Polgar gegen fünf Gemeinschaften: 3,5:1,5 in Budapest
Judit Polgar hat am 26. September zum zwölften Mal zu ihrem Global Chess Festival in die Ungarische Nationalgalerie geladen. Im Simultan gegen fünf Gemeinschaften, die sich aus dem Netz helfen lassen durften, gewann sie dreimal, spielte einmal remis und verlor einmal. Im Vorjahr hatte es noch ein 6:0 gegeben.
Den ersten Zug macht ein Mann, der sonst eher für Drehungen bekannt ist. Ernő Rubik, der Erfinder des Zauberwürfels, eröffnet am 26. September in der Ungarischen Nationalgalerie das Simultan von Judit Polgar. Fünf Bretter stehen vor ihr. An jedem sitzt ein Gegner, hinter dem eine ganze Gemeinschaft steht.
Das ist die Idee des Community-Simultans. Am Brett sitzt jeweils ein Vertreter, und die Anhänger schauen über Twitch oder eine ähnliche Plattform zu und schicken Zugvorschläge und Analysen. Polgar bekam dafür 110 Minuten Bedenkzeit, die Teams hatten 50, dazu gab es für beide Seiten zehn Sekunden je Zug. Moderiert hat die Übertragung Anna Rudolf.
Diesmal wehrt sich die Kundschaft
2025 hatte Polgar bei ihrem Festival noch 6:0 gewonnen. Diesmal war deutlich mehr Gegenwehr da, und am Ende stand ein 3,5:1,5. Die eine Niederlage kam gegen die Gemeinschaft des Streamers Pietro Checkmate, der schon begeistert war, überhaupt gegen Polgar spielen zu dürfen. Den entscheidenden Tipp gab ihm ein Kollege, der Streamer Tushar Anand. Schwarz opferte einen zweiten Bauern und hielt dafür Polgars König in der Mitte fest.
Das Remis holte „Chess Is For Everyone“, eine Initiative von Chess.com und das einzige Brett, das aus der Ferne spielte. Die Mannschaft um Gastgeberin Alba de Lomas stand die ganze Partie über besser, auch noch, als das Remis vereinbart wurde. Die anderen drei Partien gingen an Polgar. Unter ihren Gegnerinnen waren Alexandra Prado und Hannah Sayce, die eigens aus Australien angereist war und vorher angekündigt hatte, sie rechne mit einer richtig deutlichen Niederlage. Einen der Siege holte Polgar gegen die „Hungarian Stars“ um den Hirnforscher Szilveszter E. Vizi. Sie spielten als einzige ohne Hilfe aus dem Netz und standen zu Beginn des Endspiels sogar besser, bevor Polgar mit einem Bauernopfer ihren Turm ins Spiel brachte.
Einer zieht, der andere dreht den Würfel
Das Simultan war nur ein Teil des Tages. Das Festival gibt es seit 2015, und diesmal hatte es das Motto „Kritisches Denken“. Am Morgen spielte Polgar eine Blindpartie gegen den ungarischen Großmeister Gergely Antal, die remis endete. Ihre Schwester Sofia war Ehrengast und spielte mit Judit und Krisztian Szabo ein Staffelsimultan, bei dem sich die Meister an den Brettern abwechseln.
Zum ersten Mal für alle offen war das RubikChess-Turnier. Zweierteams treten an, einer spielt Schach, der andere löst währenddessen einen Zauberwürfel, und die Uhr läuft für beide. Gedacht ist das für Amateure bis 1800 Elo und für Würfelfreunde.
Dazu kamen Programmieren mit Robotern, der Dokumentarfilm „Queen of Chess“ und eine Vorführung, bei der Schachspieler gegen KI-Modelle antraten, die ihren eigenen Stil nachahmen sollen. Unter den Gästen war Zoltan Tanacs, der neue ungarische Minister für Wissenschaft und Technologie. Sponsor des Festivals ist die Bank Morgan Stanley.
