Springer nach d5, König auf Wanderschaft: Ali Eliers Glanzpartie
Er lebt in Dortmund, spielt für Dortmund-Brackel und saß bei der Olympiade am zweiten Brett von Libyen. In Runde 9 hat Ali Elier eine Partie gewonnen, die ChessBase in seine Reihe der Olympiaperlen aufgenommen hat: ein Springeropfer auf d5 im achten Zug, ein schwarzer König, der nie zur Ruhe kommt, und am Ende eine gefesselte Dame.
Achter Zug, Libyen gegen Sri Lanka. Schwarz hat gerade seinen Bauern nach b4 geschoben und greift den Springer auf c3 an. Der Springer müsste jetzt eigentlich weg. Ali Elier zieht ihn auch weg, nur eben nach d5, wo ihn der Bauer e6 einfach schlagen kann. Nach 8.Sd5 exd5 9.exd5 hat Weiß für die Leichtfigur einen einzigen Bauern. Dafür steht der weiße Turm auf e1 dem schwarzen König auf e8 gegenüber, und dazwischen steht nur noch der eigene Springer auf e2. Das ist ein typisch sizilianisches Opfer.
Der König läuft los, der Angriff läuft mit
Entstanden war die Stellung aus einem Sizilianer mit 2.Sc3 und 3.Sge2, also aus einer Nebenvariante mit verhaltener Eröffnung. Verhalten blieb danach nichts mehr. Auf 9...d6 zog der Springer mit 10.Sd4 aus der e-Linie und gab dabei Abzugsschach durch den Turm. Der schwarze König musste nach d7 und wanderte zwei Züge später weiter nach c7. Weiß öffnete mit c4, d4 und a3 genau dort die Linien, wo der König nun wohnte. Schwarz hat in dieser Phase eine Figur mehr, aber Weiß hat das deutlich leichtere Spiel, denn die schwarzen Figuren finden kein Zusammenspiel.
Im 22. Zug sprang der verbliebene Springer nach c6, und danach ging es schnell. Mit 23.Txe7 gab Weiß auch noch die Qualität. Nach 23...Txe7 24.Da5+ Kc8 folgte 25.Lh3, und der Läufer fesselt die Dame auf d7 an den König. Schwarz stellte mit 25...Te6 den Turm dazwischen, doch nach 26.dxe6 fxe6 27.Lxe6 ist die Dame immer noch gefesselt. Schlägt sie den Läufer, setzt 28.Dd8 matt. Weiß steht auf Gewinn, und Schwarz gab auf.
Ein Dortmunder ist Libyens Nummer eins
Elier ist Jahrgang 2001 und besitzt als Deutsch-Libyer beide Staatsbürgerschaften. Sein FIDE-Profil führt ihn seit August 2019 für Libyen, davor war er für Deutschland gemeldet. Seit 2024 trägt er den Titel Candidate Master, und unter den aktiven Spielern seines Verbands ist er die Nummer eins. Der Gegner in Runde 9, S. Sivathanujan, ist ebenfalls Candidate Master und ging mit 2180 Elo ans Brett, Elier mit 2210.
Der September hat sich für ihn gelohnt. In der Oktoberliste steht Elier mit 2271 Punkten, das sind 61 mehr als einen Monat zuvor. Nach der Runde hat er die Partie am ChessBase-Stand in Samarkand Bahne Fuhrmann gezeigt, und davon gibt es ein Video.
