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Chess960 bekommt eine Elo: Was die FIDE beschlossen hat

Neben der Präsidentenwahl hat die Generalversammlung der FIDE in Samarkand eine Reihe von Beschlüssen gefasst. Chess960 bekommt bis Juni 2027 eine offizielle Wertung, und der Antrag kam unter anderem aus Deutschland. Die Olympiade 2030 soll nach Katar gehen, Georgien steht als Ersatz bereit. Dazu gibt es eine neue Führungsriege und wieder einen französischen Namen.

1. Oktober 20263 Minuten LesezeitAusgabe 1

Den Antrag hatten fünf Verbände gemeinsam gestellt, die man nicht jeden Tag nebeneinander sieht: Deutschland, Island, Norwegen, Irland und die Färöer. Sie wollten eine offizielle Wertungszahl für Chess960, das auch Fischer-Random heißt. Die Generalversammlung der FIDE hat am 26. und 27. September in Samarkand zugestimmt. Eine Bedingung hängt daran: Das System muss bis spätestens 1. Juni 2027 ausgearbeitet und eingeführt sein.

Die Begründung ist schnell erzählt. Chess960 wächst international, und ohne offizielle Wertung blieb es laut den Antragstellern vom übrigen Turnierbetrieb abgekoppelt. Wie die Zahl berechnet wird und wer mit welcher Zahl startet, hat die FIDE noch nicht mitgeteilt. Bis zum Stichtag ist also noch etwas Hausarbeit zu erledigen.

Anand bleibt, vier Vizepräsidenten kommen dazu

Die größte Nachricht der Versammlung war die Wahl. Timur Turlov aus Kasachstan gewann die Stichwahl mit 110 zu 85 Stimmen und ist der achte Präsident der FIDE. Sein Stellvertreter ist Viswanathan Anand, der dieses Amt schon seit 2022 hat. Die Versammlung wählte außerdem vier Vizepräsidenten: Xu Yuhua aus China, Michael Khodarkovsky aus den USA, Pavel Kolobkov aus Russland und Yassin Souleiman Hassan aus Dschibuti.

Fünf weitere Mitglieder des Rats hat der neue Präsident selbst vorgeschlagen, und die Versammlung hat sie bestätigt. Schatzmeister ist der Italiener Luigi Maggi. Bouchra Kadiri aus Marokko wird Sekretärin des Rats und Vizepräsidentin. Als Vizepräsidenten kommen Mahir Mammedov aus Aserbaidschan, Carol S. Williams Pesqueira aus Aruba und Mykhailo Podolyak aus der Ukraine dazu. Im Rat sitzen außerdem die Präsidenten der vier Kontinentalverbände, für Europa ist das Zurab Azmaiparashvili.

Neu ist das Amt des Ehren-Vizepräsidenten. Bis zu fünf darf der Präsident ernennen. Sie arbeiten im Rat mit, dürfen aber nicht abstimmen. Vorgeschlagen sind vier Namen, die der Rat noch bestätigen muss. Einer davon ist der Usbeke Rustam Kasimdzhanov. Die anderen sind Javier Ochoa aus Spanien, Fouad Fahmi Darwish aus den Emiraten und der Österreicher Michael Stoettinger.

Zurück zum französischen Namen

Dann wäre da noch der Name. Das Kürzel FIDE kommt vom französischen Namen Fédération Internationale des Échecs, auch wenn der Verband sich längst englisch nennt. Diesen historischen Namen holt ein neuer Artikel 5.7 der Satzung zurück. Wo der volle Name zusammen mit Kürzel, Siegel, Flagge oder Emblem erscheint, stehen künftig beide nebeneinander: International Chess Federation / Fédération Internationale des Échecs. Mehr steckt nicht dahinter. Englisch bleibt Amts- und Arbeitssprache, und niemand muss Dokumente ins Französische übersetzen. Das hat die FIDE vorsichtshalber gleich dazugeschrieben.

Olympiade 2030: erst Katar, sonst Georgien

Für die Schacholympiade 2030 haben sich Katar und Georgien bereit erklärt. Vergeben ist sie damit noch nicht. Die Versammlung hat das Management beauftragt, zuerst mit Katar zu verhandeln. Liegen die offiziellen organisatorischen und finanziellen Garantien vor, wird der Vertrag unterschrieben. Kommen sie nicht in angemessener Zeit, geht das Recht auf den Vertrag an Georgien über, unter denselben Bedingungen. Zum Paket gehören die Olympiade für Menschen mit Behinderung und der FIDE-Kongress 2030.

Ums Geld geht es später. Ende 2026 trifft sich eine außerordentliche Generalversammlung online. Bis dahin soll der Rat den Haushalt für 2027 und einen vorläufigen für 2028 vorlegen. Auf der Tagesordnung in Samarkand standen auch Berichte und Mitgliedsfragen. Was dazu beschlossen wurde, hat die FIDE bisher nicht mitgeteilt. Die vollständige Liste der Beschlüsse soll noch folgen.

Am Rand des Kongresses hat sich auch die Vereinigung der kleinen Schachnationen neu aufgestellt. Ihre Mitglieder beschlossen in Samarkand, die Arbeit wieder aufzunehmen, gaben sich neue Statuten und wählten einen Vorstand für zwei Jahre. Der Vereinigung gehören jetzt 35 Verbände aus vier Kontinenten an. Für 2027 plant sie ihre erste Einzelmeisterschaft.

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