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Stark besetzt, schwach gestützt

Zwölf Spieler zwischen 2683 und 2831, ein Titelkampf, der erst im Schnellschach entschieden wurde, und die USA an der Spitze der Länderwertung: Das US-Schach zeigt sich in Bestform. Drei Trainer des ChessDojo halten dagegen, dass dem Nachwuchs das Fundament fehlt.

1. November 20263 Minuten LesezeitMatt am Montag

Elf Runden reichten nicht, um den US-Meister 2026 zu ermitteln. Wesley So und Fabiano Caruana beendeten das Turnier in Saint Louis mit je 7 aus 11, nachdem So in der Schlussrunde als Spitzenreiter gegen Sam Sevian in einem Turmendspiel noch den Remisweg verpasst und seine einzige Niederlage des Turniers kassiert hatte. Im Stichkampf am Folgetag endete die erste Schnellpartie remis, in der zweiten, mit vertauschten Farben, setzte So sich durch. Es ist sein vierter Titel. Bei den Frauen gewann Rachael Li und wurde damit die jüngste Spielerin, die den Titel bei ihrem Debüt holte. Alice Lee blieb einen halben Punkt zurück, Irina Krush wurde Dritte.

Über die Lage des US-Schachs vor diesem Hintergrund sprachen Jesse Kraai, David Pruess und Kostya Kavutskiy in ihrer jährlichen Runde im Video „The State of US Chess 2026“. Ihr Befund hat zwei Hälften: Das Schach der USA war nie stärker, doch das System dahinter hält nicht mit.

Ein Feld ohne schwache Namen

Die Zahlen stützen die erste Hälfte. Die Einladungsliste von US Chess aus dem Juli führte zwölf Spieler mit Wertungen von 2831 (Caruana) bis 2683 (Grigoriy Oparin). Sieben lagen über 2700, neun bei 2692 oder darüber. Das passt zur Aussage der Runde, neun von zwölf Teilnehmern seien Super-Großmeister gewesen oder nahe dran.

Auch die Länderwertung der FIDE sieht die USA vorn, allerdings nur in der offenen Klasse. Im Durchschnitt der zehn besten Spieler führen sie in der November-Liste mit 2719 vor Indien mit 2706 und China mit 2663. Der Abstand schmilzt: Im September lag Indien noch 20 Punkte zurück, jetzt sind es 13. Bei den Frauen führt China vor Indien und der Ukraine, in der gemischten Wertung steht China vorn, die USA sind Dritte.

Talent ohne Unterbau

Die zweite Hälfte des Befunds lautet: Indien und Usbekistan lassen Firmen und Verbände Reisen, Startgelder und Preisgelder für ihre Spitzenspieler bezahlen, während die Nachwuchsförderung in den USA fast ganz an einzelnen Initiativen hängt, allen voran am Saint Louis Chess Club. Der richtet seit 2009 jede US-Meisterschaft aus. Nach Ansicht der Runde fehlt es außerdem an Supercoaches und Schachschulen nach indischem Vorbild, wo Viswanathan Anand eine ganze Generation geprägt habe. Viele begabte Amerikaner entschieden sich deshalb für das Studium statt für den Profiweg.

Die Kritik ist nicht neu. Hans Niemann, der 2026 selbst im Feld stand, hatte sie im März 2025 so gefasst:

Amerika hat keine Infrastruktur, alle talentiertesten Spieler gehen an Eliteuniversitäten und hören mit Schach auf.Hans Niemann, Großmeister · übersetzt nach X-Beitrag vom 10. März 2025

Der Fall Mishra

Als Beispiel taucht in der Debatte Abhimanyu Mishra auf. Der heute 16-Jährige wurde 2021 mit zwölf Jahren jüngster Großmeister der Geschichte und stand 2026 als Wildcard im Feld der US-Meisterschaft. Beim Grand Swiss 2025 in Samarkand wurde er Fünfter und blieb ungeschlagen, seine Turnierleistung lag bei 2828. Damals sagte er, er habe die Hälfte seiner Zeit in die Schule stecken müssen; ohne Unterstützung von Firmen sei Schach in Vollzeit kaum vorstellbar. Sein Vater berichtete, der Sohn habe keinen Trainer.

Im April 2026 schrieb Mishra, er habe nach dem Grand Swiss auf mehr Einladungen zu Spitzenturnieren gehofft:

Leider haben sich trotz Anfragen bei mehreren Veranstaltern keine Möglichkeiten ergeben.Abhimanyu Mishra, Großmeister · übersetzt nach X-Beitrag vom 15. April 2026

Er spielte stattdessen offene Turniere und gewann die Semana Santa Open und die Menorca Open mit je 7,5 aus 9.

Olympiade als Prüfstein

Bei der Olympiade in Samarkand reichte es knapp nicht für eine Medaille. In der offenen Klasse teilten sich die USA Platz vier bis sieben mit Aserbaidschan, Armenien und Ungarn. Die Frauen kamen mit denselben Mannschaftspunkten ins Ziel wie Bronzegewinner Indien und unterlagen erst in der Feinwertung. Alice Lee gewann dabei Einzelgold an Brett zwei.

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