49 Mädchen, eine Nationalspielerin und ein Birnen-Sponsor
Das Online-Training des Schachbunds für Mädchen unter zwölf Jahren ist in seine elfte Runde gegangen, mit Nationalspielerin Josefine Safarli und 49 Teilnehmerinnen. Aus dem Breitenangebot soll ein Leistungskader wachsen, der bei Welt- und Europameisterschaften Medaillen holt. Bezahlen hilft dabei künftig eine Obstmarke.
Dienstagabend, halb sieben, 49 Mädchen sitzen vor ihren Bildschirmen und wollen wissen, wie man eine Schachpartie richtig anfängt. Einige von ihnen sind erst sechs oder sieben Jahre alt. Die Jüngsten, erzählt Projektleiterin Nadja Jussupow hinterher mit einem Schmunzeln, hätten nicht einmal ihre Tastatur richtig benutzen können. Auf der anderen Seite der Leitung saß Josefine Safarli, jene Nationalspielerin, die bei der Olympiade in Samarkand nicht dabei war. So eine Runde zu bändigen, hat etwas vom Hüten eines Sacks Flöhe. Safarli selbst sieht es gelassen.
Ich glaube, ich habe das ganz gut ausbalanciert.Josefine Safarli, Nationalspielerin und Trainerin des Abends
Fast 700 Mädchen in elf Runden
Der Super Tuesday ist das Förderprojekt der Frauenschachkommission des DSB für Mädchen der Altersklasse U12, unterstützt von der Jussupow-Schachschule. Trainiert wird online, die Teilnahme ist kostenlos, und auch etwas ältere Mädchen sind willkommen. Nach drei Monaten Sommerpause ging es am 29. September weiter, von 18.30 bis 20.15 Uhr. Es war die elfte Auflage. Vor dem Abend waren es über alle Runden rund 640 Teilnehmerinnen gewesen, danach waren es fast 700.
Das Thema hieß „Allgemeine Eröffnungsregeln“. Safarli sprach mit den Mädchen über ein starkes Zentrum, schnelle Entwicklung und Königssicherheit und ließ sie erst selbst überlegen, bevor sie erklärte. Vor ihr standen schon Lena Georgescu, Kateryna Dolzhikova, Lara Schulze, Jana Schneider, Dinara Wagner, Carmen Voicu-Jagodzinsky, Tatjana Melamed und Elisabeth Pähtz vor der virtuellen Klasse. Für die nächsten Termine sind IM Ketino Kachiani-Gersinska mit Zentrum und Entwicklung und WGM Jana Schneider mit den Offenen Eröffnungen angekündigt.
Genau das ist ja unser Ziel: Ein so lockeres, aber doch interessantes Training anbieten, dass wir Berührungsängste abbauen und möglichst viele Talente kennenlernen, die bisher unter unserem Radar geflogen sind.Nadja Jussupow, Frauenschachreferentin des DSB
Hausaufgaben und ein Schachtagebuch
Der Dienstag ist die Basis, darüber steht das Leistungsprogramm „Girls Next Generation“. Bis zu 20 Mädchen will der DSB dort mit regelmäßigem Training, betreuten Turnieren und internationalen Einsätzen fördern. Jussupow und Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler wollen damit einen Mädchenkader aufbauen, der bei Welt- und Europameisterschaften von der U8 bis zur U12 Einzelmedaillen holen kann. Drei Talente hat Jussupow schon ausgewählt und trainiert sie seit August jede Woche. Dazu gibt es Hausaufgaben und, ganz altmodisch, ein Tagebuch mit der Frage, was jede täglich für ihr Schach tut. 24 Mädchen haben sich bisher beworben.
Geschenkt wird nichts. Gesichtet wird bei Turnieren, das nächste Mal beim Herbstopen der Schachfreunde Deizisau vom 23. bis 26. Oktober. Jussupow will sehen, dass die Mädchen bereit sind, überregional zu spielen und viel zu trainieren. In der Vergangenheit habe es vor wichtigen Europa- und Weltmeisterschaften zu oft Absagen gegeben, mit der Begründung, das sei zu stressig oder zu teuer.
Eine Birne übernimmt die Patenschaft
Beim Geld gibt es seit dem 30. September Hilfe. Die Obstmarke Xenia, die für eine junge Birnensorte aus deutschem Anbau steht, wird für drei Jahre offizieller Partner des Schachbunds und übernimmt die Patenschaft für „Girls Next Generation“. Dazu kommt eine „Xenia Lounge“ bei bis zu vier Veranstaltungen von DSB und Deutscher Schachjugend im Jahr. Die Kategorie Obst ist im deutschen Schach damit zum ersten Mal besetzt. Der Werbespruch der Marke lautet „Birn mal dein Hirn“. Geschäftsführer Andreas Berg versichert, das sei mit einem Augenzwinkern gemeint.
Und noch ein Termin für die Vereine. Der DSB sucht zum zweiten Mal den Frauenverein des Jahres, daran hat er am 5. Oktober erinnert. Gesucht wird der Nachfolger der Karlsruher Schachfreunde 1853. Es geht um 1.000 Euro Preisgeld, davon 500 für den ersten Platz. Bewerbungsschluss ist der 30. Oktober, am 24. November will die Frauenschachkommission entscheiden. Bislang gibt es viele Absichtsbekundungen, aber wenig schriftliche Bewerbungen.
