Dreimal so viel wie erbeten
Vor zwölf Jahren eröffnete ein Wirtschaftsstudent in Charlotte ohne Geschäftsplan einen Schachclub. Heute unterrichtet das Charlotte Chess Center 2500 Kinder pro Woche, richtet über 365 gewertete Turniere im Jahr aus und holt Judit Polgar, Peter Leko und Boris Gelfand in seine Camps.
In den ersten Jahren war Peter Giannatos alles zugleich. Wer sein Schachzentrum betrat, wurde von ihm am Empfang begrüßt, er machte die Auslosungen, gab den Unterricht, putzte die Toiletten und brachte den Müll raus. Das erzählt er im Interview mit Sagar Shah, das dieser während des Daniel Naroditsky Memorial in Charlotte führte. Für Giannatos war das kein Opfer, sondern der Preis für einen Traum.
Zehntausend erbeten, dreißigtausend bekommen
Die Vorgeschichte reicht bis 2007. Damals organisierte Giannatos als Schüler sein erstes Turnier, um Geld für die Schulmannschaft zu sammeln, und gründete mit seinem Freund Gary Newsome den Verein Queen City Chess, der sich in einer Bibliothek traf. Geschäftlich dachte er nicht: Er wollte einen Ort zum Spielen. Eigentlich wollte er in die Bankenwelt, denn Charlotte ist ein Finanzzentrum.
Ende 2013, Anfang 2014 kippte das. Mit einem Abschluss in Wirtschaft von der University of North Carolina at Charlotte, den er in dem Semester beendete, in dem das Zentrum eröffnete, schrieb er einen Plan und fragte einzelne Mitglieder der Gemeinde um Spenden. Das Ziel waren 10.000 Dollar für einen kleinen Club mit Tischen und Stühlen. Zusammen kamen 30.000 Dollar, ausschließlich von Privatpersonen, keine Firma war dabei.
Sie erwarteten nichts dafür. Alles, was sie taten, war zu vertrauen, dass ich es durchziehe.Peter Giannatos, Gründer · übersetzt nach ChessBase
Die Spender stehen bis heute auf einer Tafel im Hauptzentrum. Giannatos sagt rückblickend, er würde es nicht noch einmal so machen: Er hätte zuerst die Gemeinde in gemeinsamen Räumen wie der Bibliothek weiter aufgebaut, denn Miete und Nebenkosten nehmen einer kleinen Gemeinschaft Mittel weg. Seinen Eltern, vor allem dem Vater, war der Schritt zu unsicher, auch seine Mentoren im Schach waren skeptisch.
Wie das Zentrum sich trägt
Nach rund eineinhalb Jahren reichten die Einnahmen aus dem Zentrum allein noch nicht. Getragen haben es die Schulprogramme, bei denen Giannatos mit Teilzeittrainern wie Julian Parker unterrichtete, der bis heute dabei ist. Sie zahlten die Miete. Dann reichte es für eine Vollzeitstelle, und Grant Oen, frisch von der Emory University, bewarb sich trotz der Minimalbezahlung. Er leitet heute die Turniere, auch das Naroditsky Memorial.
Heute teilt sich die Arbeit auf zwei Zentren auf. Etwa 500 Schüler besuchen pro Woche die Akademiekurse, rund 60 Schulprogramme erreichen weitere 2000 Kinder. Das Zentrum hat mehr als 50 Angestellte. Die Akademie kennt Stufen von den Grundlagen bis zur Eliteklasse ab 1500, mit Arbeitsheften, Taktikaufgaben und Turnierpartien. Dieses System entstand erst um die Pandemie herum.
Mehr Turniere als Tage
Zehn gewertete Turniere pro Woche laufen in den beiden Zentren, dazu kommen Veranstaltungen in Schulen und Kongresshallen. Im vergangenen Jahr waren es nach Giannatos' Zählung mehr als 365, und er sieht das Zentrum als aktivste Vereinigung im US-Schachbund, vor Saint Louis, dem Marshall und dem Mechanics'. Rund 2700 gewertete Spieler nahmen teil, nach seiner Rechnung etwa drei Prozent aller aktiven Turnierspieler der USA.
Den Anfang der Camps machte Oen mit Jacob Aagaard und Boris Avrukh. Später kamen Veselin Topalov, Judit Polgar, Peter Leko, Boris Gelfand und Mihail Marin. Das jüngste Camp hatte 50 Teilnehmer aus den ganzen USA.
Wir machen Schach aus der Seele. Wir machen Schach aus dem Herzen. Wir sind Schachleute.Peter Giannatos, Gründer · übersetzt nach ChessBase
Angebote von Risikokapitalgebern, das Zentrum zu übernehmen oder als Franchise zu vervielfältigen, lehnte er ab. Er sagt, was das Zentrum ausmache, lasse sich außerhalb der eigenen Stadt nicht wiederholen.
