Schachcoach
Schachnews › International › Internet

Zwölf Partien, zwölf Siege: Liang ist Meister im Seirawan-Schach

Im Seirawan-Schach hat jede Seite zwei Figuren mehr, und die können beide auch noch springen. Awonder Liang kommt damit offenbar bestens zurecht. Der US-Großmeister gewann die Jahresmeisterschaft auf Chess.com mit zwölf Siegen aus zwölf Partien, zum zweiten Mal nach 2024.

3. Oktober 20262 Minuten LesezeitAusgabe 1

Sieben Sekunden hatte Awonder Liang im Viertelfinale noch auf der Uhr, als er die Kombination sah. Sein Falke gab Schach und nahm dem schwarzen König dabei gleich noch das Fluchtfeld daneben, den Rest hätte die Dame erledigt. Wer bei „Falke“ stutzt, hat völlig recht. Im normalen Schach gibt es die Figur nicht. Im Seirawan-Schach gehört sie zur Grundausstattung, und Liang ist seit dieser Woche wieder der Meister darin.

Falke und Elefant warten neben dem Brett

Erfunden haben die Variante Großmeister Yasser Seirawan und FIDE-Meister Bruce Harper. Gespielt wird auf dem gewohnten Brett mit der gewohnten Grundstellung. Jede Seite hat aber zwei Figuren zusätzlich in der Hand. Der Falke zieht wie Läufer und Springer zusammen, der Elefant wie Turm und Springer. Ins Spiel kommen sie durch die Hintertür. Zieht eine Figur zum ersten Mal von ihrem Ausgangsfeld auf der Grundreihe weg, darf man im selben Zug eine der beiden Neuen auf das frei gewordene Feld stellen. Das geht auch bei der Rochade, dann aber nur mit einer der beiden. Ein Schach lässt sich so nicht abwehren. Wer alle Figuren entwickelt hat und immer noch welche in der Hand hält, hat Pech gehabt und darf sie nicht mehr einsetzen. Nur ein Bauer kann sich dann noch in Falke oder Elefant umwandeln.

Harper schätzt den Elefanten auf etwa acht und den Falken auf etwa sieben Bauerneinheiten. Sie sind damit die stärksten Figuren nach der Dame. Auf dem Brett wird es entsprechend voll. Im Mittelspiel können bis zu acht Figuren wie Springer ziehen. Das alles bei 3 Minuten Bedenkzeit und 2 Sekunden Zugabe. Leicht zu spielen ist das nicht, und beim Zuschauen kann man schon mal den Überblick verlieren.

Viermal 3:0 und eine Dame für den Falken

Acht Spieler hatten sich an den beiden Tagen davor über acht Arenen qualifiziert. Im Finale ging es im Doppel-K.-o. weiter, jeder Wettkampf über höchstens vier Partien. Liang brauchte nie mehr als drei. Er schlug erst Patrik Saar, dann Ionatan Giurgiu, dann im Finale der Siegerrunde den Polen Jakub Chyzy, jeweils 3:0. Chyzy, 20 Jahre alt und FIDE-Meister, kämpfte sich über die Verliererrunde zurück und bekam im großen Finale die zweite Chance. Es wurde das vierte 3:0.

Auffällig ist vor allem, wie sicher Liang die ungewohnten Tauschgeschäfte einschätzt. Im ersten Duell mit Chyzy gab er seine Dame für den Falken. Die Kommentatoren hielten seine Stellung danach für schlechter, er gewann im 53. Zug. Im großen Finale übersah Chyzy dann, dass ein Elefant auch ein Turm ist und einen Bauern fesseln kann. Das kostete ihn gleich die erste Partie.

Reich wird man damit nicht. Liang bekam 750 Dollar, Chyzy 500, Giurgiu als Dritter 350. Für den 23-Jährigen ist es der zweite Titel nach 2024. Im vorigen Jahr hatte Nhat Minh To gewonnen, damals im Finale gegen Jeffery Xiong. Kommentiert haben diesmal die beiden Erfinder persönlich. Ab dem 9. Oktober spielt er bei der US-Meisterschaft in Saint Louis.

Das Bild zu diesem Artikel ist mit KI erstellt. Es zeigt, wie Falke und Elefant als Figuren aussehen könnten, und kein echtes Figurenset.

Selbst besser werden?

Bock auf Training?

Das erste Gespräch ist immer kostenlos.

Erstgespräch anfragen →

Über die Schachnews

Die Schachnews entstehen mit Unterstützung einer KI aus den verlinkten Quellen. Marcus Schmücker sieht jede Ausgabe durch, bevor sie erscheint. Einen Fehler gefunden? Schreib an kontakt@schachcoach.com.