Kasparov bestätigt Warnungen vor einem Mordkomplott
Die US-Justiz hat fünf Personen angeklagt, die für russische Geheimdienste Anschläge auf Exilrussen vorbereitet haben sollen. Namen von Opfern nennt die Anklage nicht. Die spanische Zeitung El Mundo schreibt, Garry Kasparov sei eines der Ziele gewesen. Der 13. Weltmeister bestätigt, dass Behörden ihn gewarnt haben.
Am Abend des 30. September sitzt Garry Kasparov in Straßburg und schreibt für den Newsletter seiner Organisation. Es geht um ihn selbst. Sicherheitsbehörden in den USA und in Litauen haben ihn gewarnt, dass sein Leben in Gefahr sei und er Vorkehrungen treffen solle. Eine Überraschung sei das nicht, schreibt er, aber trotzdem ein Schock.
Was in der Anklage steht und was nicht
Der Anlass liegt zwei Wochen zurück. Am 15. September machte das US-Justizministerium eine Anklage gegen fünf Personen öffentlich. Sie sollen für russische Geheimdienste Leute angeworben haben, die Exilrussen ausspähen und töten sollten. Laut Anklage fotografierte und filmte ein Angeworbener Orte, die mit einem Dissidenten in den USA verbunden sind. Zwei der Angeklagten sollen ihm danach 40.000 Dollar für den Mord geboten haben. Der Mann lehnte ab.
Namen von Opfern nennt die Anklage nicht. Sie spricht nur von „Victim-1“. Die Namen lieferte am 30. September die spanische Zeitung El Mundo, die als erste darüber berichtete. Demnach war der frühere russische Abgeordnete Ilya Ponomarev das Ziel in den USA, und auch Kasparov habe auf der Liste gestanden. Im Fall Kasparov beruft sich das Blatt auf eine Quelle aus dessen Umfeld. Die US-Staatsanwaltschaft hat weder Kasparov noch seinen Mitstreiter Ivan Tyutrin öffentlich als Ziel genannt.
Kasparov selbst bleibt genau. Niemand habe ihm oder Tyutrin ausdrücklich gesagt, dass sie die ungenannten Opfer der Anklage seien. Er hält es aber für „sehr wahrscheinlich“. Die spanische Zeitung geht weiter und schreibt, er stehe seit dem Sommer unter Personenschutz. Das hat er so nicht bestätigt. Er schreibt nur, er habe Vorkehrungen getroffen und werde das weiter tun.
Aber ich werde nicht aufhören, und ich werde mich nicht verstecken.Garry Kasparov, 13. Weltmeister · übersetzt nach Chess.com
Vom Weltmeister zum Gegner des Kreml
Schachspieler kennen Kasparov als 13. Weltmeister. Er trug den Titel von 1985 bis 2000 und zog sich 2005 vom Turnierschach zurück. Ganz weg war er nie. Über den Saint Louis Chess Club ist er dem Spiel verbunden geblieben. Dort hat der 63-Jährige erst kürzlich ein Chess960-Match gegen Veselin Topalov gespielt, das er mit 8:16 verlor.
Seit seinem Rücktritt ist er einer der bekanntesten Kritiker von Präsident Putin. 2013 verließ er Russland und lebt seitdem in New York. 2016 gründete er mit Tyutrin in Vilnius das Free Russia Forum. Russland führt ihn seit 2022 als „ausländischen Agenten“ und seit 2024 auf der Liste der „Terroristen und Extremisten“. Im Mai 2026 meldete die Staatsagentur Tass, er sei international zur Fahndung ausgeschrieben.
Wie es weitergeht, ist offen. Die fünf Angeklagten sind auf freiem Fuß, und nach der Anklage halten sie sich alle in Russland auf. Der Schachjournalist Conrad Schormann rechnet deshalb nicht damit, dass einer von ihnen je vor einem US-Gericht steht. Bewiesen ist bisher nichts, die Vorwürfe müssten erst vor Gericht bestehen.
