Atyrau Masters: Ohanyan vor Jiang nach Feinwertung
Zwei junge Spieler aus der zweiten Reihe der Setzliste teilen sich in Atyrau den ersten Platz: der 20-jährige Armenier Emin Ohanyan und der 15-jährige Chinese Jiang Haochen, beide mit 7/9. Die beiden Topgesetzten Vokhidov und Mendonca hatten schon in den ersten zwei Runden verloren.
Als Sergei Lobanov in der Schlussrunde des Atyrau Masters nach dem 21. Zug nur noch 1:11 auf der Uhr hatte, saß ihm Jiang Haochen mit gut neun Minuten gegenüber. Der 15-jährige Chinese brauchte diesen Sieg, um mit dem Armenier Emin Ohanyan gleichzuziehen, und er holte ihn nach 40 Zügen. Beide beendeten das Turnier in Kasachstan mit 7/9. Ohanyan wurde nach Feinwertung zum Sieger erklärt.
Das Turnier lief vom 12. bis 20. Oktober als dritte Station des Kazakhstan Chess Cup, ausgerichtet vom Kasachischen Schachverband. In der Masters-Gruppe spielten 109 Teilnehmer neun Runden nach Schweizer System, Bedenkzeit 90 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug ab dem ersten. Der Sieger erhält 9 Millionen Tenge, rund 20.000 US-Dollar.
Die Setzliste führte Shamsiddin Vokhidov aus Usbekistan (2649) an. Dahinter standen die Inder Leon Luke Mendonca (2629), Aditya Mittal (2621) und Pranav Anand (2606), dazu Maxim Matlakov (2596), der ehemalige WM-Herausforderer Gata Kamsky (2592, für Frankreich), Arkadij Naiditsch (2580, für Bulgarien) und der Georgier Baadur Jobava (2572).
Die Favoriten stolpern früh
Es dauerte keine zwei Runden, bis die beiden Topgesetzten verloren hatten. In Runde 1 schlug der Vietnamese Nguyen Duc Hoa (2405) den 244 Elo-Punkte stärkeren Vokhidov. Der hatte ein objektiv remisliches Endspiel mit Läufern auf ungleichen Feldern erreicht und machte dann einen Fehler. In Runde 2 verlor Mendonca gegen den Armenier Sergey Sklokin-Bagiyan (2477): Er hatte eine unangenehme Mittelspielstellung ausgeglichen, beurteilte dann aber eine Vereinfachung falsch und ließ Weiß eine neue Dame erzwingen.
Von diesen Rückschlägen erholte sich keiner mehr ganz, beide kamen am Ende auf 5½/9. Nach drei Runden führten Pranav Anand und der Aserbaidschaner Khagan Ahmad mit je 3/3. Pranav landete bei 5½, Ahmad bei 6 Punkten, sechster mit 48½ Feinwertungspunkten.
Ohanyan bleibt ungeschlagen
Emin Ohanyan, 20 Jahre alt, Großmeister mit Elo 2520 und an Nummer 20 gesetzt, holte in den ersten sechs Runden fünf Siege und ein Remis. Danach spielte er dreimal remis und blieb so mit fünf Siegen und vier Remis ungeschlagen. Auf dem Weg traf er nur zwei Spieler aus den ersten zehn der Setzliste, nämlich Jobava (Nummer 8) und Ivan Zemlyanskii (Nummer 10), jeweils in den beiden letzten Runden. Beide Partien endeten remis. Gegen Zemlyanskii kam ein Najdorf-Sizilianer mit Adams-Angriff aufs Brett, Schluss war nach 31 Zügen.
Jiang Haochen, Internationaler Meister mit Elo 2490 und an Nummer 30 gesetzt, war nach den ersten Runden hinter den Spitzenreitern zurückgefallen. Mit drei Siegen in Folge zum Schluss kam er heran, darunter in der vorletzten Runde gegen den an sieben gesetzten Naiditsch. Gegeneinander spielten Ohanyan und Jiang nicht. Die Entscheidung brachte die Feinwertung Buchholz mit Streichung der schlechtesten Wertung: Ohanyan kam auf 46 Punkte, Jiang auf 36½.
Ein Bauernvorstoß, der nicht trägt
Gegen Lobanov (Elo 2517) spielte Jiang mit Weiß ein Damenindisch mit Fianchetto und schob früh den h-Bauern bis nach h4. Dann öffnete er mit d5 das Zentrum und baute sich mit e4 dort auf. Stockfish sieht Weiß vor dem 13. Zug von Schwarz bereits mit +2,01 auf Gewinn. Der beste Zug war 13...Lf8. Lobanov spielte stattdessen 13...c4, und nun steht Weiß mit +3,47 auf Gewinn.
Jiang griff mit 14.Sg4 an, es folgten 14...Sc5 15.Sxf6+ Dxf6 16.axb5. Stärker war 14.axb5 mit +3,47, aber auch nach 14.Sg4 steht Weiß mit +2,87 auf Gewinn. Lobanov kam im Verlauf immer mehr in Zeitnot, die Stellung blieb gewonnen. Mit 40.exf5 endete die Partie, Weiß hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Türme und den weit vorgerückten Freibauern auf d6.
Jobava wird mit Wertung Dritter
Drei Spieler lagen einen halben Punkt hinter den beiden Führenden: Jobava, Zemlyanskii und der Kasache Aldiyar Ansat, alle mit 6½/9 und ohne Niederlage. Jobava und Ansat trennten sich in der Schlussrunde nach 40 Zügen und Zugwiederholung remis. Die Bronzemedaille ging mit 47½ Feinwertungspunkten an Jobava, Zemlyanskii hatte 46, Ansat 43½. Unter den ersten fünf standen damit drei Spieler, die außerhalb der ersten 15 der Setzliste gesetzt waren.
