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Der Sieger, der nichts von seinem Hauptpreis wusste

242 Amateure, sieben Gruppen und ein Großmeister, der an 24 Brettern mit Schwarz spielt. Bei der Deutschen Schnellschach-Amateurmeisterschaft in Würzburg-Lengfeld gewann FM Simon Degenhard vom Heilbronner SV die stärkste Gruppe ohne Niederlage. Was er damit wirklich gewonnen hatte, erfuhr er erst bei der Siegerehrung.

28. September 20262 Minuten LesezeitAusgabe 1

Ein Pokal und 200 Euro Preisgeld. So weit lief die Siegerehrung in der Kürnachtalhalle für Simon Degenhard nach Plan. Dann erfuhr der 25-Jährige vom Heilbronner SV, was der Sieger der Gruppe A außerdem bekommt, nämlich einen Startplatz bei der Deutschen Schnellschachmeisterschaft 2027. Gewusst hatte er das vorher nicht. Die Freude kroch erst langsam in ihm hoch, und am Tag danach war er richtig euphorisch.

Das ist jetzt natürlich der Hauptpreis.Simon Degenhard, Sieger der Gruppe A

Titelverteidiger ist dort Alexander Donchenko, der gerade mit Bronze von der Olympiade aus Samarkand zurückgekommen ist. Ein Amateurturnier gewinnen und dafür gegen die stärksten deutschen Schnellschachspieler antreten dürfen, das kann man als Überraschung gelten lassen.

Drei Remis zum Start, dann vier Siege am Stück

Dabei hatte das Turnier für den FIDE-Meister verhalten begonnen. Auf drei Remis folgte eine Serie von vier Siegen, die über beide Turniertage reichte. Am Ende ging es gegen IM Uwe Kersten, der mit einem Sieg selbst Erster geworden wäre. Degenhard hielt remis und kam ungeschlagen auf 6,5 Punkte. Dahinter landeten Timo Helm, Kersten und Jann-Christian Tiarks mit je 6 Punkten. Er habe von Fehlern der Gegner profitiert, sagt Degenhard, sich aber auch sehr viele Chancen herausgearbeitet.

Einen zweiten Platz für die Deutsche Meisterschaft gab es für die beste Frau, und er blieb in der Gegend. Jana Bardorz vom TSV 1869 Rottendorf wurde in der Gruppe B mit 6 Punkten Vierte und hatte mit 2137 die beste DWZ-Leistung aller Frauen. Die 22-Jährige gehörte früher zum Nachwuchskader des DSB. Die Gruppe B selbst gewann FM Thomas Schunk von der SG Leipzig mit 8 Punkten und anderthalb Punkten Vorsprung. Genauso deutlich setzte sich Ihar Asmykovich in der Gruppe D durch. In der Gruppe C lagen dagegen drei Spieler mit 6,5 Punkten gleichauf, und die Feinwertung entschied für Günter Kamm.

Ein Großmeister, 24 Bretter, immer Schwarz

Ausgerichtet hat das Turnier der TSV Lengfeld 1876, der in diesem Jahr 150 Jahre alt wird. Die Schachabteilung zählt 45 Mitglieder in einem Verein mit 2000, und laut Turnierchefin Sandra Schmidt halfen die anderen Abteilungen kräftig mit. Die Tische standen sternförmig in der Halle, 35 DGT-Bretter waren im Einsatz. Für das Begleitprogramm sorgte GM Christopher Noe. Er gab ein Simultan an 24 Brettern, nahm an allen die schwarzen Steine und holte 23,5 Punkte. Nebenbei kommentierte er zwei Tage lang das Turnier.

Die Olympiade spielte in Lengfeld mit. Die Zwischenstände aus Samarkand wurden durchgesagt, und vor der letzten Runde konnte der Medaillengewinn der deutschen Mannschaft verkündet werden. Dafür gab es Applaus in der Halle. Eine eigene Ehrung durch Jürgen Müller vom Unterfränkischen Schachverband bekam David-Andrei Valean, der bei der Olympiade der Menschen mit Behinderung in Usbekistan Einzel-Silber gewonnen hatte und in Würzburg Fünfter der Gruppe B wurde. Sandra Schmidt erzählt noch von einem Teilnehmer, der vor dem Simultan bei der Dialyse war, seine Partie gegen Noe durchkämpfte und aus Kräftegründen erst ab der sechsten Runde ins Turnier einstieg. Für die kommende Staffel der Amateurmeisterschaft haben sich schon über 1.000 Spieler angemeldet.

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