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Cmiel fordert Mut vom DSB-Präsidenten: Was bei den Frauen ansteht

Die deutschen Frauen reisten als Nummer 10 der Setzliste nach Samarkand und kamen als 29. zurück. FIDE-Meister Thorsten Cmiel nimmt das zum Anlass für eine Abrechnung mit den Strukturen im Schachbund. Seine Meinung in Kurzform: Mehr Geld allein hilft nicht, und mit dem jetzigen Kader wird es nicht wesentlich besser.

30. September 20263 Minuten LesezeitAusgabe 1

Runde 9 in Samarkand, Deutschland gegen Indonesien. Dinara Wagner gewinnt am ersten Brett ihre erste Partie des Turniers, und es reicht trotzdem nicht. Elisabeth Pähtz verliert gegen Laysa Latifah, Jana Schneider verliert ebenfalls, der Kampf geht 1,5:2,5 weg. Eine Runde später gibt es dasselbe Ergebnis gegen Lettland. Genau diese beiden Niederlagen nennt Thorsten Cmiel in seinem Debattenbeitrag „eher negativ überraschend“. Die Niederlagen gegen Kasachstan und Indien, am Ende Zweiter und Dritter, hält er dagegen für einzupreisen.

Sieben Siege, vier Niederlagen, rund 59 Elo-Punkte weg

Die Bilanz aus den Partien: Die Mannschaft gewann sieben ihrer elf Wettkämpfe und verlor vier, ein Unentschieden gab es nicht. Mit 14 Mannschaftspunkten landete sie auf Platz 29. Die meisten Punkte holte Lara Schulze mit 6 aus 10, Jana Schneider kam auf 5,5 aus 9. Elisabeth Pähtz startete mit drei Siegen, verlor dann in Runde 9 und spielte die letzten beiden Runden nicht mehr, bei ihr stehen 5 aus 8. Dinara Wagner remisierte am Spitzenbrett sieben ihrer neun Partien und kam auf 4,5 Punkte, Hanna Marie Klek auf 4,5 aus 8.

Cmiel rechnet die Elo-Verluste der Spielerinnen zusammen und kommt auf ein Minus von etwa 59 Punkten. Vor allem an den Brettern vier und fünf sei man weit hinter den Erwartungen geblieben. Gemessen am eigenen Anspruch nennt er das Ergebnis unzureichend.

Wer hier schreibt und was er behauptet

Thorsten Cmiel ist FIDE-Meister, lebt in Köln und Mailand und arbeitet als freier Finanzjournalist. Der Text erschien zuerst auf seinem Blog Chess Ecosystems, ChessBase hat ihn als Debattenbeitrag nachgedruckt. Alles Folgende ist also seine Meinung und keine Nachricht.

Seine erste These lautet, dass die Spitzenteams aus Profis bestehen und die deutschen Spielerinnen weitgehend Amateure sind. Eine Medaille auf Weltniveau hält er mit diesem Kader deshalb für eher nicht erreichbar, in Europa sei ein gutes Abschneiden schon eher drin. Die zweite These: Mehr Geld allein reicht nicht. Den früheren Leistungssportreferenten Gerald Hertneck, der das Abschneiden einen Tiefpunkt nennt und sein eigenes Powergirls-Konzept für gescheitert erklärt, kritisiert Cmiel gleich mit. Wer ständig mit Elo-Zahlen argumentiere, stehe für die Kurzsichtigkeit im deutschen Leistungsschach.

Acht Zuständige und ein Brei

Paul Meyer-Dunker will laut Cmiel neue Mittel für den Spitzensport der Frauen einsetzen und setzt auf harte Kriterien. Wer nicht genug spielt, wird demnach im Zweifel ausgekadert. Cmiel geht das nicht weit genug. Er fordert eine größere und frühere Auswahl bei den Mädchen, danach eine gezielte Förderung der Besten nach dem Vorbild der 2008 eingerichteten Prinzengruppe. Kaderspielerinnen sollen auf den Titel des Internationalen Meisters hinarbeiten und nicht nur Frauenturniere spielen. Ergebnisse erwartet er frühestens in sechs bis acht Jahren.

Die schärfste Forderung betrifft die Nominierung. Cmiel zählt auf, wer beim Schachbund mit dem Spitzenschach der Frauen befasst ist: Bundestrainer, Leistungssportreferent, eine Kommission, Sportdirektor, Vizepräsident Sport, Frauenreferentin, Aktivensprecherin und neuerdings der Präsident. Sein Urteil dazu ist das Sprichwort von den vielen Köchen und dem Brei. Die Nominierung müsse Chefsache werden.

Der jetzige Kader hat keinerlei Perspektive bei den anstehenden nächsten internationalen Aufgaben wesentlich erfolgreicher zu sein.Thorsten Cmiel, FIDE-Meister, in seinem Debattenbeitrag

Sein Vorschlag für die Olympiade 2028 in Abu Dhabi: neben ein oder zwei erfahrenen Spielerinnen verstärkt die nächste Generation aufstellen. Dafür müssten die Ratings als wichtigstes Auswahlkriterium bei den Frauen ausgesetzt werden. Als Beispiel nennt er England, wo die elfjährige Bodhana Sivanandan am ersten Brett schon ihre zweite Olympiade spielte. Dass ein Präsident sich damit angreifbar macht, schreibt Cmiel selbst. Meyer-Dunker und Kevin Högy müssten einen solchen Weg in der Öffentlichkeit vorbereiten.

Die jetzigen Nationalspielerinnen will er dabei nicht verlieren. Wagner, Pähtz, Klek, Schneider, Schulze und Josefine Safarli sollten nach seiner Vorstellung als Mentorinnen oder Trainerinnen eingebunden werden. Am Ende klingt Cmiel versöhnlicher als am Anfang. Der Schachbund scheine einen Teil davon schon anzugehen, schreibt er, und er sei ganz guter Dinge, in einigen Jahren eine erfolgreichere Frauenmannschaft zu sehen.

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