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Schul-WM: Minsker Gymnasium gewinnt Europa ohne Punktverlust

27 Schulmannschaften spielten in Tsaghkadzor um einen einzigen Platz im Finale der Schul-Mannschaftsweltmeisterschaft. Geholt hat ihn das Gymnasium Nr. 50 aus Minsk mit acht Siegen aus acht Kämpfen, vor dem favorisierten Staatlichen Gymnasium Nr. 1 aus Riga und einer Schule aus Kutaisi. Begleitet wurde das Turnier von einer Konferenz zur Schachpädagogik.

2. Oktober 20262 Minuten LesezeitAusgabe 1

Die Eröffnung begann mit Post aus Peru. Die Schüler von Saco Oliveros de Lince, Sieger der Amerika-Ausscheidung, hatten Postkarten nach Armenien geschickt, auf jeder ein Satz über Schach. Die Offiziellen lasen sie auf der Bühne vor. Einer der Sätze lautete, manchmal wolle man am liebsten das Brett umwerfen, aber echte Liebe zum Spiel ende nicht mit einer Niederlage. Wer schon einmal eine Jugendmannschaft betreut hat, kennt beide Hälften dieses Satzes.

Gespielt wurde vom 29. September an vier Tage lang in Tsaghkadzor, acht Runden Schweizer System mit 45 Minuten plus zehn Sekunden je Zug. Eine Mannschaft besteht aus vier Spielern und einem Ersatz, Jungen und Mädchen gemischt. Zugelassen sind die Jahrgänge 2012 bis 2018, und jede Mannschaft vertritt genau eine Schule. Am Start waren 27 Schulen aus 25 Ländern. An Nummer eins gesetzt war das Staatliche Gymnasium Nr. 1 aus Riga mit einem Elo-Schnitt von 1989.

Zweimal 4:0 zum Auftakt

Gewonnen hat die Nummer zwei der Setzliste. Das Gymnasium Nr. 50 aus Minsk startete mit zwei 4:0-Siegen und gab die Führung nicht mehr her. Am Ende standen acht Siege und 16 Mannschaftspunkte. Getragen wurde die Mannschaft von Damir Bulgak am ersten und Katrina Yakovleva am vierten Brett. Beide hatten nach sechs Runden jede ihrer Partien gewonnen, Bulgak wurde bei der Siegerehrung am ersten Brett ausgezeichnet. In der siebten Runde entschied er seine Partie gegen Matej Viglas mit einem Springeropfer.

Riga wurde mit 14 Punkten Zweiter. Die Letten verloren nur gegen den Sieger und gewannen alle anderen Kämpfe. Platz drei ging mit elf Punkten an die Andria-Razmadze-Schule aus Kutaisi in Georgien, die in der letzten Runde die Schule Nr. 77 aus Jerewan schlug. Dahinter liegen vier Mannschaften mit zehn Punkten.

Der Modus ist streng. Jede der vier Kontinentalrunden schickt nur ihren Sieger ins Finale, das im Dezember als Turnier mit vier Mannschaften gespielt wird. Für Riga bleibt also Silber und sonst nichts. Eine deutsche Schule ist in der Endtabelle mit ihren 27 Namen nicht zu finden. Aus dem deutschsprachigen Raum war nur das Private Gymnasium Sacre Coeur aus Wien dabei, das mit drei Punkten Letzter wurde.

Eine Million Dollar für Schulschach

Für Timur Turlov war es die erste Turniereröffnung als FIDE-Präsident. Er leitet zugleich den Internationalen Schulschachverband, der die Serie zusammen mit der FIDE ausrichtet. In Tsaghkadzor kündigte er an, dass die FIDE künftig eine Million Dollar im Jahr für Schach in der Bildung bereitstellen will. Das Geld soll Verbänden helfen, Lehrer auszubilden und Schulen auszustatten. Dabei verwies er auf den Gastgeber: Armenien hat Schach 2011 als erstes Land zum Pflichtfach an Grundschulen gemacht.

Spielt mutig, respektiert eure Gegner und unterstützt eure Mannschaftskameraden.Timur Turlov, FIDE-Präsident, laut ChessBase

Am 1. und 2. Oktober lief parallel die Konferenz „Theorie und Praxis der Schacherziehung“. Greifbares Ergebnis ist eine Absichtserklärung zwischen dem Schulschachverband und der Armenischen Staatlichen Pädagogischen Universität. Für die Kinder gab es daneben ein Programm, das mit Schach nur am Rand zu tun hatte: Teppichweben, armenische Tänze, ein Simultan gegen Großmeister Manuel Petrosyan und ein Quiz, dessen Sieger eine von Viswanathan Anand signierte Postkarte bekam. Die Eltern und Betreuer durften abends selbst zum Blitzen ans Brett. Den Pokal überreichte am Schluss Turlovs Vorgänger Arkady Dvorkovich.

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