlov, FIDE-Präsident · übersetzt nach FIDE
Mit diesem Satz hatte Turlov am 26. Oktober seine Reform beschrieben. Offen ist noch einiges: Den Beirat will die FIDE erst aus Fachleuten mit internationaler Erfahrung zusammenstellen, und weitere Ernennungen in der Verwaltung hat sie angekündigt. Ob die Unterstützung Afrikas Einfluss bedeutet oder nur half, eine Wahl zu gewinnen, soll sich nach Gondos Rechnung an diesen Besetzungen und am nächsten Zyklus des Entwicklungsfonds zeigen. Eine Stellungnahme der FIDE oder der ACC zu dem Beitrag ist in dem Bericht nicht wiedergegeben.
