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François Le Lionnais: Der Mann mit den 3000 Schachbüchern

Am 3. Oktober 1901 kam in Paris François Le Lionnais zur Welt. Er war Chemieingenieur, schrieb über Mathematik, gründete mit Raymond Queneau die Literaturgruppe Oulipo und überlebte das Konzentrationslager Dora. Durch all das zieht sich das Schach, über das er sieben Bücher hinterlassen hat.

3. Oktober 20262 Minuten LesezeitAusgabe 1

Paris, Anfang der Dreißigerjahre. Zwei Männer sitzen sich regelmäßig am Schachbrett gegenüber. Der eine ist Marcel Duchamp, der Künstler, der andere ein Chemieingenieur namens François Le Lionnais. Zwischen 1930 und 1932 spielten die beiden regelmäßig gegeneinander. Duchamp und den Schriftsteller Raymond Roussel soll Le Lionnais überhaupt erst über das Schach kennengelernt haben. Es gibt schlechtere Gründe, in einen Schachklub zu gehen.

Eine Schachzeitschrift als Nebenberuf

Zum Schach kam Le Lionnais als Student. In Straßburg machte er sein Diplom als Chemieingenieur und ging nebenher in einen Schachklub. Danach leitete er 1928 und 1929 die Forges d'Acquigny, ein angeschlagenes Unternehmen im Département Eure. 1932 kaufte er die Zeitschrift Les Cahiers de l'Échiquier Français und führte sie, bis sie 1939 eingestellt wurde. In ihrem Verlag erschienen seine ersten Bücher: 1935 eine Monografie über die Französische Verteidigung, 1936 „Le Jardin des échecs“, der Garten des Schachs.

Sein bekanntestes Schachbuch kam 1939 heraus und heißt „Les Prix de beauté aux échecs“, die Schönheitspreise im Schach. Es wurde 1951 und noch einmal 2002 neu aufgelegt, da war der Autor schon 18 Jahre tot. Es folgten 1957 ein Band über das Schachspiel in der Reihe „Que sais-je?“, 1967 ein Schachlexikon, das er mit einem Mitautor verfasste, und 1981 „Tempêtes sur l'échiquier“. 1997, lange nach seinem Tod, erschien noch ein Band über Duchamp als Schachspieler. Er galt als großer Kenner des Spiels. Von den fast 30.000 Bänden seiner Bibliothek galt ein Zehntel allein dem Schach.

Sabotage an der V2

Dazwischen liegt der Krieg. Le Lionnais schloss sich in Lyon der Résistance an, wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und gefoltert und kam über Buchenwald in das Lager Dora im Harz. Dort war er von November 1944 bis April 1945 gefangen. Er soll dort an den Steuerkreisen der V2-Raketen gearbeitet und sich an deren Sabotage beteiligt haben. Er erhielt dafür später das Croix de guerre und die Médaille de la Résistance.

Nach 1945 wurde aus dem Ingenieur einer der bekanntesten Wissenschaftserklärer Frankreichs. Er leitete bei der UNESCO die Abteilung für die Verbreitung der Wissenschaften und moderierte von 1958 bis 1983 die Radiosendung „La Science en marche“, 917 Folgen lang. 1960 gründete er mit Raymond Queneau Oulipo, die Werkstatt für potenzielle Literatur, in der später auch Georges Perec und Italo Calvino schrieben. Präsident blieb er bis zu seinem Tod am 13. März 1984 in Boulogne-Billancourt. Unter seinen eigenen Gedichten ist eines, das aus einem einzigen Buchstaben besteht. Verglichen damit ist selbst eine Kurzpartie ein Roman.

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