Die drei Neuen der Bundesliga: Ivanchuk, ein Rathaus und viel Vertrauen
Am 9. Oktober beginnt die Schachbundesliga, und drei Mannschaften sind neu dabei. Remagen-Sinzig kommt mit Vassily Ivanchuk am ersten Brett zurück, Erkenschwick spielt zum ersten Mal überhaupt im Oberhaus, Bad Mergentheim versucht es nach dem direkten Wiederaufstieg ein zweites Mal. Die Liga hat alle drei vor dem Start porträtiert.
Das Mannschaftsfoto entstand in einem Biergarten in Oberschleißheim. Der SV Erkenschwick 1923 hatte im März den Aufstiegsstichkampf beim Münchener SC 1836 mit 5:3 gewonnen, und der Verein nennt das den größten Erfolg seiner mehr als hundertjährigen Geschichte. Ab dem 9. Oktober spielt Erkenschwick zum ersten Mal in der Schachbundesliga. Die beiden anderen Aufsteiger kennen das Oberhaus schon von innen.
Remagen-Sinzig holt sich Verstärkung mit Charakter
Der SC Remagen-Sinzig hat die 2. Bundesliga Nord mit drei Punkten Vorsprung gewonnen und stand schon Anfang Februar als Aufsteiger fest. Es wird die neunte Spielzeit des Vereins in der ersten Liga. Von 2006 bis 2012 war er dabei, von 2022 bis 2024 noch einmal, dann ging es wieder runter. Mannschaftsführer Peter Noras betreut die erste Mannschaft seit fast 30 Jahren. Sein erstes Brett ist Vassily Ivanchuk, einst die Nummer zwei der Weltrangliste, der schon Anfang der 2000er-Jahre für Noras spielte.
Dazu kommen Andrei Volokitin aus Wolfhagen, Benjamin Gledura aus Deizisau und Antonios Pavlidis aus Düsseldorf, außerdem die Teenager Jakub Seemann und Shreyas Royal, der gerade britischer Meister geworden ist. Nominell ist Remagen-Sinzig damit der stärkste der drei Aufsteiger. Dass die Truppe funktioniert, hat sie im Juni in Ettlingen gezeigt: Bei der Deutschen Blitzmeisterschaft der Vierermannschaften gab es 24 Siege und ein einziges Mannschaftsremis. Ivanchuk holte 23 Punkte und gab nur vier Remis ab.
Wenn alles gut läuft, können wir es schaffen, die Klasse zu halten.Peter Noras, Mannschaftsführer des SC Remagen-Sinzig
Erkenschwick bleibt bei seinen Leuten
In Erkenschwick ist Frank Strozewski Vorsitzender und Teamchef in einer Person. Er schickt fast denselben Kader ins Rennen, der aufgestiegen ist, mit den Letten Toms Kantans und Nikita Meshkovs an den ersten beiden Brettern. Neu ist Liam Vrolijk am dritten Brett, und der war vorher schon im Jugendbereich des Vereins aktiv. Mehr als 25.000 Euro hat der Verein im vergangenen Jahr in die Jugendarbeit gesteckt. Mit Mykola Korchynskyi spielt ein U16-Europameister mit, der als junger IM am Großmeistertitel arbeitet.
Dass die Mannschaft Große ärgern kann, hat sie im Pokal bewiesen. Im Viertelfinale schlug sie Deizisau, im Halbfinale Baden-Baden, beide Male mit 2½:1½. Erst im Finale war gegen Viernheim mit 1:3 Schluss. Genau dieser Gegner wartet jetzt zum Auftakt, und Strozewski rechnet dort „eher mit einer klaren Niederlage“. Nominell geht Erkenschwick als klarer Außenseiter in die Saison. Das Heimwochenende vom 12. bis 14. Februar soll im Rathaus von Oer-Erkenschwick stattfinden.
Wir wollen einen Verein aufbauen und nicht nur eine Mannschaft für eine bestimmte Saison.Frank Strozewski, Vorsitzender und Teamchef des SV Erkenschwick 1923
Bad Mergentheim will diesmal bleiben
Die Schachfreunde Bad Mergentheim sind nach ihrem Abstieg sofort wieder da. Leicht war es nicht. Nach vier Runden standen zwei Niederlagen zu Buche, gegen Baden-Baden II und Viernheim II. „Die Aufstiegssaison war sehr nervenaufreibend“, sagt Teamchef Johannes Raps. Entschieden wurde sie am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen den damaligen Tabellenführer aus München. Die Münchner mussten danach in die Relegation und verloren dort gegen Erkenschwick. So hängen zwei der drei Aufstiege an derselben Mannschaft.
Raps setzt auf den Stamm, der es geschafft hat. Die meisten Spieler sind zwischen 18 und 28 Jahre alt, am ersten Brett sitzt Maxim Rodshtein. Am achten Brett spielt Vyacheslav Ikonnikov, 60 Jahre alt und seit 14 Jahren im Verein. Ilyass Msellek kehrt nach einem Jahr Schachpause zurück. Einen großen Geldgeber gibt es nicht, dafür viele kleine Sponsoren. Zum Start geht es gegen den Düsseldorfer SK und die Schachfreunde Berlin, die Raps beide im Abstiegskampf erwartet, danach gegen Kirchweyhe. Sein Ziel formuliert er so: „Unser Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt.“
Der Abstiegskampf entscheidet sich vom 2. bis 4. April. Dann steigt die Endrunde beim SC Heimbach-Weis-Neuwied, und Remagen-Sinzig hat dorthin nur 26 Kilometer Anfahrt. Die Liga hält den Klassenerhalt für diesen Aufsteiger für ein realistisches Ziel.
